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Einen Staubsauger von innen bekommt Hans Peter Stoehrel öfter zu sehen – danach geht das Gerät meist wieder.

Schöne und skurrile Geschichten

Repair-Café: Hoffnung für kaputte Gegenstände

Starnberg – Das Starnberger Repair-Café ist gefragt. Die Aufträge ergeben neben schönen Geschichten auch skurrile Fälle. 

Zweimal musste das Repair-Café im Starnberger Senionentreff bereits kurzzeitig schließen – einfach, weil zu viele Menschen mit ihren kaputten Fahrrädern, Handys und Uhren vor der Tür standen. Seit Hans Peter Stoehrel und seine Frau Claudia Brosé den Samstagstreff vor einem Jahr gründeten, läuft er mehr als gut. Wenn der Seniorentreff samstags geschlossen ist, breiten in dessen Caféteria 25 Reparateure ihre Decken über den Tischen aus, nehmen ihr mitgebrachtes Werkzeug zur Hand und legen los. Dreieinhalb Stunden lang löten sie Kabel, drehen kleinste Schräubchen, flicken Jeans und pinseln Staub aus alten Uhren. Dabei machen die modernen Geräte oft die größten Probleme: „Teilweise sind die so schwer zugemacht, dass wir eine halbe Stunde brauchen, um die kleinen Winkelchen zu öffnen“, sagt der pensionierte Bauingenieur Hans Peter Stoehrel. 

"Wunderschön war ein kleiner Bub mit einer Polizeikelle"

Er war während seiner Berufslaufbahn für wesentlich größere Dinge, zum Beispiel das Dach des Olympia-Stadions in München, zuständig. „Ist das Gerät einmal offen, ist der Defekt meist in fünf Minuten behoben. Manche Hersteller bauen die Geräte regelrecht, damit sie kaputt gehen.“ Wer denkt, dass die meisten Reparateure Mechaniker oder Elektriker sind, liegt falsch: „Einer unserer besten Tüftler ist Arzt“, sagt Stoehrel lachend. 50 Prozent der kaputten Gegenstände können sofort repariert werden. Von den restlichen ist ein Drittel Schrott. Das zweite Drittel muss zur weiteren Behandlung bleiben, und für den Rest fehlt das nötige Ersatzteil, das erst bestellt werden muss. 

Die Ersatzteile, Kaffee und Kuchen sind die einzigen Dinge, die die Gäste zahlen müssen, eine Spende ist erwünscht. „Das Café ist auch ein Kommunikationszentrum“, sagt der 79-Jährige. „Besucher reden beim Kaffee über die Dinge, die sie in der Hand halten. Da hat man immer eine Geschichte.“ Außerdem könne man bei der Arbeit zusehen. Belohnung seien die zufriedenen Leute, wenn sie ihre Schätze wieder funktionstüchtig in den Arm nehmen können. „Wunderschön war zum Beispiel ein kleiner Bub, der traurig mit einer Polizeikelle hereinkam“, erinnert sich Stoehrel. Es musste nur ein Kabel angelötet werden, um den Buben und die Kelle wieder zum Strahlen zu bringen. 

Skurrilster Fall: Ein riesiges "Dampfradio"

Das Skurrilste, das je repariert wurde, war laut Stoehrel ein riesiges „Dampfradio“. Zur Eröffnung des Repair- Cafés wurde es von zwei Mann angeschleppt, erinnert er sich. Das „Dampfradio“, ein Röhrenempfänger aus den 1950ern, wird nur scherzhaft so genannt. Es machte seinem Namen aber alle Ehre: „Als wir es mutig an die Steckdose anschlossen, begann es wie verrückt zu qualmen“, sagt Stoehrel lachend. Bürgermeisterin Eva John, die bei der Eröffnung dabei war, „wandte sich bereits in Richtung Tür und machte Anstalten zu fliehen“. Im Innenleben wartete eine Überraschung: Staub und Spinnenweben hatten sich über die Jahre abgelagert. Unter Strom verqualmten sie. Einmal mit Staubsauger und Pinsel entfernt, lief das Radio den Rest des Tages wie geschmiert. 

Das sollte eine gute Note auf dem Bewertungszettel gegeben haben, auf dem die Kunden mitteilen können, wie zufrieden sie sind. „Die Kritik ist durchweg positiv“, sagt der Organisator. Das einzige, was bemängelt werde: dass es manchmal lange dauert. Schneller sei es aber aufgrund des großen Andrangs nicht möglich. Eine bestimmte Zielgruppe hat das Repair-Café nicht. Eltern, Kinder, Senioren und Bedürftige profitieren gleichermaßen. „Wir überlegen, ob wir künftig ein Repair-Café auf Rädern anbieten“, so der 79-Jährige. „Damit könnten wir mehr Bedürftige erreichen oder zum Beispiel auch Wasserhähne reparieren.“ Vorerst müssen die emsigen Reparateure aber erstmal den Ansturm am Ilse Kubaschewski Haus an der Hanfelder Straße bewältigen. Am kommenden Samstag, von 13 bis 16.30 Uhr, wird dort wieder repariert, was das Zeug hält.

Von Lara Gohr

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