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Ingo Haussmann aus Starnberg in seiner eigenen Küche zu Hause in Starnberg.

Starnberger im TV

So war es bei der ZDF-Küchenschlacht

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Diese Schlacht hat ihren Namen verdient. Davon ist Ingo Haussmann überzeugt. Die Küchenschlacht im ZDF hat den Starnberger vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Und obwohl der 50-Jährige die Schlacht nicht gewonnen hat, er würde sich ihr gleich noch einmal stellen.

StarnbergWie gelangt man als Kandidat in die ZDF-Küchenschlacht? Wie „man“ das im Normalfall schafft, hat Ingo Haussmann nicht erfahren. Der Starnberger kam dazu eher „wie die Jungfrau zum Kind“. Und das ging so:

Gerade ist Ingo Haussmann mit seiner Freundin von einer Reise nach Hause zurückgekehrt. Die Urlaubswäsche ist noch nicht mal getrocknet. Der 50-Jährige steht am Tresen in seiner offenen Küche und bereitet das Fleisch fürs Abendessen vor. Das Telefon klingelt. Am anderen Ende flötet ihm eine weibliche Stimme ins Ohr, sie sei Mitarbeiterin der Produktionsfirma „Die Fernsehmacher“ und habe ihm mitzuteilen, dass er Kandidat in der ZDF-Küchenschlacht sei. Haussmann ist baff. Wie er zu dieser Ehre komme. Ein Bekannter namens Karsten, so die Antwort aus Hamburg, habe ihm die Suppe eingebrockt – ein Freund, der zu einer Gruppe von Hobbyköchen gehört, die sich reihum treffen und gegenseitig bekochen.

Ingo Haussmann überlegt nicht lange: Diese Suppe möchte er auslöffeln. Was denn zu tun sei? In gut drei Wochen müsse er Zeit haben, um zur Aufzeichnung der Sendungen nach Hamburg zu kommen, erfährt er von der Produktionsmitarbeiterin. Er sei Ersatzkandidat für einen Teilnehmer, der kurzfristig absagen musste. Haussmann ist selbstständiger Diplom-Kaufmann, nur sich selbst und seinen Investments verpflichtet. Er sagt zu.

Die Schlacht hat begonnen. Der Starnberger kennt das TV-Format: Sechs Kandidaten treten gegeneinander an. In fünf Runden müssen sie jeweils ein bestimmtes Gericht kochen, haben dazu je Runde 35 Minuten Zeit. Betreut werden sie von einem bekannten Profikoch – in Haussmanns Fall ist das Mario Kotaska, Sternekoch aus Berlin. Bewertet werden sie in jeder Runde von einem anderen Jurykoch – ebenfalls mit Sterne-Niveau. Der entscheidet, wer es in die nächste Runde schafft. Ein Kandidat scheidet jeweils aus. Übrig bleibt nach fünf Runden der Sieger. Der muss sich später mit den Siegern der anderen Runden messen. Der Gewinner wird mit 25 000 Euro belohnt. Um es vorwegzunehmen: Ingo Haussmann schlägt sich bis in die dritte Runde durch, muss dann aber den Kochlöffel abgeben. Am Kohl ist er gescheitert. Aber der Reihe nach.

Die Schlacht startet mit der Vorbereitung daheim. In den ersten beiden Wochen tauschen der Starnberger und seine Betreuerin bei der Produktionsfirma eine Flut von E-Mails aus. Er bekommt die Aufgaben für jede Sendung gestellt und muss seine Rezeptvorschläge einreichen. Die erste große Herausforderung für den 50-Jährigen, der beim Kochen gerne viel ausprobiert und experimentiert. „Bei mir gibt es niemals ein Gericht zweimal“, erklärt Haussmann. Und jetzt soll er die Zutaten und ihre Mengenangaben detailliert benennen, dazu die Zubereitung und Kochzeiten. „Man wird vor Probleme gestellt, die man nicht erwartet“ – eine Erkenntnis, die er später noch mehrmals bestätigt sieht.

Ingo Haussmann kocht in der Vorbereitungszeit so intensiv wie nie zuvor. Und er holt sich auch professionelle Hilfe. Um für das Eis in der Nachtischrunde gewappnet zu sein, klopft er bei der Starnberger Eiswerkstatt an. Mit deren Betreibern Jan und Sven Thunig kreiert er sein Zimteis. Zwischendurch muss er Rezeptkorrekturen vornehmen, wenn er gleiche Zutaten wie ein anderer Kandidat gemeldet hat. Beim für alle verpflichtenden Kohlgericht muss der Starnberger sich auf Blaukraut und Kohlrabi einlassen. Haussmann geht mehrmals alle Speisen durch, kocht aber- und abermals, holt sich Freunde als Testschmecker an den Tisch.

Einen Tag vor dem Aufzeichnungsmarathon, es ist mittlerweile Ende November 2017, fliegt der gebürtige Schwabe mit seiner Freundin nach Hamburg. Jeder Kandidat darf eine Begleitperson mitbringen. Am nächsten Tag im Transferbus sieht er seine Gegenspieler zum ersten Mal.

An drei Tagen werden die fünf Küchenschlacht-Folgen aufgezeichnet, Ausstrahlungstermin für die Reihe mit Haussmann ist Ende Januar. Zehn Minuten hat jeder Kandidat Zeit, sich in der Studioküche zurechtzufinden („viel zu kurz“). Und erst die Küche. „Das ist Arbeiten auf engstem Raum. Im Fernseher sieht das alles viel größer aus, als es wirklich ist“, berichtet Haussmann. Die Aufzeichnung jeder Kochrunde dauert so lange wie die Ausstrahlung. „Da wird nichts wiederholt“, sagt der Starnberger und fügt anerkennend hinzu: „Die ausgestrahlte Version ist sehr wohlwollend, alle Teilnehmer werden gesichtswahrend behandelt.“ Das heißt: Wenn jemandem ein peinlicher Fehler passiert, geht die Kamera darüber hinweg.

Das Fazit für den 50-Jährigen: „Man ist Teil der Show und nicht der Star. Den Fernsehmachern ist egal, wer gewinnt. Hauptsache die Küchenschlacht ist unterhaltsam.“ Das ist eine Erfahrung des Starnbergers. „Es war eine Riesengaudi. Man investiert aber auch viel Zeit und Geld, und es kostet Überwindung. Dennoch: Ich würde es noch mal machen.“ Das ist eine weitere Erfahrung.

Trotz seines Ausscheidens hat Ingo Haussmann einiges gewonnen: mehrere Freunde und die „Lizenz zum Betreten der geschlossenen Küchenschlächtergruppe bei Facebook“. Dort tauscht man Erfahrungen aus, auch mit den mitwirkenden Profiköchen, die ihrerseits die Küchenschlächter zu exklusiven Kochevents einladen.

Haussmanns wohl größte Freude, vielleicht auch Genugtuung: Seine Mutter, eine traditionsbewusste Schwäbin, ließ nach dem Fernsehkonsum der Küchenschlacht durchblicken, ein ehernes Gesetz brechen zu wollen: „Meine Maultaschen könnte ich ja auch mal anders füllen, als ich es gewohnt bin.“

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