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Tut der Kreis genug für Radfahrer? Einige finden ja, andere nein. 

„Althergebrachtes Radfahrer-Bashing“

Starnberger Kreisräte wollen Radverkehr fördern - aber nicht um jeden Preis

Radverkehr fördern ja, aber nicht um jeden Preis – dieses Fazit lässt sich nach der jüngsten Sitzung des Verkehrsausschusses des Kreistages ziehen, in dem es um eine Reihe von Anträgen zum Radverkehr ging.

Landkreis – Eine Werbekampagne, die Autofahrer zum ausreichenden Abstand beim Vorbeifahren an Radfahrern bewegen soll, wird es zumindest auf MVV-Bussen im Landkreis Starnberg nicht geben. Und auch keine Sonderregelung in Baustellen.

Kreisrat Anton Maier (Grüne), auch Kreisvorsitzender des Fahrradverbandes ADFC, hatte beantragt, auf der Rückseite von Bussen einen großen Hinweis auf den nötigen Abstand von 1,5 Metern beim Überholen von Radfahrern anzubringen. Einige Gemeinden in Deutschland machen dies. Die Idee fand Befürworter, aber auch Kritiker. Kreisverkehrsmanagerin Susanne Münster hält den Ansatz für sinnvoll, den Weg nicht. Zum einen gebe es eine Übereinkunft, auf den Bussen für das Bussystem im Landkreis zu werben. Ein von Maier angeführtes Beispiel aus Esslingen ließe sich nicht übernehmen, weil die MVV-Busse optisch anders seien. Zudem fürchtet Münster einen Bumerang, falls Busfahrer sich an die Vorgabe auf ihrem Heck nicht halten – garantieren könne man das nicht.

Maier musste sich einiges anhören. Martin Frey (CSU) warf ihm einseitigen Lobbyismus für Radfahrer vor, die nur ein Teil der Verkehrswende seien. Radfahrer müsse man schützen und sie als gleichwertige Verkehrsteilnehmer sehen, mehr aber nicht. Martin Fink (CSU) forderte Maier auf, dafür zu sorgen, dass sich einige Radfahrer an die Straßenverkehrsordnung halten, beispielsweise das Rechtsfahrgebot. Da es im Ausschuss auch um einen anderen Antrag der Grünen ging, bei Baustellen bessere Durchfahrbedingungen für Radfahrer zu schaffen, legte Fink nach. Er habe selbst erlebt, wie Radfahrer Sperrungen ignorieren und in Bereiche fuhren, in denen gerade Bäume gefällt wurden. „Geh weg, du Depp“, habe sich einer seiner Mitarbeiter vom Radfahrer anhören dürfen. Oder: Die Westumfahrung Gilching sei vor der Freigabe für alle Fahrzeuge, auch Radfahrer, gesperrt gewesen. Er, Fink, habe mit einem Traktor dort fahren müssen, weil es keinen anderen Weg zu seinen Flächen gab. Dafür sei er von einem Radfahrer auf der Strecke beschimpft worden. Es brauche, resümierte Fink, auch eine Aufklärung für Radfahrer.

Hinweise auf häufiges Fehlverhalten von Radfahrern

Beide Anträge der Grünen wurden mehrheitlich abgelehnt. Bei Baustellen habe das Landratsamt nicht immer Einfluss, da Kommunen oder Staatliches Bauamt die Baustellen und die Verkehrsführung dort erlauben. In der Beschlussvorlage wurde auf das häufige Fehlverhalten von Radfahrern verwiesen. Wörtlich heißt es dort (inklusive Schreibweise): „Auffällig ist jedoch, dass eine Vielzahl von Radfahrer*Innen gerade bei Sperrungen von Verkehrsflächen jedweder Art trotz Verkehrszeichen, Abweisbarken, Sperrschranken u.m. diese zumeist umgehen bzw. nicht beachten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass selbst Streckenabschnitte, die mehrfach für alle Verkehrsteilnehmer mit Verkehrszeichen 250 (weißes rundes Schild mit rotem Rand) beschildert sind, gerade von Radfahrern nicht beachtet werden. Die Folgen einer solchen Ignoranz können besonders für Radfahrer*Innen massiv sein und bis zum Tod führen.“ Maier hielt das für „althergebrachtes Radfahrer-Bashing“.

Gegen die Stimmen der beiden Grünen-Kreisräte im Ausschuss wurde ein weiterer Antrag der Grünen verworfen, der eine andere personelle Aufstellung der Rad-Abteilung im Landratsamt forderte und eventuell mehr Aufträge an Fachbüros. Münster legte quasi einen Tätigkeitsbericht vor und warnte davor, dass die Vergabe von Projekten an Büros wegen Ausschreibung und Kontrolle nicht weniger Arbeit mache. Landrat Karl Roth machte auf die Einstellung zweier weiterer Kräft aufmerksam. Wie Gerd Mulert (Grüne) betonte, gehe es den Grünen nicht um neue Stellen, sondern effektives Arbeiten. Man habe sich nur gewundert, dass scheinbar so wenig passiere, sagte Mulert. Susanne Münster stellte fest, das Landratsamt werde nie alle Erwartungen erfüllen können, weil es für Teilbereiche des Radverkehrs gar nicht zuständig sei.

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Edith Jäger muss sich oft ärgern, wenn sie durch Starnberg geht. Die 60-Jährige sitzt im Inklusionsbeirat der Stadt. Gerade die Verkehrssituation am Seebad und an der Seepromenade machen ihr zu schaffen.

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