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Telefon, Stift und Block hat Gitta Wackerl vorm Starnberger Trachtenverein zur Hand. 151 Verkäufer haben sich bei ihr gemeldet. Mehr als doppelt so viele Kunden erwartet die 72-Jährige für den Verkaufssamstag.

Starnberger Trachtenverein

Bei ihr gibt’s das perfekte „Trachtengwand aus zwoater Hand“

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Starnberg - Der Starnberger Trachtenverein organisiert einen Verkauf von Trachten aus zweiter Hand und macht damit viele Kunden glücklich. Für Gitta Wackerl und die 24 Helfer aus dem Verein bedeutet das viel Arbeit.

Wenn die Tür des Starnberger Trachtenvereins am Samstag um 9 Uhr für die Kunden öffnet, zählt jede Sekunde. Wo sind die Lederhosen? Wo findet sich ein modisches Dirndl? Die Leute stürmen wie beim Sommerschlussverkauf in das Haus des Vereins. „Schon um sieben Uhr sind die ersten da“, berichtet Gitta Wackerl, „die Lederhosen-Anwärter und die, die ein besonderes Dirndl wollen.“ Bis zum Parkplatz des Bahnhofs Nord weit hinter dem Vereinshaus im Hans-Zellner-Weg 10 reiche die Warteschlange. Aus der Erfahrung reiche es für Kunden ohne besonderen Wunsch aber, wenn sie um 10 Uhr kommen. Der Verkauf geht bis 13 Uhr.

Gitta Wackerl organisiert den jährlichen Verkauf „Trachtengwand aus zwoater Hand“ seit elf Jahren. Dirndl, Lederhosen, Jacken und noch viel mehr traditionelle Kleider können im Vereinshaus anprobiert und gekauft werden. Zwar sind die Kleider bereits getragen worden – „aber die Trachtenkleidung ist von so hochwertiger Qualität, dass sie nicht abgetragen ausschaut“.

"Wiesn ist ein Volksfest, keine Faschingsveranstaltung"

Die Idee, die gebrauchten Trachten an den Mann und die Frau zu bringen, stammt von Wackerl selbst. „Wir wollten, dass die Starnberger wieder mehr Dirndl tragen“, erklärt sie. „Wenn ein Bua mit Lederhose in die Schule ging, wurde er ausgelacht. Jetzt sind sie ganz stolz darauf.“ Die 72-Jährige hat fünf Dirndl daheim – und trägt sie gerne. „Auch in die USA bin ich mit Dirndl gegangen, weil es zu mir gehört.“ Gerade in Starnberg gibt es aber viele Zugereiste und ebenso viele Diskussionen, ob sie auch eine Tracht anziehen sollten. „Jeder meint, er muss sich auf dem Oktoberfest verkleiden. Das ist aber ein Volksfest und keine Faschingsveranstaltung“, sagt Wackerl. Wenn ,Zugezogene Trachten tragen gefällt es ihr – solange sie ein wirkliches Interesse daran haben. „Jeder soll sich so anziehen, wie es ihm gefällt.“

Sie erlebt am Verkaufstag immer wieder wahre Verwandlungen. „Manche kleiden wir vollkommen ein. Die gehen dann überglücklich raus und sehen aus wiewaschechte Bayern.“ Manche hätten dafür in einem Geschäft 1000 Euro gezahlt, beim Trachtenverein nur 200 Euro. Beratung gibt es gratis dazu. Deshalb werden die Kunden auch nur schubweise in das Haus gelassen. „Es ist kein Flohmarkt, sondern wie eine Art Verkaufsladen.“ Auch wenn die Herren ab und an in Unterhosen über den Gang rennen, um doch noch schnell in eine andere Lederhose zu schlüpfen. Die sind nämlich etwas Besonderes und würden auch nur von Männern verkauft, die eben aus der Hose herausgewachsen sind. Ansonsten gilt: je älter, desto besser. „Wir hatten mal eine 40 Jahre alte Hose mit vielen Gebrauchsspuren, die ging für 200 Euro weg.“

Für den Verkauf telefoniert und organisiert Wackerl bereits seit vier Wochen. Die Verkaufsnummern sind begehrt, jeder der 151 Verkäufer braucht eine und darf dann bis zu 20 Stücke anbieten. Der Trachtenverein hat auch etwas davon: 20 Prozent des Erlöses bleiben im Verein, um Trachten für die jungen Mitglieder zu kaufen.

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