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„So wahr mir Gott helfe“: Nach ihren Wahlen vereidigte Bürgermeister Patrick Janik die neue Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl (M.) und die neue Dritte Bürgermeisterin Christiane Falk. 

Erste gemeinsame Sitzung

Starnbergs neuer Bürgermeister im Stadtrat: „Das Wichtigste ist Respekt“

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Zwei stellvertretende Bürgermeisterinnen, insgesamt 23 Referate, viel ungewohnte Harmonie und ein deutlicher Hinweis auf „Respekt“: Vor etwa 50 Zuschauern hat sich am Donnerstagabend der neue Starnberger Stadtrat konstituiert.

Starnberg – Er wolle „noch zwei Worte sagen, bevor wir in die Tagesordnung eintreten“, sagte Patrick Janik zu Beginn der konstituierenden Sitzung des Stadtrats am Donnerstagabend. „Das Wichtigste ist Respekt“, betonte der Bürgermeister. „Ein Mindestmaß an Auseinandersetzungen ist normal und richtig“, sagte er. „Aber wir sollten uns bemühen, immer respektvoll miteinander umzugehen.“ Dazu zähle der Respekt vor der Meinung von Minderheiten genauso wie der Respekt vor Mehrheitsentscheidungen. Daran könne jeder auch ihn jederzeit erinnern.

Blumen für die Vorgängerin

Es war der Auftakt einer Stadtratssitzung, in der so viel Harmonie herrschte wie lange nicht mehr. Seiner Amtsvorgängerin Eva John überreichte Janik einen Blumenstrauß – „sie hat das Amt mit hohem persönlichen Engagement ausgeübt“, sagte er. Einen weiteren Strauß gab es für den ehemaligen CSU-Stadtrat Gerd Weger, der nach 48 Jahren aus dem Gremium ausgeschieden ist. Weger war 1972 erstmals gewählt worden, Janik ist 1976 geboren – allein das verdeutliche schon das „gewaltige Engagement“ Wegers.

Anschließend sprachen die beiden Pfarrer Dr. Andreas Jall und Dr. Stefan Koch zu den Stadträten. Jall appellierte unter anderem an die Tugenden: Die könne man aus Pflicht erfüllen, dann seien sie kalt. „Oder man erfüllt sie mit Lebensfreude, dann haben sie eine unbändige Kraft.“ Koch drückte seine Hoffnung aus, dass es dem Gremium gelingen werde, die Spaltung zu überwinden und aufeinander zuzugehen.

Nachdem Maximilian Ardelt (WPS) als ältester Stadtrat Patrick Janik den Amtseid abgenommen hatte, gab es noch mal Blumen – jetzt für Janik selbst. „Für sechs blühende Jahre“, wie CSU-Chefin Dr. Charlotte Meyer-Bülow enthusiastisch sagte. „Wir freuen uns sehr, dass dein Lebenstraum wahr geworden ist und freuen uns auf die gemeinsame Zeit mit dir.“

22 Stimmen für Kammerl, 25 für Falk

Viel Zeit dürfte Janik künftig mit Angelika Kammerl (CSU) und Christiane Falk (SPD) verbringen. Wie berichtet, wählte der Stadtrat Kammerl zur Zweiten und Falk zur Dritten Bürgermeisterin.

CSU-Fraktionschef Thomas Beigel hatte Kammerl vorgeschlagen. Er sei davon überzeugt, dass sie das Amt gut ausführen und den Bürgermeister unterstützten werde, sagte er. In den zurückliegenden Jahren habe sie sich zudem „sehr kampfeslustig und engagiert“ gezeigt. Kammerl selbst sagte, sie empfinde es „als große Ehre“, von der CSU vorgeschlagen zu werden. Und es sei ihr „eine Ehre, die Interessen der Stadt Starnberg und ihrer Bürger zu vertreten“. Kammerl gilt als enge Vertraute Janiks. Die 68-Jährige war die einzige Kandidatin. Sie erhielt in geheimer Wahl 22 von 31 Stimmen. Fünf Stimmen waren ungültig, drei entfielen auf Ludwig Jägerhuber (CSU), eine auf Christiane Falk, obwohl beide gar nicht zur Wahl standen.

