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Die Starnberger Delegation hat das Jubiläum mit den Freunden aus Dinard gefeiert. Es war Zeit für Emotionen.

Mit Video: Starnberger Delegation in Dinard

Zwischen Fete und Krise

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Mit Freunden feiert man gerne – vier Tage lang hatten Starnberger in Dinard Zeit dazu. Bei einer Delegationsreise zum 40-jährigen Bestehen der Partnerschaft wurde deutlich, wie wichtig diese Jumelage ist. Sehen Sie die Eindrücke der Reise auch im Video.

Starnberg/Dinard – Die Luft wurde schon etwas schwer im Manoir de Pontbriant. In dem bretonischen Saal etwas außerhalb von Dinard stießen 86 Starnberger mit ihren französischen Freunden auf die Städtepartnerschaft an. Die Fischpastete war gegessen, die Geschenke waren übergeben, es war alles gesagt. Eine förmliche Feier zum 40-jährigen Bestehen der Jumelage. Bis vier bretonische Musiker in den Saal stürmen. Plötzlich steht ein Dudelsack-Spieler auf einem Tisch, laute bretonisch-keltische Klänge, die Besucher schunkeln, schwingen wild weiße Servietten über ihren Köpfen. Warum, weiß keiner. Emotionen, auch nach 40 Jahren noch.

Bei einer Tages-Rallye lernten die Starnberger Dinard neu kennen

Die Starnberger Delegation: 86 waren in Dinard vertreten. 

Doch es gibt auch andere Bilder von dieser Delegationsreise als diese deutsch-französischen Gefühle. In einer gemeinsamen Ansprache wurden Angelika Galata und Dominique Ledez deutlich. Sie sind die Vorsitzenden von den Freunden von Dinard und von Les Amis de Starnberg. Sie sprachen auch im Manoir de Pontbriant, wenige Stunden vor dem Servietten-Schwingen. Da erklärten sie: „Diese deutsch-französische Freundschaft ist ein Opfer ihres Erfolgs geworden.“ Die Attraktivität der Reise habe sich nach den zahlreichen Besuchen verflüchtigt. „Im Grunde machen wir eine Midlife-Crisis durch“, erklärte Galata. Ledez bezeichnete das als „nicht pessimistisch, sondern realistisch“. Die beiden Vorsitzenden wollten die Gäste an diesem Feierabend aber nicht in Tristesse zurücklassen. „Lasst uns von einem Aufleben des Interesses profitieren, das sicher stattfinden wird“, sagte Galata.

Dabei sind sie durchaus zufrieden mit dem Status quo und der jüngsten Delegationsreise. Jahr für Jahr gibt es diese gegenseitigen Besuche. Heuer haben die Starnberger bei einer Tages-Rallye Dinard und seine Umgebung neu kennengelernt. Gemeinsam mit den Franzosen haben sie mit viel Elan Fragen zur Geschichte und weiteren Bereichen gelöst. Die Starnberger haben sich längst in dieses Städtchen verliebt, das seinen eigenen Charme hat. In dieses kleine Städtchen an der Atlantikküste, wo sich die Menschen ungern öffnen – aber wenn sie es tun, schließen sie Freundschaften für die Ewigkeit. Wo Fischer ihre gefangenen Krebse noch direkt vom Kutter verkaufen. Sie erleben vier Jahreszeiten an einem Tag, sagen sie hier. Stürmischer Wind wechselt sich mit Sonnenschein ab. Die Villen aus dem 19. Jahrhundert sind nur eine der Besonderheiten Dinards. Sie haben sie unter Denkmalschutz gestellt, damit ja nicht alles zugebaut wird. Wer noch bauen will, muss sich an strenge Auflagen halten – damit können sich sehr viele Bürger anfreunden.

Dinards Bürgermeister Jean-Claude Mahé steht für Jumelage ein

Es kann hier aber auch unruhig werden. 300 Bürger protestierten vor dem Rathaus gegen die Politik der ehemaligen Bürgermeisterin. So etwas gab es in Dinard zuvor noch nie, sagen sie. Mittlerweile ist wieder Ruhe eingekehrt. Jean-Claude Mahé ist seit April das Stadtoberhaupt. Sie schätzen ihn hier, als Intellektuellen und als Vermittler. Mit seinem ruhigen Blick fokussiert er die Menschen. Er strahlt Souveränität aus. Mahé ist ein wichtiger Faktor für die Städtepartnerschaft. Er war Vorsitzender von Les Amis de Starnberg und Partnerschaftsreferent, ist Träger der Europamedaille. „Meine Familie hat unter dem Krieg sehr gelitten“, sagt er. Jetzt will er sich als Bürgermeister für die Freundschaft zwischen Dinard und Starnberg einsetzen. „Ich könnte mir nicht vorstellen, dass es diese Partnerschaft nicht gibt.“ 

