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Schüler und Lehrer: Bernd Beigel (links) aus Hadorf lernt derzeit bei Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall. Am 5. Oktober wird er im Augsburger Dom zusammen mit fünf anderen Männern zum Diakon geweiht.

Er strebt ein kirchliches Amt an

Starnberger Steuerberater macht Praktikum beim Stadtpfarrer

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Bernd Beigel ist Steuerberater, Ehemann, Vater, Opa – und Praktikant. Noch schaut er Starnbergs Stadtpfarrer bei Beerdigungen und Hochzeiten über die Schulter, bald leitet er selbst Gottesdienste. Der 56-Jährige macht die Ausbildung zum Diakon.

Starnberg – Manchmal muss Bernd Beigel schon heute predigen. Wenn sich seine Mandantenselbst fertig machen. Wenn ihnen der ständige Gedanke an ein paar hundert oder tausend Euro den Schlaf raubt. Beigel steht dann nicht auf der Kanzel, sondern in seiner Kanzlei und sagt: „Geld ist nicht das Wichtigste. Zahl das jetzt, dann hast du deinen Seelenfrieden.“

In seinem Beruf als Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt wirkt der Starnberger schon länger in gewissen Momenten wie ein Geistlicher. Bald ist er ganz offiziell einer. Am 5. Oktober wird Beigel im Augsburger Dom zusammen mit fünf anderen Männern zum Diakon geweiht. Die erste Frage des Bischofs wird sich dann an seine Ehefrau richten: Gibt sie ihren Mann für das Amt frei? „Ja“, sagt Beigel. „Sie steht voll hinter mir, sie ist schließlich Religionslehrerin.“ Er selbst ist nicht nur verheiratet, sondern Vater von drei Kindern (29, 27, 19 Jahre), bald zweifacher Opa – und mit 56 Jahren wieder Praktikant.

Diakone dürfen viel - aber keine Beichte abnehmen

Ein sonniger Mittwochvormittag: Beigel kommt mit Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall gerade von einer Beerdigung zurück. Jall hat zu den Angehörigen gesprochen, Beigel hat genau zugeschaut: Wann wendet sich der Pfarrer ihnen zu? Wie lange verweilt er am Grab? Der Mann aus Hadorf kennt Beerdigungen gut, 15 Jahre lang hat er ministriert. „Aber ich sehe jetzt noch bewusster hin“, sagt er. „Bald muss ich es ja selbst machen.“

Begräbnisse, Hochzeiten und Taufen dürfen Diakone gestalten – Beichten abnehmen, Krankensalbungen und die Eucharistiefeier durchführen, dürfen sie nicht. Pfarrer Jall sagt: „Ich würde den Diakon nicht in Konkurrenz zum Priester sehen, sondern als Ergänzung.“ Beigel soll ihn mit seinen vier bis sechs Stunden in der Woche entlasten und auch im wörtlichen Sinne der Diakonie Dienst am Menschen leisten – in Altenheimen oder im Gespräch mit Bedürftigen.

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Der Starnberger hat den Vorteil, dass er tief im Ort verwurzelt ist. Beigel spürt das, gerade wenn er, so wie an jenem Mittwochvormittag, die Stadtpfarrkirche betritt. „Ich bin hier zuhause“, sagt er. Jall entgegnet: „Ich habe meinen Wohnort seit 2005 sieben Mal gewechselt. Du sprichst ganz anders mit den Leuten.“ Die katholische Kirche habe das Diakonat nach dem zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er-Jahren wiederentdeckt und ganz bewusst „Männer mitten aus dem Leben“ und der jeweiligen Umgebung als Unterstützer eingesetzt. Ein Verweis darauf finde sich auch schon in der Apostelgeschichte. Dass der Diakon zum Beispiel keine Beichte abnehmen darf, macht laut Jall Sinn: „Die Menschen suchen die Anonymität. Wir Pfarrer wechseln ja alle zehn Jahre. Aber natürlich werden Lebensprobleme auch mit dem Diakon besprochen.“

Über die genauen Tätigkeitsfelder wollen sich Jall und sein Praktikant noch einig werden. Wer welche Hochzeit oder Beerdigung übernimmt, werde auch nach persönlichen Bezügen zu Eheleuten und Verstorbenen entschieden. Derzeit nimmt Beigel regelmäßig an Dienstbesprechungen der Pfarrei teil. Er ist auf der letzten Etappe seines Ausbildungswegs zum „Ständigen Diakonat“. Im Jahr 2013 hatte ihn Jalls Vorgänger Werner Haas angesprochen – und überzeugt.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“: Bibelstellen wie diese aus dem Johannes-Evangelium berühren Beigel zutiefst. „Das hat etwas Tröstliches“, sagt er. Der Glaube wird von nun an eine noch größere Rolle in seinem Leben spielen. Seinen Job macht er trotzdem weiter wie bisher. Zumal die mitmenschlich Komponente in seiner Steuerkanzlei nicht zu unterschätzen sei: „Manche Mandanten begleite ich schon ihr Leben lang.“

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