Falk wurde von ihrem Fraktionskollegen Tim Weidner für das Amt der Dritten Bürgermeisterin vorgeschlagen. Sie habe „stets ein offenes Ohr für die Bürger und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung“, sei „eine verlässliche Anwältin des Stadtrats“ und erfülle das Stellenprofil „in hervorragender Weise“, sagte er. „Christiane Falk ist die ideale Kandidatin“, betonte Weidner. Falk selbst bezeichnete sich als „begeisterte Kommunalpolitikerin“ und sagte: „Wir können große und schöne Dinge miteinander bewegen.“

Der Vorsitzende der Bürgerliste (BLS), Franz Heidinger, schlug dagegen seinen Fraktionskollegen Michael Mignoli vor, der seit 26 Jahren in Starnberg ein erfolgreicher Unternehmer sei. „Wir glauben, dass er in dieses Team hervorragend reinpassen würde“, sagte Heidinger.

Das Ergebnis der geheimen Wahl war eindeutig: 25 Stimmen für Falk, fünf für Mignoli, eine Stimme war ungültig. Damit ist die BLS die einzige Gruppierung aus der Riege der Unterstützer von Patrick Janik, die bei der Vergabe der Spitzenpositionen im Rathaus leer ausgegangen ist.

Darum trat niemand von den Grünen an

Keinen Kandidaten hatten die Grünen aufgeboten, obwohl Kerstin Täubner-Benicke eine Woche zuvor noch erklärt hatte, antreten zu wollen. „Ich bin mit analytischem Verstand ausgestattet und kann rechnen“, sagte sie am Freitag im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Von daher sei klar gewesen, dass es für sie oder auch einen anderen grünen Kandidaten keine Mehrheit gegeben hätte. „Dann war uns ein Zeichen der Einigkeit des Stadtrats wichtiger“, sagte Täubner-Benicke. Zudem stehe Christiane Falk vor allem in sozialen Themen den Grünen nahe.

Als „großartigen Zug von Patrick Janik“ wertete Täubner-Benicke die Vergabe der Referate. 23 an der Zahl gibt es, deren Zuschnitt und Besetzung Janik bereits vor der Sitzung mit den Fraktionen besprochen hatte.

23 Referate in den nächsten sechs Jahren im Starnberger Stadtrat

 23 Stadträte wurden am Donnerstagabend auch zu Referenten ernannt, wobei drei gleich zwei Referate haben. Sie alle will Bürgermeister Patrick Janik – ebenso wie die stellvertretenden Bürgermeisterinnen – in den nächsten sechs Jahren deutlich stärker in die Arbeit einbinden, als das in der Vergangenheit der Fall war. Bis auf eine Personalie fielen alle Entscheidungen einstimmig. Bei der Vergabe des Referats für Stadtplanung an Prof. Otto Gaßner (UWG) stimmte die dreiköpfige WPS-Fraktion mit Nein. Zuschnitt und Vergabe hatte Janik zuvor bereits mit den Fraktionen besprochen und deren Wünsche weitgehend berücksichtigt.

Alle Zuständigkeiten:

Finanzreferent: Thomas Beigel (CSU).

Referent für Personalfragen: Michael Mignoli (BLS).

Referent für Wasserwerk und Betriebshof: Josef Pfister (BMS).

Referent für das Seebad: Markus Mooser (WPS).

Referent für Stadtplanung:Prof. Otto Gaßner (UWG).

Referent für Bauen und Wohnen: Marc Fiedler (FDP).

Referenten für Handel, Gewerbe und Tourismus: Rudolf Zirngibl (CSU) und Stefan Kandler (BMS).

Verkehrsreferenten: Dr. Thorsten Schüler (UWG) und Dr. Franz Sengl (Grüne).

Umweltreferentin: Dr. Ursula Lauer (Grüne).

Referent für Energie und Klimaschutz: Dr. Franz Sengl (Grüne).

Referentinnen für Soziales, Integration, Inklusion, Gleichstellung und Senioren:Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) und Eva John (BMS).

Jugendreferent: Friedrich Federsel (Grüne).

Sportreferent: Winfried Wobbe (UWG).

Ortsteilreferent: Matthias Frühauf (CSU).

Referent für Feuerwehr und Rettungsdienste: Franz Heidinger (BLS).

Kulturreferentin: Annette Kienzle (Grüne).

Referentin für Kindergärten und Kinderbetreuung:Angelika Fränkel (Grüne).

Referentin für Grundschulen: Dr. Charlotte Meyer-Bülow (CSU).

Referentin für weiterführende Schulen: Katja Fohrmann (CSU).

Referent für Ehrenamtsförderung: Fritz Obermeier (CSU).

Referentin für die Partnerschaft mit Dinard: Dr. Charlotte Meyer-Bülow (CSU).

Referentin für die Partnerschaft mit Marzabotto: Kerstin Täubner-Benicke (Grüne).

Referent für die Partnerschaft mit dem U-Boot U 34:Maximilian Ardelt (WPS). 

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