Der Bayerische Yacht-Club beim dritten Segel-Bundesliga-Spieltag 2020 in Berlin.
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Unter anderem der Bayerische Yacht-Club hatte befürchtet, beim vierten Bundesliga-Spieltag in Kiel zu fehlen.

Chaos vor 4. Spieltag

Corona-Auflagen geändert: Bundesliga-Segler vom Starnberger See dürfen wohl doch in Kiel teilnehmen

  • vonChristian Heinrich
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Den Segel-Clubs vom Starnberger See drohte eine Riesenkatastrophe. Wegen neuer Corona-Auflagen dürfen sie nun aber wohl doch beim 4. Bundesliga-Spieltag in Kiel antreten.

  • Wegen Corona-Auflagen hätten die Segel-Clubs vom Starnberger See fast den 4. Bundesliga-Spieltag verpasst
  • Nun haben sich die behördlichen Einstufungen aber doch geändert - die Crews sind unterwegs nach Kiel
  • Trotzdem kann sich die Situation täglich ändern.

Update von Mittwoch, 23. September

Starnberg/Tutzing – Am Mittwochvormittag erreicht Ilja Wolf die frohe Botschaft. „Ab 10 Uhr war München kein Krisengebiet mehr“, teilt der Teammanager des Bayerischen Yacht-Clubs mit. Die Landesregierung von Schleswig-Holstein habe die Einreisebestimmungen für alle Bürger aus München plötzlich aufgehoben. Für die drei Segel-Bundesligisten vom Starnberger See bedeutet das, dass sie ihre Mannschaften problemlos zum vierten Spieltag entsenden können, der an diesem Wochenende in Kiel über die Bühne geht.

Wie es zur neuen Lagebeurteilung kam, können weder die Yacht-Clubs noch die Hamburger Konzeptwerft sagen, die die Regattaserie organisiert. Offenbar lag die Zahl der Infizierten in München am Mittwochmorgen unter dem kritischen Grenzwert. Konzeptwerft-Sprecherin Deyke Zschachlitz versichert, dass es zu keinerlei Einflussnahme ihres Unternehmens auf die Politik gekommen sei, obwohl man im ständigen Austausch mit dem Gesundheitsamt in Kiel stehe. „Die Macht haben wir nicht, darüber zu entscheiden, wer einreisen darf oder nicht“, stellt Zschachlitz klar.

Zwei Teams ändern ihre Crew, eines schickt trotzdem die Ersatzleute

Als sich die Grenzen Schleswig-Holsteins wieder für die Bürger aus der bayerischen Landeshauptstadt öffneten, war die Crew des Münchner Yacht-Clubs bereits aufgebrochen. Teamchef Micki Liebl erreichte seine Leute auf der Höhe von Nürnberg und dirigierte sie sofort wieder nach München um. Denn Jannik Pöhlmann, dessen Einsatz bis Mittwochfrüh wegen der Corona-Bestimmungen nicht möglich war (siehe Erstmeldung unten), war auf einmal wieder startberechtigt.

„Wir hatten am Dienstag einen Riesenwirbel, das in den Griff zu bekommen“, berichtet Liebl. Irgendwann hatte sich ein neues MYC-Quartett für Kiel gefunden. Während Pöhlmann gegen Mittag von seinen Teamkollegen zu Hause abgeholt wurde, bleibt Anton Sattler, der ursprünglich für ihn einspringen sollte, die Fahrt mit dem Nachtzug nach Kiel nun doch erspart.

Erleichtert reagiert auch der Deutsche Touring Yacht-Club auf die jüngste Entwicklung. „Wir sind froh, dass zufällig der Wert runtergegangen ist“, gibt Teammanager Patrick Follmann zu. Nachdem es am Dienstag noch so ausgesehen hatte, dass der zweifache Deutsche Meister überhaupt nicht in Kiel antreten könnte, da so gut wie alle seine Segler in München wohnen, trat die ursprünglich gemeldete Crew um Skipper Julian Stückl jetzt doch die Fahrt in den Norden an. „Schade, dass so etwas nicht schon vorher geklärt ist“, sagt Follmann. Er weist darauf hin, dass man sich einige Aufregungen und Diskussionen hätte sparen können, wenn vor der Saison ein entsprechender Präzedenzfall in den Statuten der Bundesliga erörtert worden wäre.

Ilja Wolf ging noch ein Stück weiter: „Du denkst, du bist in der Klapsmühle.“ Anders als die beiden Nachbarvereine entschied sich der BYC dafür, seine Entscheidung vom Dienstagabend nicht mehr rückgängig zu machen. Es bleibt also dabei, dass die eigentlich nominierte Crew um Steuermann Christian „Kicker“ Schäfer zu Hause bleibt und von der Junioren-Mannschaft um Skipper Felix Kaiser an der Ostsee vertreten wird.

