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Er lässt seinen Verein nicht im Stich: Ingolf Junietz lief mit 63 für die FT Starnberg auf. Seither tobt in der Fußball-Welt ein Streit – ehrenwert oder peinlich für den Club? Foto: SvJ

Fußball

Starnberger spielt mit 63 in der ersten Mannschaft

Starnberg - Der Einsatz des 63-jährigen Ingolf Junietz in der Mannschaft der FT Starnberg schlägt unter Fußballern hohe Wellen. Der Routinier stellte mit dem Spiel einen Rekord auf.

Die FT Starnberg ist zum vierten Mal in Folge abgestiegen – doch das wird in Fußballer-Kreisen kaum diskutiert. Stärker bewegt der Auftritt von Ingolf Junietz am Wochenende bei der 0:16-Pleite gegen den SV Inning. Dass ein 63-Jähriger noch einmal für eine erste Mannschaft aufläuft, ist ein absolutes Novum.

Selbst Heinz Eckl hält den Einsatz von Starnbergs grauem Panther für „einen Einzelfall“. Bisheriger Rekordhalter war für den Spielgruppenleiter Zugspitze ein 62-Jähriger aus dem Ostallgäu. Im Voralpenland dagegen galt bisher Walter „Pico“ Falkner als Rekordhalter. Auch der Inninger in Diensten des FSV Eching läuft und läuft und läuft noch immer mit seinen 72 Lenzen für die Altenherren der Ammerseer auf. Bis weit in den Sechzigern half er noch bei der Reserve aus, was Thomas Schmelcher gar nicht so verwunderlich fand. Nur weil einer über 60 Jahre alt sei, sei er nicht automatisch nicht mehr konkurrenzfähig, stellt der ehemalige Torhüter des FSV klar. Junietz selbst hatte während und auch nach dem Spiel jedenfalls nach eigenem Bekunden keinerlei körperliche Beschwerden. Schließlich hatte er jeden seiner Schritte vorher genau abgewogen. „Da bin ich clever genug.“ Einen weiteren Verletzten hätte sein Team auch nicht gebrauchen können. Nur noch zehn Aufrechte hatte Trainer Radek Biernat für die Partie gegen Inning mobilisieren können. Da war es für Junietz Ehrensache, in der Not einzuspringen. „Ich lasse euch nicht im Stich.“

"Ich finde das absolut lächerlich"

Während Junietz’ Körper noch einmal glimpflich davon kam, mussten andere Routiniers ihren Einsatz bei den Jungen bitter bereuen. Peter Mühlbauer zog sich vor ein paar Jahren bei einem Hallenturnier einige Blessuren zu. „Die Verletzungsgefahr für sich selbst ist viel zu hoch“, findet der ehemalige sportliche Leiter des TV Stockdorf, der mittlerweile 56 Jahre zählt und selbst im Traum nicht darauf kommen würde, noch einmal so ein Abenteuer einzugehen. Weniger die eigene Gesundheit als das Ansehen des Vereins sieht Willi Welte in Gefahr. Der Abteilungsleiter des TSV Herrsching, der nur vier Lenze mehr auf dem Buckel hat als Junietz, hält den schon angekratzten Ruf der Freien Turnerschaft nun für endgültig ramponiert. „Ich finde das absolut lächerlich“, empört er sich über die Zustände, die beim einstigen sportlichen Aushängeschild des Landkreises herrschen.

Das alles passt zum desolaten Eindruck, den die Freien auch in dieser Saison abliefern. Welte, der die goldenen Zeiten in Starnberg selbst miterlebt hat, kann wie viele Zeitzeugen den unaufhaltsamen Niedergang der Turner nicht fassen. „Was ist nur aus dem Verein geworden?“, fragt er sich, „der Rudi Hack dreht sich doch 17-mal im Grab herum“. Der ehemalige Abteilungsleiter, nach dem das Stadion an der Ottostraße benannt ist, hätte wohl schon längst seinen berühmten Klappstuhl aus lauter Frust in tausend Einzelteile zerlegt.

Sein Nachfolger Dieter Glavanich ist da von sensiblerem Gemüt als das streitbare Starnberger Urgestein. „Ich werde dazu keine Stellungnahme abgeben“, bat der neue Spartenchef des Clubs um Verständnis.

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