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Vorgeschmack aufs Alter: Mit einem Spezialanzug konnte man ausprobieren, wie es sich mit krummem Rücken, schlechteren Augen und steiferen Beinen läuft. 

Starnberger Seniorentag

Was ältere Menschen wissen wollen

Einen Besucherrekord verzeichnete der neunte Starnberger Seniorentag am Samstag. Die Informationsmesse deckte die Befürnisse älterer Menschen in allen Facetten ab – vom E-Bike und bis zum Gehirnjogging.

Starnberg – Einen regelrechten Besucheransturm erlebte der Starnberger Seniorentag am Samstag. Im Nu füllte sich der Kleine Saal der Schlossberghalle, gut 250 Menschen drängten sich in den Veranstaltungsraum. So lange, bis sogar die Stehplätze ausgingen. Reinhard Dirr, Vorsitzender vom Seniorenbeirat, hatte diesen Tag rund um die Senioren gemeinsam mit einem Initiativkreis organisiert – und entschuldigte sich für das Gedränge: „Wir haben nicht mit diesem Andrang gerechnet.“ Die Menschenmassen hatten Folgen: Während des launigen Auftritts von Musiker und Kabarettisten André Hartmann erlitt ein 90-Jähriger einen Schwächeanfall. Die Luft war zum Schneiden, das Interesse am Seniorentag größer als die Jahre zuvor.

Im Foyer und im Großen Saal ließen sich die Besucher an rund 40 Informationsständen beraten. Die meisten hatten die Lebensmitte deutlich überschritten, aber ihre Bedürfnisse waren breit gefächert. Sie interessierten sich für Computerkurse, seniorengerechtes Wohnen, Hörhilfen oder schmökerten in der Leseecke. „Altwerden ist nichts für Feiglinge“, zitierte Vize-Bürgermeister Dr. Klaus Rieskamp in seiner Rede den verstorbenen Schauspieler Joachim Fuchsberger. Diese Behauptung untermauerte Sozialpädagogin Christine Offtermatt von der Wohnberatungsstelle. Die 48-Jährige zwängte sich in einen Anzug, der aus knapp 50 Jahren im Nu mehr als 80 machte: steife Beine, krummer Rücken, schmerzender Nacken und eine Brille, hinter der die Umgebung zu einem grauen Brei verschwimmt.

Info-Messe findet regen Zuspruch

Auf jene, denen das Alter noch nicht so schmerzhaft in den Knochen steckte, wartete eine Ausstellung mit Elektrorädern, die auch älteren Herrschaften die sportliche Fahrt in die Berge oder zumindest den Einkauf auf dem Rad ermöglichten. Ein heiteres Bild des Älterwerdens zeichnete Filmemacherin Dagmar Wagner in ihrer Dokumentation „Ü100“. In diesem Sinne stellte die Bergerin ihr Netzwerk älterwerden.net vor. Die Ilse-Kubaschewski-Stiftung befasste sich mit dem Schreckensszenario Demenz. Die Stiftung unterstütze Angehörige, die zu Hause einen an Demenz Erkrankten pflegten, erklärte Stiftungsmitarbeiterin Beate Brandner. Wenn die Augen nicht mehr mitmachen, verspreche ein Lesecomputer Abhilfe, erklärte Matthias Groß von der Firma Optelec am Stand vom Starnberger Sozialwerk einem 90-Jährigen. Angela Huss (74) erkundigte sich nach einem Helfer im Garten. Für später, wenn sie selbst zu alt für Gartenarbeiten sei. Genauso wie eine 62-jährige Dame wollte sie „für den Fall der Fälle gerüstet sein“.

Auf der Bühne ließ sich derweil eine Frau in die chinesischen Meditationsübungen Qigong einweisen, die die Gesundheitsakademie vom Starnberger Klinikum anbot. So lange wie möglich fit bleiben war vielen ein Anliegen. Das Rezept dafür von Ernährungsberaterin Andrea Passenberg: ausgewogene Ernährung und Bewegung. Gehirnjogging sicherte sich Karin Siberbach in Form eines Italienischkurses. „Das wollte ich schon immer.“ Die 67-Jährige zeigte die andere Seite der Gebrechen auf, die ein alter Körper mit sich bringt: Das Alter räumt Platz für Dinge ein, für die früher keine Zeit blieb.

Von Michèle Kirner

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