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Motorboot-Vorfall am Starnberger See: Wie gefährlich ist das Schwimmen in bayerischen Seen?

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Von: Carina Zimniok, Tobias Gmach, Sophia Oberhuber

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Im Starnberger See ist ein Schwimmer von einem Motorboot überfahren worden – der 32-Jährige ist seither vermisst. Wie gefährlich ist es auf den oberbayerischen Seen?

Kempfenhausen – Sie suchten mit Hunden, mit Sonargeräten, mit Tauchern und Unterwasserdrohnen – doch am Montagnachmittag (1. August) mussten die Rettungskräfte die Suche nach dem vermissten Münchner abbrechen. Der 32-Jährige war am Sonntag um 14.45 Uhr im Starnberger See von einem Motorboot überfahren worden. Er ging sofort unter, vor den Augen seiner Freunde, die neben ihm im Schlauchboot fuhren.

Der 64 Jahre alte Fahrer des Motorboots, der mit seiner Frau von Nord nach Süd unterwegs war, stoppte zwar sofort und sprang ins Wasser – doch vergeblich. Heute, Dienstagmorgen, um 7 Uhr, soll die Suche nach dem Vermissten fortgesetzt werden: Die Polizei hat eine private Firma mit einem Sonarboot engagiert.

Starnberger See: Unfälle dieser Art passieren sehr selten

Schwimmer kollidiert mit Motorboot – ein seltenes, tragisches Unglück. In beiden oberbayerischen Polizeipräsidien sind aus den vergangenen Jahren keine ähnlichen Fälle bekannt. Die Wasserwacht bestätigt das, Unfälle dieser Art passierten sehr selten. Fest steht: Das Fahren von Motorbooten in Bayern ist streng reglementiert. Nur zwei oberbayerische Seen dürfen mit Booten mit Verbrennermotor befahren werden: der Ammersee und der Starnberger See.

Für beide Gewässer vergibt das jeweilige Landratsamt die Lizenzen – für den Starnberger See sind es maximal 250 Stück. Die sind sehr begehrt: „Die Wartezeit beträgt mindestens zehn Jahre“, sagt ein Sprecher. Und wer eine Motorboot-Lizenz erhält, verliert sie automatisch nach fünf Jahren. Bei der Begrenzung geht es eher um Umweltschutz, nicht darum, die Zahl leistungsstarker Boote aus Sicherheitsgründen gering zu halten. Für Boote mit Elektromotor gibt es keine Lizenzpflicht.

Bayerische Seen: Schwimmer müssen 100 Meter Abstand vom Dampfsteg halten

Je mehr auf den Seen los ist, desto größer ist das Risiko eines Unglücks. Mit den Dampfern der Bayerischen Seenschifffahrt kommt es immer wieder zu brenzligen Situationen – die häufen sich natürlich in langen Schön-Wetter-Phasen. Michael Grießer beobachtet das seit Längerem, er ist seit acht Jahren Geschäftsführer der Seenschifffahrt.

Er sagt, dass es nur manchmal Jugendliche oder junge Erwachsene sind, die für eine Mutprobe oder aus Leichtsinn vom Steg ins Wasser springen, kurz bevor das Schiff anlandet. Meistens geraten Schwimmer unbedacht in Gefahr: Wenn sie rund um den Steg, auf den ein Dampfer zufährt, nicht rechtzeitig aus dem Wasser gehen. Für die Kapitäne sei das ein erheblicher Stressfaktor: „Wenn man acht Meter über dem Wasser ist, ist so ein kleiner Kopf sehr schwer zu erkennen“, sagt er.

Tobias Bucher (li.) und Oliver Jauch von der Wasserwacht
Suchen den Vermissten: Tobias Bucher (li.) und Oliver Jauch von der Wasserwacht. © Oliver Bodmer

Eigentlich gilt die Regel, 100 Meter Abstand vom Dampfersteg einzuhalten – das ist vielen Badenden nicht klar. Und so kommt es laut Grießer immer mal wieder vor, dass Dampfer nicht anlegen können und weiterfahren müssen. Ein weiteres Problem: Langstreckenschwimmer, die quer durch den See unterwegs sind.

Ohne Begleitboot oder Schwimmboje seien sie sehr schwer im Wasser zu erkennen. Benjamin Taitsch, Vize-Vorsitzender der Wasserwacht Bayern, rät Langstreckenschwimmern, immer einen Schwimmkörper in Signalfarbe hinter sich herzuziehen. Und Grießer von der Seenschifffahrt sagt: „Wir bitten die Schwimmer, dass sie sich nicht auf den Fahrtrouten der Dampfer und Motorboote aufhalten.“ Die müssen zum Ufer 300 Meter Abstand halten.

Starnberger See: Unfall wird genau analysiert

Das Unglück am Sonntagnachmittag ereignete sich etwa 500 Meter vom Badegelände Kempfenhausen entfernt. Bislang gibt es keine Hinweise, dass der 64-jährige Fahrer des Motorboots unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft München II wurde das Motorboot sichergestellt und ein unfallanalytisches Gutachten angeordnet.

Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck ermittelt – im Moment nicht wegen eines konkreten Vorwurfs, sondern nur im Rahmen einer Vorermittlung, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilt. Vorerst gehe es vor allem darum, den Vermissten zu finden. In dem Bereich rund um die Unfallstelle ist das Wasser laut Oliver Jauch von der Starnberger Wasserwacht maximal 17 Meter tief. Doch was kaum einzuschätzen ist: die Strömung.

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