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Starnberger Tunnel wird wohl frühestens in zehn Jahren fertig

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Von: Peter Schiebel

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Stadträte, rund 60 Zuhörer und der Pöckinger Architekt Robert Philipp, der als Eisbär verkleidet im großen Saal des Landratsamtes gegen den Tunnel demonstrierte.
Stadträte, rund 60 Zuhörer und der Pöckinger Architekt Robert Philipp, der als Eisbär verkleidet im großen Saal des Landratsamtes gegen den Tunnel demonstrierte. © Andrea Jaksch

Das Staatliche Bauamt Weilheim hat am Mittwochabend in einer Sondersitzung des Starnberger Stadtrats den aktuellen Stand zum B 2-Tunnel präsentiert. Die Angaben legen den Schluss nahe, dass das Projekt frühestens in zehn Jahren fertig ist. Wie sich die Kosten bis dahin entwickeln, ist offen.

Starnberg – Einwohner und Besucher der Stadt Starnberg müssen sich im nächsten Jahr auf zwei größere Baumaßnahmen im Zuge des Tunnelbaus einstellen. In den Pfingst- und den Sommerferien soll entlang der Bundesstraße auf einer Länge von gut zwei Kilometern und in einer Tiefe von rund vier Metern ein Mittelspannungskabel verlegt werden. Es soll einmal die Tunnelvortriebsmaschine mit Strom versorgen, die den Tunnel unter der Stadt gräbt und baut. Außerdem ist von Februar bis Dezember 2023 der Neubau der Eisenbahnbrücke über die B 2 geplant. Sie ist nötig, weil für Fahrspuren, Rad- und Gehwege untendrunter mehr Platz benötigt wird als bisher.

Diese zwei ganz konkreten Maßnahmen stellten die Vertreter des Staatlichen Bauamts Weilheim am Mittwochabend in einer Sondersitzung des Starnberger Stadtrats vor. Rund 50 Minuten dauerte allein die Präsentation des aktuellen Sachstands, zwei weitere Stunden lang beantworteten die Fachleute um Amtsleiter Stefan Scheckinger Fragen aus Reihen der Stadträte. Rund 60 Zuhörer, so viele wie lange nicht, verfolgten die Sitzung.

Bei zwei Fragen blieben die Antworten im Vagen: Wann wird der Tunnel fertig? Und wie viel kostet er am Ende?

Der Baubeginn steht und fällt vor allem mit dem derzeit laufenden Planänderungsverfahren. Wie berichtet, ist es aufgrund neuer Vorgaben notwendig geworden, zum Beispiel durch Verbesserungen beim Brandschutz mit dem Einbau einer Hochdruckwassernebelanlage. Auch wasserrechtliche Belange werden noch einmal beleuchtet. Ergänzende Gutachten sollen bis Mai 2023 der Regierung von Oberbayern vorgelegt werden. Ein Planänderungsbeschluss könnte dann Ende nächsten Jahres vorliegen, sagte der Abteilungsleiter Bergmännischer Tunnelbau, Lukas Schulte. Gegen diesen Beschluss sind jedoch Rechtsmittel möglich.

Die Ausschreibung ist fertig, die Finanzierung ist da. Wir gehen fest davon aus, dass der Tunnel nach wie vor in der Wirtschaftlichkeit ist.

Herwig Ludwig, Projektleiter B 2-Tunnel beim Staatlichen Bauamt Weilheim

Sobald der Beschluss rechtskräftig ist, erfolgt die Ausschreibung. Die Ausschreibungsunterlagen seien dieses Jahr fertiggestellt worden, sagte Schulte und sprach von „einem relativ komplexen Werk“. Unabhängig davon sind bis ins Jahr 2025 hinein bereits weitere bauvorbereitende Maßnahmen geplant. Dabei handelt es sich um weitere Spartenverlegungen, das Freimachen von Baufeldern, die Kampfmittelsondierung, eine archäologische Vorerkundung sowie Schallschutzmaßnahmen und die Beweissicherung.

Für den reinen Tunnelbau veranschlagt das Bauamt rund sieben Jahre. Bei einem Baubeginn 2025 würde das eine Fertigstellung im Jahr 2032 bedeuten.

Was die Kosten betrifft, so liegen die bisherigen Ausgaben „für bauliche Maßnahmen inklusive Grunderwerb kurz vor 40 Millionen Euro“, sagte Projektleiter Herwig Ludwig. Die letzte Schätzung der Gesamtkosten stammt aus dem Jahr 2020 und beträgt 320,5 Millionen Euro. Dazu kommen die Preissteigerungen der vergangenen zwei Jahre (und die in den nächsten Jahren noch folgenden) sowie Nebenkosten für Planung und dergleichen. Wie hoch diese anzusetzen sind, konnte Ludwig am Mittwoch nicht sagen. „Bei der Planung müsste man dreißig Jahre in die Historie zurückgehen“, sagte er. Die nächste Aktualisierung sei vor der Vergabe der Bauarbeiten geplant, sagte Abteilungsleiter Schulte. Dann werde auch eine neue Wirtschaftlichkeitsberechnung aufgestellt.

Zweifel am Projekt ließen die Verantwortlichen aus Weilheim am Mittwoch nicht aufkommen. „Warum sollte der Tunnel nicht kommen?“, fragte Projektleiter Ludwig angesichts kritischer Stimmen, etwa von Eva Pfister (BMS). Das bestehende Baurecht werde nur um Marginalien ergänzt, beim Brandschutz habe es sehr sinnvolle Änderungen gegeben, sagte Ludwig. „Die Ausschreibung ist fertig, die Finanzierung ist da. Wir gehen fest davon aus, dass der Tunnel nach wie vor in der Wirtschaftlichkeit ist.“

Starnberg soll um 18 000 Fahrzeuge entlastet werden

Die Entlastungswirkung von durchschnittlich 18 000 Fahrzeugen täglich sei nach wie vor gegeben, sagte Ludwig. Das entspreche in etwa dem Durchgangsverkehr, der täglich auf der B 2 im Stadtgebiet unterwegs ist. „Die kann der Tunnel problemlos erfassen.“ Das Bauwerk sei von daher auch „vernünftig dimensioniert für die Aufgabe, die es hat“. Ob es dennoch sein könne, dass der Bund das Projekt fallen lässt, wenn sich an der Wirtschaftlichkeitsberechnung etwas ändere, wollte Dr. Franz Sengl (Grüne) wissen. „Nach aktuellem Stand befürchten wir das nicht“, erklärte Amtsleiter Scheckinger. Das Bauamt sei aber verpflichtet, Baukostensteigerungen zu melden. „Ich kenne kein begonnenes Projekt, das deswegen beendet worden wäre.“

Kritik von WPS-Stadtrat Dr.  Johannes Glogger, wonach der Tunnel unter anderem aufgrund eines fehlenden Sicherheitsstollens veraltet sei, ließ Projektleiter Ludwig nicht gelten. „Jeder Tunnel ist auf Selbstrettung ausgelegt“, betonte er – allein schon deswegen, weil Rettungskräfte erst nach wenigen Minuten am Ort seien. Ziel sei es von daher immer, den Menschen „möglichst schnell und möglichst sicher einen sicheren Raum anbieten zu können“. Das sei auch in Starnberg der Fall, erklärte Ludwig. Generell werde der Tunnel nach den Standards gebaut, die der Bund vorgebe – „und das ist der aktuelle Stand der Technik“.

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