Werner Gschwendtner, Kioskbetreiber auf der Starnberger Seepromenade, mit Kassenbons.
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Werner Gschwendtner, Kioskbetreiber auf der Starnberger Seepromenade, sieht ein Alkoholverbot kritisch.

Deutliches Statement

Alkoholverbot an Starnberger See-Promenade? Kiosk-Betreiber schreibt Brandbrief an den Stadtrat: „Wenn das kommt...“

  • Tobias Gmach
    VonTobias Gmach
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An der Uferpromenade des Starnberger Sees könnte ein Alkoholverbot eingeführt werden. Ein Kioskbetreiber wehrt sich nun heftig - und zeigt auf, was das eigentliche Problem ist.

  • Am der Uferpromenade in Starnberg könnte ein Alkoholverbot eingeführt werden.
  • Ein Kioskbesitzer wehrt sich heftig gegen diese Pläne.
  • Er sieht das eigentliche Problem ganz woanders.

Starnberg – Der Starnberger Ferienausschuss, quasi der Stadtrat im August, berät am Montag über ein Alkoholverbot. Wenn es nach der Stadtverwaltung geht, soll es nicht nur auf dem Steininger Grundstück, dem Böhler-Grundstück und im Bucentaurpark gelten – sondern auch auf der Seepromenade. Werner Gschwendtner betreibt dort seit 31 Jahren einen Kiosk. Die Pläne der Stadt, die von Empfehlungen des Freistaats herrühren, haben ihn aufgeschreckt. Er hat ein Schreiben verfasst, das er noch vor der Sitzung am Montag an Stadträte verteilen will und das auch dem Starnberger Merkur vorliegt. Gschwendtners Kernbotschaft: „Es gab in letzter Zeit keine verstärkten Probleme mit alkoholisierten Leuten.“

Alkoholverbot an Starnberger See-Promenade: Kiosk-Besitzer mit deutlichem Statement

Ein Mitnahme- und Verzehrverbot, wie es die Stadt vorhat, würde für den Kioskbetreiber bedeuten: Er dürfte zwar noch Bier und andere alkoholische Getränke verkaufen. Aber wer kauft so etwas am See, wenn er es dort gar nicht trinken darf? Wohl die wenigsten. Gschwendtner verteidigt seine Stammgäste. „Zu mir kommen viele, die nach der Arbeit die Aussicht am See genießen wollen, auf die S-Bahn warten und ihr kühles Entspannungsbier trinken“, sagt er.

Alkoholverbot am Starnberger See? Problem sind jugendliche Party-Macher

Problematisch ist für Gschwendtner eher die Situation am Steininger Badegelände. Er spricht von Jugendlichen, „die mit Bierkisten beladen dorthin pilgern und Party machen“. Weil sich die Beschwerden über Müll und Rücksichtslosigkeit dort gehäuft hatten, engagierte die Stadt einen Sicherheitsdienst. Dass sich Jugendliche nachts zum Trinken und Feiern treffen, kommt laut Gschwendtner auch mal auf der Seepromenade vor. „Das wäre dann die Aufgabe des Ordnungsdienstes, verstärkt zu kontrollieren“, sagt er. Aber sowohl das städtische Personal als auch die neuen Securitys sehe der Kioskbetreiber fast nie.

Wenn einer von Ereignissen auf der Promenade berichten kann, dann Gschwendtner. Auch mit 67 Jahren fährt er jeden Tag frühmorgens von seinem Wohnort Peißenberg nach Starnberg. An heißen Sommertagen ist sein Kiosk schon mal bis 22.30 Uhr geöffnet. An Rangeleien unter Jugendlichen oder Betrunkene, die nicht mehr ansprechbar waren, kann er sich schon erinnern. An bemerkenswerte Polizeieinsätze aber nicht.

Gerade in Corona-Zeiten: Ein Feierabend-Bierchen am Seeufer in Starnberg sollte erlaubt sein

Zu Gschwendtners Kunden zählen – gerade in Corona-Zeiten – auch Touristen. Auf den Dampfern gebe es ja derzeit keine Gastronomie, und der eine oder andere freue sich nach der Schifffahrt auf ein kühles Bier am See. Acht bis zehn Kästen Bier verkaufen Gschwendtner und seine Mitarbeiter bei warmem Wetter täglich, die 0,5er Flasche kostet zwei Euro. Eis und Wasser sind im Sommer aber gefragter.

„Ein Alkoholverbot wäre finanziell schon zu verschmerzen, aber es würde mir persönlich weh tun“, sagt er. Die Arbeit würde ihm dann einfach nicht mehr so viel Spaß machen, weil sich die Stammgäste ohne ihre Feierabendbierchen dann wohl ein anderes Plätzchen suchen müssten. Er wolle in absehbarer Zeit aufhören, sagt Gschwendtner: „Wenn ein Alkoholverbot kommt, mache ich das vielleicht schon früher.“

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