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Viele Starnberger werden sie vermissen: Ende Februar schließen Marianne und Jürgen Kiffer (2.v.l.), hier zusammen mit ihrem Sohn Uli Kiffer (l.) und Schwiegersohn Andi Ludwig, ihren Fachbetrieb für TV, HiFi und Video an der Maximilianstraße. 

Totalausverkauf

Starnbergs Einzelhandel magert ab: Jetzt schließt auch ein bekannter Multimedia-Laden

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Der klassische Einzelhandel magert in Starnberg immer mehr ab. Traditionsreiche Geschäfte verschwinden von der Bildfläche, ohne dass etwas Adäquates die Lücke füllt. Bei der Kiffer GmbH an der Maximilianstraße ist seit dem Wochenende Totalausverkauf.

Starnberg– Der Name Kiffer hat im Starnberger Einzelhandel einen guten Namen. Der Fachbetrieb für TV, HiFi, Video und alles, was dazu gehört, ist ein Traditionsbetrieb in der Kreisstadt.

Die umtriebige Marianne Kiffer, die mit ihrem Mann Jürgen den Laden an der Maximilianstraße samt Fachwerkstatt betreibt, hat viele Jahre lang ehrenamtlich die Interessen des örtlichen Einzelhandels vertreten in dem Bemühen, ihn voranzubringen und attraktiver zu gestalten. Sie war an prominenter Stelle in der Interessengemeinschaft „Freundliche Einkaufsstadt Starnberg“ und deren Nachfolgeorganisationen aktiv und hat zahlreiche Marktsonntage und andere Aktionen der Starnberger Geschäftswelt vorderster Front erfolgreich mitorganisiert. Heuer wird das Unternehmerehepaar gemeinsam 65. Geburtstag feiern – den Eintritt ins Rentenalter. Ein ehrbarer Grund, sich aus dem Berufsleben zurückzuziehen. Diesen Beschluss haben die Kiffers jetzt gefasst: Am Samstag, 29. Februar, wird ihr Geschäft an der Maximilianstraße zum letzten Mal geöffnet sein. Zum letzten Mal seit fast 40 Jahren.

Es ist ein besonderer Tag, den sich das Ehepaar für seinen beruflichen Abschied ausgesucht hat. Denn der 29. Februar hebt 2020 aus der Fülle der Jahre zuvor und danach heraus. Dieser Tag macht 2020 zum Schaltjahr und wird den Kiffers auch deshalb in Erinnerung bleiben.

Freude auf die Zeit ohne Geschäftsstress

Marianne Kiffer freut sich auf die Zeit ohne Geschäftsstress. In Alling hat sich die Familie ein privates Refugium geschaffen. Die Eltern und die Kinder haben dort Eigenheime gebaut und wohnen in direkter Nachbarschaft. „Von Kiffer-City reden dort die anderen Nachbarn“, erzählt Marianne Kiffer schmunzelnd. Langeweile wird sie nicht fürchten müssen. Dafür werden allein schon die Enkel sorgen.

Aber Wehmut schwingt beim Abschied auch mit. Denn Kiffers Kinder haben sich von der ursprünglichen Absicht, den elterlichen Betrieb weiterzuführen, längst verabschiedet. Marianne Kiffer kann das nachvollziehen: „Die Situation wird für den inhabergeführten Einzelhandel immer schwieriger. Der Überlebenskampf zehrt an den Nerven.“

Für die Kauffrau sind viele Faktoren für die aktuelle Lage verantwortlich. Besonders enttäuscht ist sie von der Haltung ihrer bisherigen Partner. „Die Hersteller zwingen den kleinen Einzelhändler in die Knie mit Knebelverträgen, Preisdiktaten und der Tatsache, dass sie ihre eigenen Produkte zunehmend selbst vermarkten – im Online-Handel. Da können nur die großen im Einzelhandel einigermaßen mithalten, wir auf Dauer nicht mehr.“

Also keine Nachfolgeregelung für die Kiffer GmbH. Der Ausverkauf läuft seit dem Wochenende. Und wie geht es weiter ab dem 1. März? Mit dem Einzelhandel nicht, jedenfalls nicht am Standort Maximilianstraße 17.

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