Mahé weiß, dass er einen verlässlichen Partner im Starnberger Rathaus braucht. Es war ein wohlwollendes Signal, Bürgermeisterin Eva John schon während ihrer ersten Amtsperiode zur Ehrenbürgerin Dinards zu machen. Zusammen sollen John und Mahé die politische Grundlage für die Partnerschaft stellen. Ohne das Budget der Stadt wären die Besuche nicht denkbar. John erklärte: „Ich wünsche, dass die Partnerschaft – die im Herzen der Älteren fest verankert ist – auch die Herzen der Jüngeren gewinnt.“

Leutstettener Feuerwehrler fuhren mit dem Boot über den Atlantik

Gemeinsamkeiten haben die Städte genug, angefangen bei kleinen Dingen. Staus in der Innenstadt kennen die Bretonen genauso wie die Starnberger. In Dinard tummeln sich im Hochsommer 40 000 Menschen, vier Mal so viele wie sonst. Viele Pariser haben ihre Zweitwohnung hier. Manche nennen Dinard die Stadt der Reichen – das stimmt aber gar nicht, sagen die Einheimischen. Zustimmen müssen sie aber, dass es eine Stadt mit vielen älteren Bürgern ist. Junge Menschen müssen oft wegziehen, weil sie sich keine der teuren Wohnungen leisten können. Die Starnberger kennen das Problem.

Die Starnberger haben eine Ausstellung in der Villa Roche Brune besucht.

Gemeinsam arbeiten Vertreter beider Städte daran, die Partnerschaft attraktiv zu halten. Die Vereine sollen mehr eingebunden werden, um Jugendliche für die Jumelage zu begeistern. Heuer waren vier Burschen der Feuerwehr Leutstetten dabei. Der Einsatzleiter aus Dinard erklärte ihnen die Struktur der französischen Feuerwehr, während sie mit einem Boot bei 25 Stundenkilometern über den Atlantik fuhren. „Das war richtig cool“, sagt Florian Rattelmüller (17). „Für uns hat sich der Besuch auf jeden Fall gelohnt.“ Den Kontakt in die Bretagne wollen die Leutstettener halten. Das sind Erfolge, die die Delegation aus der Bretagne mitgebracht hat. Erfolge, die Mut für die Zukunft machen. Denn für viele ist die Partnerschaft nicht wegzudenken – es gibt tiefe Freundschaften.

Die Partnerschaft bringt schöne Anekdoten - damals wie heute

Aus den 40 Jahren der Jumelage gibt es auch einige schöne Anekdoten. 1978 besuchte Dinards Bürgermeister Starnberg. Es war Yvon Bourges, zugleich französischer Verteidigungsminister. Vereinsschwimmer sollten ihn begleiten, doch deren Kapitän musste wegen seines Militärdienstes absagen. Marc Bonnel (71), zu der Zeit Partnerschaftsreferent, erzählt: „Bourges sagte ihm: Komm in mein Flugzeug, du bist am Montag wieder in der Kaserne. Als der Schwimmer montags mit Dienstwagen an der Kaserne vorfuhr, machte der General große Augen.“

Patricia Perrier (47) ist die heutige Partnerschaftsreferentin. Als 13-Jährige war sie beim Schüleraustausch in Starnberg dabei und übergab dem damaligen Bürgermeister Heribert Thallmair ein Geschenk. „Ich habe es wie bei uns üblich gemacht – Küsschen links, Küsschen rechts“, sagt sie. „Er war völlig überrascht, das hat man damals in Deutschland nicht gemacht.“ Heute lachen Thallmair und Perrier über diese Szene.

Bedeutende Szenen hat diese Partnerschaft auch heute noch. Zwischen einer der Reden ergreift Charles Boivin das Wort. Der Senior ist früher mit dem Rad nach Starnberg gefahren und hat Touren organisiert. Als die Starnberger dann mit dem Rad kamen, standen die Franzosen zum Mitfahren schon an der Grenze bereit. Als Boivin darüber spricht, kommen ihm die Tränen. „Ich bin nie alleine gefahren“, sagte er mit stockender Stimme. Als die Starnberger Busse aus der Unterkunft im Manoir de la Vicomté ausfahren, winkt Boivin mit seiner bretonischen Mütze. Er hat seine Freunde verabschiedet. Bis zum nächsten Wiedersehen.

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