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Sein größter Erfolg: Thomas Bachmann im Technikraum des heutigen Seebades. Zu Wasserpark-Zeiten schmiedete er das erste Contractin g in Bayern, das Energie und Geld sparte.

Das ökologische Gewissen der Stadtverwaltung

Der Starnberger Umweltlotse und Energiesparer hört auf

Thomas Bachmann war der federführende Energiesparer der Stadt Starnberg. Jetzt hört er im Rathaus auf. 

Starnberg – Die Stadt Starnberg hat in den vergangenen 20 Jahren den Ausstoß des Klimakillers CO2 in ihren Liegenschaften um rund 38 Prozent gesenkt – das ist deutlich mehr als der Durchschnitt. Zu verdanken hat sie das vor allem einem Mann: Thomas Bachmann (61), federführender Mitarbeiter für technischen Umweltschutz im Starnberger Rathaus. Das ökologische Gewissen der Stadtverwaltung ist nun in seine Heimat Berlin zurückgekehrt.

Der Hüne aus Spandau war Ende der 1990er Jahre mehr durch Zufall an den Starnberger See gekommen. Nach dem Studium an der Technischen Universität Berlin hatte Bachmann als Diplomarbeit in Weihenstephan die so genannte Entstickungsanlage eines mit Schweröl befeuerten Kessels betreut. Das erledigte er so gut, dass er eingestellt wurde, allerdings nur befristet. Der Spandauer bildete sich weiter und bewarb sich auf eine Stelle in Starnberg – er sollte die gerade gegründete STAgenda unterstützen und Öko-Audits vornehmen. „Das war ganz neu damals“, erinnert er sich heute. Öko-Audit bedeutet vereinfacht gesagt, eine Liegenschaft auf ihre Umweltfreundlichkeit zu überprüfen.

Erst durfte sich Bachmann nur mit dem Kindergarten Hirschanger befassen, erkannte wegen seiner Erfahrung aber sofort, dass beim Wasserpark viel mehr zu machen war. Der Arbeitskreis Energie und Klimaschutz der STAgenda überzeugte den damaligen Bürgermeister Heribert Thallmair – und Bachmann konnte loslegen.

Der Wasserverbrauch halbierte sich durch eine seiner Maßnahmen

Der Umweltexperte konzentrierte sich auf das so genannte Contracting. Dabei übernimmt eine Firma die Sanierung der Anlagen und bekommt im Gegenzug zu Einsparungen. Als erstes derartiges Modell in Bayern schmiedete Bachmann ein Contracting für den Wasserpark. Eine Firma investierte 2,5 Millionen Mark, bekam im Gegenzug die Einsparungen für eine Laufzeit von zehn Jahren. Die war ordentlich, wie Bachmann in Zahlen ausdrücken kann: Der Wasserverbrauch halbierte sich sofort. Da kurz danach der Wasserpreis kräftig stieg, sparte auch die Stadt bares Geld. Auf dieses Projekt ist Bachmann noch heute stolz, er sieht es als seinen größten Erfolg. Allerdings steckte auch viel Arbeit drin: Der Vertrag hatte 700 Seiten, und vieles davon war rechtliches Neuland.

Bachmann war es, der Umwelt-Gutachten für die meisten städtischen Gebäude erstellen ließ, der Stadt dreimal den Titel Klimaschutzkommune verschaffte – und Millionen an Fördermitteln. Da er – anders als viele andere – Gutachten hatte, konnte er beim Konjunkturpaket II vor fast 15 Jahren zwei Millionen Euro fürs Gymnasium organisieren. „Ein Glückstreffer“, sagt er heute. Schon 2006 begann er, wovon andere Gemeinden heute erst reden: die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf stromsparende Systeme. Wie von Bachmann zu erwarten, zahlte die Stadt dafür nichts.

Die Kunst war nicht nur, umweltfreundliche Planungen zu machen – die Kunst ist, dafür auch Fördermittel zu bekommen. „Das ist zum Teil eine Wissenschaft für sich“, sagt Bachmann, zumal sich die Regeln häufig ändern. „Und man muss Geduld haben.“ Grob gerechnet geht Bachmann davon aus, dass er der Stadt mehr Fördermittel beschafft als seine Stelle gekostet hat. „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe“, lautet seine Bilanz nach mehr als 20 Jahren im Starnberger Rathaus.

Bachmanns größter Frust: ein Erdgas-Tankstellenprojekt

Manches hat aber nicht geklappt. Als seinen größten Frust führt Thomas Bachmann ein Erdgas-Tankstellenprojekt 2006 auf. Er hatte alles vorbereitet: Tankstellenunternehmen und Erdgasversorger waren im Boot, rund 600 000 Euro Fördermittel zugesagt, sogar ein erster Erdgasbus für den ÖPNV stand bereit. Da wollte der Tankstellenbetreiber wegen einer geänderten Rechtslage die Erlaubnis, sonntags seine Waschstraße öffnen zu dürfen – der Stadtrat lehnte ab. Dadurch brach das gesamte Projekt zusammen. Bremst die Politik öfter? Nein, findet Bachmann. „Ich kam mit dem Stadtrat immer gut zurecht.“ In jüngerer Zeit jedoch, findet er, habe der Respekt abgenommen – vor Personen ebenso wie vor dem Fachwissen von Mitarbeitern.

Als eines seiner letzten Projekte hat Bachmann mit seinem Nachfolger die Prüfung der Umrüstung von Betriebshof-Fahrzeugen angeschoben. Rund 20 davon könnte man mit Strom betreiben. „Hoch spannend“, sagt der Umweltexperte dazu.

Dieser Tage machte sich Thomas Bachmann zum vorerst letzten Mal auf den Weg nach Berlin – dort hat er seine Wohnung, dort lebt seine Ehefrau. Das Pendeln in die Hauptstadt ist immer aufwendiger geworden, weswegen der Spandauer seinen Abschied in Starnberg genommen hat. In Berlin will er weiter auf dem Umweltsektor tätig sein.

Und wie kommt ein so umweltbewusster Mann dorthin? Mit dem Fahrrad, so wie er auch in Starnberg alle Wege auf dem Fahrrad erledigt hat.

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