Die Rochade zieht Konsequenzen nach sich. Kaiser und Kollegen können deshalb beim gleichzeitig in Hamburg stattfindenden Spieltag der Deutschen Junioren-Liga nicht antreten und verzichten auf ihre Titelchance. Wolf rechtfertigt diesen Entschluss: „Da muss man Prioritäten setzen.“

Erstmeldung von Dienstag, 22. September

„Jetzt ist es so weit.“ Maximilian Weiss ist zwei Tage vor dem vierten Bundesliga-Spieltag in Kiel außer sich. Der Teamchef des Deutschen Touring Yacht-Clubs hatte sich vor Saisonbeginn der deutschen Segel-Eliteklasse mit der Frage auseinandergesetzt, was geschieht, wenn einem Team wegen Corona der Start nicht möglich ist. Eine ausreichende Antwort von der Hamburger Konzeptwerft, die die Bundesliga veranstaltet, bekam er nicht.

Nun ist die Verwirrung groß, nachdem die Regierung von Schleswig-Holstein die Stadt München am Montag zum Risikogebiet erklärte und eine Einreise in das Land zwischen Nord- und Ostsee nicht mehr ohne Weiteres möglich ist.

Etliche Segler der Clubs vom Starnberger See wohnen im Risikogebiet München

Einige Segler der Clubs vom Starnberger See, die für Kiel nominiert waren, kommen direkt aus München. Die müssten sich vor Ort zunächst für 14 Tage in Quarantäne begeben oder zwei Corona-Tests im Abstand von mindestens fünf Tagen unterziehen – für beides reicht die Zeit nicht. Vom DTYC sind gleich drei Besatzungsmitglieder betroffen: Maximilian Weiss, Laura Fischer und Paul Mothwurf haben ihren Wohnsitz in der Landeshauptstadt, nur Steuermann Julian Stückl ist in Tutzing gemeldet.

„Wir haben keine Kapazitäten, andere Personen zu schicken“, stellt Weiss klar. Alle übrigen Kaderangehörigen des DTYC wohnen auch in München. Die Konsequenz ist klar: „Ich befürchte, wir werden nicht hochfahren.“

Wo genau Raoul Heraeus wohnt, muss das Gesundheitsamt von Kiel noch herausfinden. Laut Ilja Wolf wohnt der Segler des Bayerischen Yacht-Clubs irgendwo auf der Stadtgrenze zwischen München und Unterhaching, was eine Entscheidung kompliziert macht. Der Teamchef des BYC will die offizielle Stellungnahme abwarten, bevor er die Entscheidung bekannt gibt, ob seine Crew in den Norden fährt. Die Tendenz ist klar: „Wenn es keine Genehmigung gibt, werden wir nicht starten.“ Eine andere Crew zu entsenden, ist für Wolf keine Option. „Wir können kein Team aus dem Hut zaubern.“

Auch der Münchner Yacht-Club hat mit Jannik Pöhlmann einen Segler für dieses Wochenende gemeldet, der in München lebt. Micki Liebl spielt zwar mit dem Gedanken, einen Ersatzmann zu bestimmen, doch begeistert ist der Teamchef nicht davon. „Für uns ist es ein Nachteil“, befürchtet er. Neu formierte Mannschaften funktionieren nicht so reibungslos.

Schwerer Schlag für Segel-Bundesligisten aus Starnberg: Keine Ausnahmegenehmigung erteilt

Gestern Nachmittag zeichnete sich ab, dass es vom Gesundheitsministerium in Kiel keine Ausnahmegenehmigung für die Segler aus München geben wird. Die Konzeptwerft machte dem DTYC ein Angebot: „Die wollen uns Leute aus anderen Segelclubs zur Verfügung stellen“, berichtet Weiss.

Das würde aber gegen das Reglement der Liga verstoßen. Der Teamchef gab den Fall deshalb an seine Vereinsführung ab, die nun mit dem Deutschen Segler-Verband klärt, welche Konsequenzen drohen, sollte man in Kiel nicht antreten. Von der Konzeptwerft war keine definitive Stellungnahme zu bekommen. „Es wird alles im rechtlichen Rahmen sein“, versprach Firmen-Sprecherin Deyke Zschachlitz.

Corona: Segler vom Starnberger See wollen sich an Einreisebestimmungen halten

Einig sind sich die drei Clubs vom Starnberger See, dass sie sich strikt an die Einreisebestimmungen des Landes Schleswig-Holstein halten werden. „Das sind Gesetze“, stellt Weiss klar. Bei Verstoß drohen Bußgelder bis zu 10 000 Euro. „Das ergibt Sinn“, findet Weiss. Schließlich befindet sich Deutschland noch immer im Klammergriff der weltweiten Pandemie.

hch

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