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Möchten den Schwung mitnehmen: Grünen-Chef Robert Habeck (l.), Landtagsabgeordnete Anne Franke und Ludwig Hartmann, Grünen-Chef in Bayern.

Kreisverband

Grüne im Freudentaumel

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Der Grünen-Kreisverband Starnberg will den Schwung aus der Landtagswahl für die Europa- und Kommunalwahl nutzen. Kritik gab es aber am Landratsamt.

Landkreis– Die Grünen wollen ihre guten Ergebnisse der Landtagswahl bei der Europawahl im kommenden Mai und vor allem bei der Kommunalwahl im Frühjahr 2020 in Mandate ummünzen. „Wir wurden noch nie so nötig gebraucht“, analysierte Dr. Jürgen Schade aus Gauting. Die Grünen im Kreis erzielten die besten Ergebnisse ihrer Partei bei der Landtagswahl außerhalb von Großstädten.

„Ihr seid super“, stellte Kreissprecherin Kerstin Täubner-Benicke vor rund 30 Teilnehmern einer kurzfristig einberufenen Kreisversammlung in Starnberg fest. Der Wahlkampf sei hervorragend gelaufen. Man habe mit Hilfe der Mitglieder 40 000 Flyer verteilt und 3500 Erstwählerbriefe verschickt. Das habe gewirkt, auch wenn sie rund 600 Adressen, die die Grünen von den Gemeinden bekommen hatten, von Hand abschreiben musste. Die Grünen hätten rund 1000 Plakate geklebt, beim Haustürwahlkampf ebenso viele Klingeln gedrückt.

Unger mahnt: „Schnell wieder weg vom Fenster“

Ob das ausschlaggebend war oder der allgemeine Trend, spielte bei der Kreisversammlung eine untergeordnete Rolle – es gab Sekt für alle. Die Grünen hätten im Landkreis das beste Ergebnis außerhalb Münchens und Würzburgs eingefahren, sagte Täubner-Benicke. Die Wahlbeteiligung sei im Kreis besonders hoch gewesen (78,99 Prozent), im Stimmkreis mit den drei Weilheimer Gemeinden auch (79,17). Als Erfolg verbuchten die Grünen auch das Abschneiden der AfD – sie habe im Landkreis das fünftschlechteste Ergebnis im Freistaat erzielt (Stimmkreis 6,53; Landkreis 6,60 Prozent). Stolz sind die Grünen auch, dass sie in Weßling stärkste Kraft geworden sind und ihre Kandidatinnen Anne Franke (Landtag, Mandat über die Liste) und Martina Neubauer (Bezirkstag, höchstwahrscheinlich ein Mandat) in einigen Gemeinden gewonnen hatten. Die Zahlen seien „unheimlich ermutigend“, sagte die Neu-Abgeordnete Franke.

Die Grünen sehen sich nun im Aufwind, auch dauerhaft. „Unsere Themen waren die Themen überhaupt“, erklärte Schade. Und Grünen-Urgestein Peter Unger gestand ein, hätte ihm jemand bei Gründung der Grünen 1980 gesagt, sie würden einmal zweitstärkste Kraft in Bayern, hätte er ihm nicht geglaubt. Er wie andere Mitglieder sind überzeugt, die klaren Aussagen der Grünen seien der Schlüssel zum Erfolg gewesen. In der künftigen Landtagsarbeit dürfe man davon nicht abrücken, sagte Unger, „sonst sind wir ganz schnell wieder weg vom Fenster“.

Geschenke für Franke und Neubauer

Kreissprecher Bernd Pfitzner, der mit seinem eigenen Zweitstimmenergebnis zufrieden war, richtet den Blick schon auf 2020. Nie sei die Stimmung für die Grünen so gut gewesen. „Man musste ja fast Mitleid mit den CSUlern am Infostand haben“, meinte er. Einen Grund fürs schlechte Abschneiden der CSU in der Region glauben die Grünen im Verhalten des CSU-geführten Starnberger Landratsamtes zu erkennen, dass Erlasse bei Arbeitserlaubnissen oder Kita-Kosten „besonders scharf“ auslege. Anne Franke stimmte zu und verwies auf einen Fall eines Mannes aus Mali, der in Starnberg monatelang keine Arbeitserlaubnis bekommen habe, in München aber sofort. Landrat Karl Roth sei gegenüber seiner Verwaltung offenbar machtlos. Martina Neubauer gab schon eine Parole aus: „Auf in die grünen Rathäuser.“

Rundherum wurden bei der Kreisversammlung Blumen verteilt – für die Kandidatinnen, für Helfer. Der Starnberger Ortsverband scherte aus und hatte kleine Pesto-Gläschen besorgt. Für Martina Neubauer gab es von Erika Schalper eine Kreation namens „Gipfelstürmer“, und für Anne Franke die „Scharfe Hexe“.

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