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Marionettentheater mit Liebe zum Detail: Der Kasperl trägt auf der Brust sogar das Starnberger Stadtwappen. „Das tapfere Schneiderlein“ ist noch an allen Januar-Wochenenden zu sehen. 

Starnberger Marionettentheater

„Was grad ist, mach ich krumm“

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Grandiose Unterhaltung ist das neue Stück des Starnberger Marionettentheaters, „Das tapere Schneiderlein“. Karten sind allerdings nur noch schwer zu bekommen.

Starnberg – Franz Graf von Pocci (1807 – 1876) war Zeremonienmeister, Kammerherr und Hofmusikintendant am Münchner Hof und stand im Dienste dreier Könige: Ludwigs I., Maximilians II. und Ludwigs II. Er war Dichter, Zeichner, Maler, Musiker, Journalist, Übersetzer, Kunsthistoriker, Grafiker, Kommandeur, Ehrendoktor der Philosophie und Besitzer des Ritterlehens Ammerland. Bekannt ist er aber als Kasperlgraf, der vordergründig mit seinen Komödien Kinder zum Lachen bringen wollte und hintergründig mit beißendem Spott den Erwachsenen Spaß bereitete. Das Starnberger Marionettentheater hat es sich zur Aufgabe gemacht, Pocci am Leben zu halten und so ziehen alljährlich fünf Marionettenspieler an den Fäden der Figuren, die Dr. Arnulf Gnam 1986 der Stadt Starnberg hinterlassen hat. Zwanzig der vererbten 320 Puppen werden dieses Jahr im Stück „Das tapfere Schneiderlein“ zum Leben erweckt, das Pocci frei nach der Grimmschen Vorlage verfasste.

War die Premiere vor den Feiertagen noch mager besucht, so muss man sich inzwischen sputen, wenn man noch Karten ergattern will. Hingehen lohnt sich, denn der Spaß für Jung und Alt ist garantiert. Auch, weil Theaterdirektor und Regisseur Uwe Mertsch gut daran getan hat, den Originalton des Theatergründers Egon Blädel beizubehalten, der vom Band kommt. So können sich die Puppenspieler Heidi Janicek, Dietmar Köstler, Susanne Oberhauser-Knott, Andrea Szabo, Traudl Thule voll und ganz auf die Figurenführung konzentrieren. „Ein bis zwei Jahre braucht es, bis man die Kunst des Marionettenspiels beherrscht“, erzählt Uwe Mertsch, der über die Volkshochschule vor 34 Jahren zum Marionettentheater gefunden hat. Damals war er der Jüngste. Ab Oktober wurde acht bis zehn Abende vor der Premiere geprobt.

Kasperl Larifari steht diesmal in der Rolle des „Glücklosen Schneidermeisters und Heldenassistent“ im Mittelpunkt. Er zieht mit seinem Gesellen Wiggerl, alias Prinz Siebenstreich, aus, um die Gunst des Königs und die Hand der schönen Prinzessin Kunigunde zu erkämpfen und muss allerlei Abenteuer bestehen. Die Detail verliebte Ausstattung verzaubert. In der Schneiderstube stapeln sich Stoffballen, im Kamin blinkt die Glut, im Brotkörberl liegen winzige Brezen, auf der Weste des Kasperls ist das Starnberger Stadtwappen aufgestickt und an der Waldkapelle, hinter der der stiernackige Riese schnarcht, wuchert das Unkraut aus den Bodenritzen.

Von Einhorn, dem Wildschwein und Riesen

Es fehlt aber auch nicht an Spannung: Knisternde Stille im Zuschauerraum, als das Einhorn, das dem König zu Füßen gelegt werden soll und das „zu Furchtbarem geboren“ ist, wütet und schreit „Was grad ist, mach ich krumm“. Dem Kasperl, der in den Baumwipfel geflüchtet ist, droht es gar: „Komm runter, bunter Papagei, aus Dir mach ich weichen Brei!“ Der, nicht dumm, lockt das Ungeheuer in eine Falle. Dann trabt auch noch eine fürchterliche Wildsau auf die Bühne „Tagelang lieg ich auf der Lauer, dann nehm’ ich Menschenkinder auf die Hauer!“ Nach zweimal dreißig Minuten Vergnügen, nach 12,75 Minuten Pause und zwei besiegten Riesen, einem zwischen Mauer und Baum verklemmten Einhorn, einer Wildsau im Gotteshaus und nach zwei abgeschnittenen Riesenohrwascheln kann Wiggerl als Prinz Siebenstreich beim König um „zwei prinzessische Handerln“ der „in goldene Fesseln“ gelegten Prinzessin anhalten und glänzt dabei wie ein Batzen Gold in seiner Rüstung. Die Prinzessin willigt ein und Kasperl Larifari wird Vorsteher vom königlichen Kindergarten.

Das tapfere Schneiderlein ist an allen Wochenenden im Januar zu sehen. Samstags beginnen die Vorstellungen um 15 und um 17.30 Uhr, sonntags um 11 und 14 Uhr im Theatersaal der Alten Oberschule (VHS-Gebäude, Bahnhofplatz 14) in Starnberg. Eintritt: Erwachsene 8 Euro, Kinder 4 Euro. Kartenvorverkauf: Stadt Starnberg, (0 81 51) 77 21 70 und 77 21 36, Tourist-Information, (0 81 51) 9 06 00; touristinfo@gwt-starnberg.de.

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