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Unter ihrem Namen in der internationalen Modewelt unterwegs: Designerin Michaela Sassenbach.

Starnberger Designerin startet Modelabel

Nur ein Stoff bei „sassenbach“

Die Starnberger Designerin Michaela Sassenbach erfüllt sich mit der Gründung ihres eigenen Modelabels einen Lebenstraum. Doch bis dahin war es ein langer Weg.

Starnberg – Die Kreisstadt Starnberg hat ein neues Modelabel. Leicht. Lässig. Anders. Unkompliziert. Brauchbar. Alltagstauglich. „From day to night.“ So verspricht es der erste Katalog der jung gebliebenen Designerin Michaela Sassenbach, die in der Mitte ihres Lebens steht und sich einen Lebenstraum erfüllt. Sie macht jetzt Mode unter dem schlichten Namen „sassenbach“.

Noch nie wollte sie etwas anderes machen, doch ihre Mutter war damit nicht einverstanden, denn es sei ein „Hungerleiderberuf“, fand diese. Also hat Micki, wie sie von ihrer Familie gerufen wird, „versucht zu studieren“ und sich nach Gymnasium in Starnberg und Abitur in Schäftlarn – „Ich war eines der ersten Mädchen dort“ – an der Uni München in Kunstgeschichte eingeschrieben. Um dann doch heimlich den ersehnten Lehrberuf anzufangen, bei einem Münchner Schneider, der im eigenem Atelier für hochkarätige Firmen Aufträge annahm. Zwei Jahre saß sie dort an der Nähmaschine, sammelte danach Erfahrungen bei angesehenen Modemachern wie Maja of Munich und Escada, arbeitete vier Spielzeiten lang in der Kostümschneiderei der Bayreuther Festspiele, kleidete Operndiven in Abendroben und nähte die ersten Brautkleider für ihre Freundinnen.

Nach dem Meisterkurs nähte sie für Filmproduktionen

Dann endlich, nach einem Meisterkurs, konnte sie sich selbstständig machen, nähte für Filmproduktionen und lernte ihren Mann kennen. Ein Riese. Zwei Meter und drei Zentimeter lang. Mit ihm gründete sie ihr erstes Modelabel „All for Tall“ und eröffnete einen Laden an der Münchner Reichenbachstraße. „Wir haben alles höher gebaut“, lacht die quicklebendige Modeschöpferin, „Kleiderstangen, Spiegel, Tische, alles.“ Und die großen Männer kamen. Aus Hamburg und Berlin, Frankfurt und Düsseldorf. Viele Basketballer waren dabei. „Mein größter Kunde damals war 2,15 Meter groß und um die 50 Jahre alt“, erzählt Michaela Sassenbach. „Wir haben Pullis stricken, Hemden, Krawatten, Jeans nähen lassen – alles individualisiert.“ Fünf Jahre lang, dann kam die Familienpause. Drei Kinder wurden groß gezogen, nebenbei Handtaschen aus Flanell und Herrenanzugstoffen entwickelt und an hochwertige Abnehmer an der Düsseldorfer Edelmeile, der Kö, oder dem Berliner Kudamm verkauft.

Michaela Sassenbach traf dann auf einer Stoffmesse einen Kollegen aus ihrer Berufsschulzeit wieder, der Stoffe aus Italien vertreibt; darunter auch einen speziellen Jersey, der nun für das neue Starnberger Modelabel quasi als Markenzeichen steht. „Meine Schnitte sind auf diesen Stoff zugeschnitten“, sagt Michaela Sassenbach. „Ich habe alle anderen Stoffe links liegen gelassen, denn dieser Jersey kleidet unglaublich, ist dennoch praktisch und sehr vielseitig.“ Schnittkanten bleiben ungesäumt. „Das ist sehr cool“, begeistert sich die Modedesignerin. „Der Stoff ist atmungsaktiv, peelt nicht, trocknet schnell, knittert nicht, bietet Lichtschutz und trägt auch noch ein Umweltsiegel. Pro Meter Stoff wird ein Quadratmeter Regenwald gerettet“, so Michaela Sassenbach. „Es ist ein Stoff, mit dem man ins Bett gehen kann.“

Sassenbach will tragbare Mode für jeden Anlass machen

Und wenn es mal ein Wintermantel werden soll? „Dann wird er eben mit Kaschmir abgefüttert“. Unkompliziert. Wie die Modemacherin, die tragbare Mode für jeden Anlass machen will. Ihre Kleider passen ins Büro genauso wie für den Opernbesuch. Gerade entwirft die Starnbergerin die Winterkollektion 2021. Die neue Trendfarbe? „Das interessiert mich nicht. Die Kleider sind ohnehin zeitlos und sprechen für sich selbst.“ Inzwischen ist die Starnberger Firma unter den Fittichen einer internationalen Modeagentur, die ihre Kollektionen vermarktet. Vier im Jahr, mit jeweils 20 bis 30 Teilen.

Gefertigt wird im eigenen Land, die Musterteile und Sonderanfertigungen entstehen im Starnberger Atelier, die auf den Messen georderten Teile werden auf der Schwäbischen Alb genäht. Drei Mitarbeiterinnen hat die Unternehmerin beschäftigt, denn 2000 bis 3000 Kleidungsstücke werden im Sommer 2020 an Händler in Deutschland sowie Russland und Nordamerika geliefert. Interessenten mögen sich in den Verteiler aufnehmen lassen, ein Kollektionsverkauf gibt es auch. Mail: Michaela@sassenbach-style.de.

von Astrid Amelungse-Kurth

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