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18 Monate Training: Dr. Linda Johnston Rohrbasser (l.) startet mit zwei Freundinnnen Ende des Monats in Norwegen bei der Âsnes Expedition Amundsen.

Anstrengendes Vorhaben

Starnberger Kinderärztin fährt drei Tage 100 Kilometer durch Norwegens Winter - für den guten Zweck

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Drei Frauen, drei Schlitten und 100 Kilometer Weg durch verschneite Landschaften: So sieht die Expedition aus, auf die sich die Starnberger Kinderärztin Dr. Linda Johnston Rohrbasser Ende Februar begibt. Nicht nur zum Vergnügen. Die Frauen sammeln damit für einen guten Zweck.

Starnberg – Mancher Spaziergänger hat sie vielleicht schon gesehen und sich womöglich etwas gewundert: Eine Frau hat an Seilen einen Autoreifen befestigt, zieht ihn hinter sich her um den Maisinger See und durch die Schlucht. Die Frau mit dem Reifen heißt Dr. Linda Johnston Rohrbasser (51), sie ist Kinderärztin in Starnberg. Und sie trainiert – für eine Expedition durch Schnee und Eis. In Norwegen.

Zusammen mit zwei Freundinnen will Johnston sich einer besonderen Herausforderung stellen. Sie wollen an einer – wenn es gut läuft – dreitägigen Expedition durch Norwegen teilnehmen, zusammen mit etwa 200 anderen Teilnehmern, die teils allein, teils in Kleingruppen starten. Um alles, was man in der verschneiten Winterlandschaft so braucht, dabei zu haben, müssen sie je einen 40 Kilogramm schweren Schlitten ziehen.

Die Idee mitzumachen hatten sie schon vor etwa anderthalb Jahren. Eine solche Expedition erfordert schließlich Kondition. Seither trainieren die drei Freundinnen, laufen, stemmen Gewichte, machen Krafttraining. „Das ist aber nicht nur körperlich, das ist vor allem mental anstrengend“, sagt Expeditionsteilnehmerin Johnston. „Vom körperlichen her ist es eigentlich recht leicht. Kraft und Ausdauer kann man trainieren.“

Die Vorbereitung: „Vertrauen in das Equipment ist wichtig“

Im Dezember und Januar waren sie jeweils eine Woche dort, um mit einem Polartrainer für die Expedition zu trainieren, wie man den Schlitten richtig bepackt, das Zelt aufbaut, um einfach die Ausrüstung kennenzulernen. „Es ist natürlich wichtig, dass man Vertrauen in das Equipment hat“, sagt Johnston.

Am meisten freut sie sich jedoch auf den Cappuccino im Ziel. Denn während der dreitägigen Tour gibt es nur typisches Expeditionsessen. Und durch die Kälte und Anstrengung müssen die Teilnehmer nach jeder Stunde Fußweg etwas essen: Trockenfrüchte, Nüsse, Energieriegel. Ein bisschen Schokolade haben sie auch im Gepäck. Wasser nehmen sie keines mit, sie schmelzen Schnee über ihrem Kocher.

Knapp 100 Kilometer müssen die drei Frauen auf ihren Skiern zurücklegen, kleinere Berge überwinden, vorsichtig abfahren, damit die Schlitten sie nicht umreißen. Sie hoffen, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von drei Kilometern pro Stunde zu schaffen. Anstrengend wird es dennoch. „Es ist ja nicht flach“, sagt Johnston. Für die verschiedenen Passagen haben sie unterschiedliche Ski dabei: ein Paar für bergauf, ein Paar für bergab.

Schlafen im Zelt, Vorankommen auch nachts

Der Tag hört jedoch nicht mit dem Abend auf. „In der Nacht haben wir alle Stirnlampen und gehen weiter“, erklärt die gebürtige Schottin Johnston. Ausgestattet sind sie mit GPS und Landkarten. Doch ganz ohne Pausen geht es natürlich nicht. Drei obligatorische Haltepunkte für alle Expeditionsteilnehmer gibt es auf der Strecke. Geschlafen wird selbstverständlich im Zelt.

Und das Wetter, das kann einem auch einen Strich durch die Rechnung machen. „Ein Freund von uns, der die Tour auch gemacht hat, musste mal drei Tage im Zelt bleiben“, erzählt die 51-jährige, die seit 15 Jahren in Starnberg lebt. Ein Schneesturm war aufgekommen und wollte sich einfach nicht mehr verziehen.

Die Aktion machen die Drei nicht nur, um ihre eigenen Grenzen auszutesten. Sie sammeln gleichzeitig Spenden für ein Waisen-Projekt in der Ukraine, das ein befreundetes Ehepaar, Janice und Werner Lehnis, ebenfalls wohnhaft in Starnberg, ins Leben gerufen hat. Es heißt „Care in Action“. Über die Crowdfunding-Website betterplace.org sind so bereits mehrere tausend Euro zusammengekommen.

Wenn die drei Freundinnen durchhalten, wären sie das erste ausschließlich weibliche britische Team, das die Expedition von der Berghütte Hukeliseter in den kleinen Skiort Maurset (200 Kilometer nordwestlich von Oslo) auf den Spuren Roald Amundsen zurückgelegt hat. „Was mich aber besonders reizt an der Tour, ist, wirklich in der Natur zu sein“, sagt Linda Johnston Rohrbasser.

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