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Immer mehr Menschen lieben es, mit einem SUP über die Seen zu paddeln. In Kursen wie hier am Starnberger See erfahren sie Wichtiges über die Bretter, Wetter und Techniken. 

SUP-Dichte am Starnberger See nimmt zu

Fluch und Segen mit dem SUP

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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  • Hanna von Prittwitz
    Hanna von Prittwitz
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  • Andrea Gräpel
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Ein Großaufgebot an Rettungskräften hat am Sonntag auf dem Ammersee nach zwei jungen Stand-up-Paddlern gesucht, die vermisst gemeldet waren. Die Aktion ging gut aus – zeigt aber auch: So einfach das Stand-up-Paddeln zu erlernen ist, auf den großen Seen ist es nicht ungefährlich. Zumal die SUP-Dichte deutlich zugenommen hat.

Landkreis – Immer mehr Menschen besitzen ein aufblasbares Stand-up-Paddelboard (SUP). An und auf den Seen reihen sie sich bunt aneinander. Am Wörthsee zum Beispiel „haben wir an schönen Sommertagen schon bis zu 150 Bretter auf dem Wasser gezählt“, berichtet Jule Heuchert, Sprecherin der Wasserwacht Wörthsee. Aber: Nicht jeder, der ein SUP-Board hat, beherrscht es auch.

„Viele überschätzen sich“, bedauert Siegfried Dumbsky, technischer Leiter der Kreiswasserwacht Landsberg. Er rückte am Sonntag gegen 15.30 Uhr gemeinsam mit den Wasserrettern aus Herrsching, Buch, Schondorf und Utting, zwei Rettungshubschraubern und der Wasserschutzpolizei Dießen aus, um nach zwei Buben im Alter von 13 und 15 Jahren zu suchen. Sie waren von einem Mann vermisst gemeldet wurden, als eine Gewitterfront am südlichen Ende des Ammersees vorbeizog und der Wind in Böen stark wurde.

Rettungskräfte fanden die Buben unverletzt vor Breitbrunn

Die Buben waren in Utting gestartet und zu der Zeit schon einige Stunden unterwegs. Gefunden haben sie die Rettungskräfte dann vor Breitbrunn – glücklicherweise unversehrt. Erst vor zwei Wochen wurde ein Paddler nach Sonnenuntergang entkräftet vom Ammersee gerettet. Die großen Seen haben ihre Tücken, warnt Dumbsky. Am Sonntag kam der Wind von Westen und trieb die Buben vor sich her. „Das wollten sie sicher“, sagt Dumbsky. Aber man sollte auch an den Rückweg denken, „das ist wie beim Fahrradfahren“, sagt er. „Gegen den Wind ist immer anstrengender, das darf man nicht unterschätzen.“

Für den SUP-Club Starnberger See ist deswegen eine gute Vorbereitung das A und O. „Bin ich fit? Habe ich genügeng gegessen und getrunken?“, seien wichtige Fragen, sagt Sprecherin Eliane Droemer. Und natürlich sei es wichtig, das Wetter zu beobachten. Außerdem empfiehlt sie allen SUP-Paddlern, wenigstens einmal einen Kurs absolviert zu haben. Der Starnberger Verein hat heuer 600 Teilnehmer gezählt, die unter anderem zu den Themen Wetter, Vorfahrtsregeln, Schutzgebiete und Paddeltechniken unterrichtet wurden.

Ab weniger als 20 Grad Wassertemperatur ist Neopren ratsam

„Wenn ich die richtigen Techniken beherrsche, kann ich auch gegen den Wind gut paddeln“, sagt Droemer. Und – ganz wichtig: „Immer mit Fangleine fahren“, also das Brett mit dem Fußgelenk verbinden. Dann kann das Board nicht wegtreiben – und der Paddler sich auch weiter weg vom Ufer in Sicherheit bringen. Das ist vor allem bei sinkenden Temperaturen wichtig. Sobald das Wasser unter 20 Grad warm ist, sei Neopren empfehlenswert, sagt Wasserwachtler Dumbsky.

Ihre liebe Müh’ mit dem neuen Sport hat die Seenschifffahrt. „Viele Stand-up-Paddler kennen keine Vorfahrtsregeln“, bedauert Florian Schmid, Chef in Stegen. „Wir müssen immer aufmerksamer sein.“ Die Paddler unterschätzten auch die Gefahr in der Nähe der Dampfer. „Sie sollten 100 Meter Abstand halten“, sagt er. Und wer quer fährt, dürfe nicht vergessen, dass der Bremsweg eines Schiffes 100 Meter beträgt. „Das wird häufig unterschätzt.“ Bis jetzt konnten die Kapitäne rechtzeitig ausweichen.

Einsätze im Zusammenhang mit SUPs sind keine Seltenheit mehr

Für die Wasserwacht am Wörthsee stünden Einsätze im Zusammenhang mit den Brettern beinahe auf der Tagesordnung, sagt Sprecherin Heuchert. „Das ist seit drei, vier Jahren so.“ Im Juni 2018 ertrank eine 37-jährige Touristin. Sie hatte sich ein Brett ausgeliehen, obwohl sie nicht schwimmen konnte, und fiel vom Brett.

„Viele leihen sich ein SUP als vermeintlich sichere Schwimmhilfe aus“, hat Heuchert beobachtet. Werde es dann windig, unterschätzten sie die Anstrengung. „Wir sehen es sehr oft, dass die SUP-Fahrer bei aufkommendem Wind nicht ans nächste Ufer fahren, sondern zwanghaft versuchen, zum Einstiegsort zurückzukehren.“ Manche würden auch ihre Kinder mit auf die Bretter nehmen. Nicht immer trügen diese eine Schwimmweste. „Das ist dann oft fatal, weil so ein Brett schnell wegtreibt.“

Ratsam sei, eine Tour mit dem Brett immer gegen den Wind zu beginnen und auf dem Rückweg den Rückenwind zu nutzen.

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