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Herzliches Lachen inmitten des Umzugstrubels: Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall pendelt derzeit noch in den Räumen des Pfarrhofs hin und her. Angekommen in Starnberg ist er aber schon. Wer Interesse hat, Andreas Jall kennenzulernen: An diesem Sonntag feiert er die Bergmesse der Pfarreiengemeinschaft auf der Kreuzeck Alm bei Garmisch-Partenkirchen. Beginn ist um 10.30 Uhr.

Dr. Andreas Jall ist da

Starnbergs neuer Stadtpfarrer: „Mein Antrieb ist die Freude“

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Der neue Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall (41) ist da. Wie der erste Gottesdienst lief, was er vorhat und was ihm wichtig ist: Der Starnberger Merkur hat ihn zwischen den Umzugskisten im Pfarrhof getroffen.

Starnberg – Der Händedruck ist fest, der Blick interessiert, der Mund zu einem Lachen geformt – Stadtpfarrer Dr. Andreas Jall begrüßt den Besucher mit großer Herzlichkeit. Ein Wesenszug, der ganz natürlich rüberkommt, der in keiner Sekunde aufgesetzt wirkt. Da steht einer in der Tür, der mit sich, seinem Leben und seiner neuen Berufung im Reinen ist.

Seit 1. September ist Andreas Jall der neue Stadtpfarrer in Starnberg als Nachfolger von Werner Haas, der nach elf Jahren die Pfarreiengemeinschaft in Richtung Ostallgäu verlassen hat. Für Jall, 1976 in Mussenhausen geboren und zuletzt in Westendorf bei Augsburg Pfarrer, „eine Art heimkommen“, wie er sagt. Schließlich war er als junger Kerl von 30 Jahren bereits Kaplan in Starnberg – der letzte unter dem damaligen Stadtpfarrer Konrad Schreiegg. Eine Zeit, die er trotz ihrer Kürze von nur einem Jahr im Herzen trägt.

„Pfarrer Schreiegg war eine sehr prägende Gestalt“, erinnert sich Jall an den 2012 im Alter von 77 Jahren verstorbenen Starnberger Ehrenbürger. „Er hatte Ecken und Kanten, aber er hat Kirche einladend und sympathisch rübergebracht.“ Von ihm habe er gelernt, dass ein Pfarrer nicht nur Funktionär, sondern in erster Linie Mensch sei. Eine Lehre, die auch Andreas Jall in Starnberg scheinbar viele Türen öffnet. Die Facebook-Seite des 41-Jährigen ist jedenfalls voll von guten Wünschen.

Auch sein erster Gottesdienst in neuer Funktion am vergangenen Sonntag sei „eine unglaublich schöne Erfahrung“ gewesen. Mehr als 20 Ministranten hätten mitgefeiert, Gemeindemitglieder ein Kirchencafé mit Espresso, Prosecco und Kuchen organisiert – eine lebendige, eine fröhliche Gemeinschaft, genau so, wie Andreas Jall sich Kirche vorstellt.

„Auch wenn du irgendwo völlig neu bist, bist du im Gottesdienst zu Hause“, sagt er. Diese Freude an der Gemeinschaft im Christentum sei ein „großer Schatz“, sagt Jall und formuliert seine große Motivation: „Was mich antreibt, ist die Freude.“ Selbst wenn es in den vergangenen sieben Jahren in seiner alten Gemeinde acht Suizide zu beklagen gab, selbst wenn er eine ehemalige Schülerin im Alter von gerade mal 25 Jahren zu Grabe tragen musste – „es gab und gibt natürlich Momente zum Hadern, aber ich habe dennoch nie die Freude am Glauben verloren“. Die Gewissheit, in der Hand Gottes gehalten zu sein, gebe Sicherheit und Zuversicht – „auch in unserer Zeit“.

Dass die für die christlichen Kirchen in der westlichen Gesellschaft nicht einfacher wird, ist ihm klar. „Es droht uns, dass Deutschland ein säkulares Land wird“, sagt er und sieht darin eine große Gefahr: „Wenn Gott aus unserer Gesellschaft verschwindet, geht auch die absolute Würde des Menschen verloren.“ Stehe der Mensch erst mal nicht mehr unter einem göttlichen Tabu, könne man ihn nicht mehr vollumfänglich schützen, sagt Jall und führt die Diskussion um die aktive Sterbehilfe als Beispiel an. „Wir müssen alles dafür tun, das Leben zu schützen.“

In Anbetracht solcher Diskussionen seien viele andere Themen wie etwa ökumenische Differenzen reine „Luxusprobleme“. Überhaupt: Die ökumenische Zusammenarbeit liegt Jall am Herzen. „Die Dinge, die uns verbinden, sind viel größer als die, die uns trennen.“ Auch die Zusammenarbeit mit anderen Religionen will der 41-Jährige ausbauen. „Ich lege Wert darauf, dass die islamische Gemeinde zu meinem Einführungsgottesdienst am 15. Oktober eingeladen wird“, sagt er. „Wir leben in einer freien und pluralistischen Gesellschaft, was bedeutet, in gegenseitigen Dialog zu treten.“

Auf Menschen zugehen, mit ihnen reden, sie einladen, sie für den Glauben und die Kirche gewinnen – das steht für Jall an oberster Stelle. So will er die Öffentlichkeitsarbeit ausbauen („wir dürfen uns nicht einkapseln“) und die sozialen Medien aktiv bespielen – „ich habe alle Menschen, die in die Kirche eintreten wollten, über Facebook kennengelernt.“ Auch einen Jugendgottesdienst kann er sich gut vorstellen – „mit Nebel und Scheinwerfern“. Dass ihm nicht alles gelingen und er nicht allen gefallen wird, ist ihm klar. „Ein Priester ist auch ein ganz normaler Mensch, der sündigt und Fehler macht“, sagt er dazu. Dass er aber alles versuchen wird, steht gleichfalls außer Frage: „Ich bin ein Werbereisender für den Glauben und die Freude.“

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