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Starnberger Dreifachmord: Hauptangeklagter gesteht auch Raubüberfall

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Auftakt im Prozess um Dreifachmord von Starnberg
Der Starnberger Dreifachmord vor Gericht: der Hauptangeklagte beim Beginn des Prozessbeginn. © Sven Hoppe/dpa

Im Prozess um den Dreifachmord von Starnberg hat der Hauptangeklagte sich zu den Vorwürfen geäußert - und den Raubüberfall gestanden. Die Rede war auch von einem „Leben als Berufsgangster“.

Starnberg/München – Weil vor Gericht im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden ist, halten sich viele Beschuldigte bedeckt in der Hoffnung, dass ihnen die Tat nicht nachzuweisen ist. Ob diese Verteidigungsstrategie im Fall des im Dreifachmord-Prozess Mitangeklagten (21) aufgeht, wird immer zweifelhafter: Der Hauptangeklagte (22) hat nämlich nicht nur die tödlichen Schüsse auf den gemeinsamen Freund und dessen Eltern eingeräumt (wir berichteten), sondern am Montag auch den Überfall auf einen Supermarkt in Emmering gestanden. Der Mitangeklagte soll daran maßgeblich beteiligt gewesen sein.

Er habe „von einem Leben als Berufsgangster geträumt“, gab der Hauptangeklagte, der zuletzt in Olching gewohnt hatte, vor dem Landgericht zu. Erstmals habe er mit etwa 14 Jahren „einen auf Gangster gemacht“, als er auf dem Schulhof Drogen verkauft habe.

Weil er und der mitangeklagte Starnberger den Verkauf der Waffen, die im Haus der getöteten Familie erbeutet wurden, nach der Tat „nicht hingekriegt“ und „nicht viele Optionen“ zur Beschaffung von Geld gehabt hätten, seien sie auf die Idee gekommen, den Markt in Emmering zu überfallen. Vorgegangen sei man wie bei einem früheren Raubüberfall auf einen anderen Supermarkt, sagte der 22-Jährige: Er sei mit einer geladenen Waffe in den Markt gegangen, habe den Kassierer die Kasse öffnen lassen und 1200 Euro entnommen. Sein Kumpan habe ihn zum Tatort gefahren und auch wieder abgeholt. Und er habe gewusst, dass die Waffe, mit der er den Kassierer bedroht habe, scharf und geladen gewesen sei. Von dem erbeuteten Geld habe sein Komplize „mehr als die Hälfte“ bekommen, sagte der 22-Jährige. Das ist deshalb wichtig, weil der Anteil an der Beute als wesentliches Kriterium dafür herangezogen wird, ob jemand Mittäter oder nur Gehilfe ist.

Angeklagter trägt Geständnis mit ruhiger Stimme vor

Der Hauptangeklagte trug sein Geständnis mit ruhiger Stimme vor. Scheinbare Widersprüche konnte er auf Nachfrage ausräumen. Dies spricht ebenso für die Glaubhaftigkeit seiner Angaben wie der Umstand, dass er manche Fragen, die nicht das Kerngeschehen betrafen, auch nach längerem Überlegen nicht beantworten konnte – und das auch so sagte. Der Mitangeklagte zeigte auf das Geständnis keine erkennbare Reaktion.

Glaubt das Gericht dem Olchinger, bliebe für die Anwendung des Zweifelssatzes auf den Mitangeklagten wohl kein Raum: „In dubio pro reo“ gilt nämlich nur, wenn hinsichtlich des tatsächlichen Geschehens Zweifel bleiben. Außerdem könnte sich das Geständnis für den Hauptangeklagten – im Falle einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht – so strafmildernd auswirken, dass sich seine Strafe von der seines mutmaßlichen Chauffeurs nicht wesentlich unterscheidet.

Der Angeklagte hatte die Tat bereits im März gestanden.

Andreas Müller

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