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Bleibt zumeist im Hafen in Starnberg: die MS Phantasie der Bayerischen Seenschifffahrt.

Seenschifffahrt

Starnberger See fast ohne „Phantasie“

Dem Starnberger See fehlt etwas Auffälliges: die MS Phantasie. Der kleine Dampfer  wird von der  Seenschifffahrt nur noch selten eingesetzt. Dafür gibt es mehrere Gründe – und die Tage des Schiffes scheinen sowieso gezählt.

Starnberg/Bernried – Auf der Internetseite der Bayerischen Seenschifffahrt wird sie nicht mehr geführt, auf dem Starnberger See ist sie nur noch sehr selten zu sehen: Die MS Phantasie, das auffälligste Schiff der weiß-blauen Flotte, liegt fast nur noch im Hafen in Starnberg. Das 58 Jahre alte Schiff wird nur noch sporadisch eingesetzt und muss in den nächsten Jahren erneuert werden. Es wurde bisher vor allem für die Museumslinie zum Buchheim-Museum nach Bernried eingesetzt, die auch das Ostufer anfährt.

Für Fahrgäste hat der Dampfer einen besonderen Reiz. Das liegt zum einen an der Galionsfigur des Chemnitzer Künstlers Karl-Heinz Richter am Bug, vor allem aber an den vielen Bildern und Ausstellungsstücken im Schiff, die alle einen Bezug zum Schriftsteller, Maler und Sammler Lothar-Günther Buchheim (1918-2007, „Das Boot“) haben. Vor fast auf den Tag genau neun Jahren stellte der damalige Finanzminister Georg Fahrenschon die MS Phantasie nach einer grundlegenden Überholung vor; da war sie bereits einige Jahre auf dem Starnberger See im Einsatz. Schon damals war die „Phantasie“ nicht mehr die jüngste, fuhr sie doch als MS Rottach auf dem Tegernsee.

Das Alter ist auch der Grund, warum die MS Phantasie kaum noch ausläuft. Ralph Schlemmert, Chef der Schifffahrt auf dem Starnberger See, will das Schiff so wenig wie möglich einsetzen. Es sei nicht barrierefrei, Rollstuhlfahrer beispielsweise haben keine Chance, in den Salon zu kommen – er ist anders als bei den anderen Schiffen nur über Stufen erreichbar. Zudem hat die „Phantasie“ einige Mängel. „Da müsste man eine Menge reinstecken“, sagt er. Einsetzbar sei sie, habe TÜV und könne jederzeit auslaufen. Ab und zu, wenn es nötig ist, wird der Dampfer auch eingesetzt – Fahrgäste müssen sich davon aber überraschen lassen. Ein weiterer Grund für die geringe Einsatzzahl: Die „Phantasie“ kann wegen ihrer Größe (20 Meter lang) bei stärkerem Wind an einigen Stegen am Ostufer nicht anlegen. Darauf weist die Schifffahrt Fahrgäste zwar hin, aber eine gute Lösung ist das nicht. Die MS Berg bekommt oft den Vorzug, weil sie stabiler ist.

„Sie fährt, so lange es geht“

Mängel? Alter? Wird die MS Phantasie ausrangiert? „Sie fährt, so lange es geht“, sagt Schifffahrtsgeschäftsführer Michael Grießer. Klar ist aber auch: Mit den anderen Schiffen kann sie auch in Sachen Komfort nicht mithalten. Ein Neubau ist also absehbar, aber nicht so bald. Wenn die zuletzt gebauten Schiffe, etwa die „Utting“ am Ammersee, bezahlt sind, denkt Grießer wieder an Werft-Aufträge. Das müsse er dann mit dem Freistaat als Gesellschafter besprechen – und es wird nicht das einzige Thema sein. Neben der MS Phantasie stehen in den kommenden fünf bis zehn Jahren, schätzt Grießer, auch die MS Berg (Baujahr 1961) und die MS Bayern (Kiellegung 1939, fertiggestellt 1948) zur Erneuerung an. Wann also mehr „Phantasie“ auf dem See zu sehen sein wird, ist offen.

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