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Blick auf den Friedhof an der Hanfelder Straße: Für den neuen Auftrag hatte sich bundesweit nur ein Unternehmen beworben. 

Stadtrat

Sterben in Starnberg wird teurer

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Die Bestattungsleistungen in Starnberg müssen neu vergeben werden. Bei einzelnen Punkten drohen nun horrende Preissteigerungen.

Starnberg – Die gute Nachricht vorweg: An den Grabgebühren in Starnberg ändert sich nichts. Die schlechte Nachricht kommt aber gleich hinterher: Die sogenannten „hoheitlichen Bestattungsleistungen“ dürften im Lauf des Jahres zum Teil deutlich teurer werden. Darunter fallen unter anderem das Ausheben und Verfüllen der Gräber, die Beisetzungen inklusive Leichenträgern und das Reinigen der Aussegnungshalle, aber auch eine Exhumierung oder Umbettung von Leichen.

Zwar hat der Stadtrat am Montagabend die neue Gebührensatzung noch nicht verabschiedet, die Zahlen allerdings liegen auf dem Tisch. So wird eine Sargbeisetzung beispielsweise um rund 50 Prozent teurer, eine Urnenbeisetzung sogar um mehr als 50 Prozent (Gebührenbeispiele am Ende des Textes). Verglichen mit der Zeit vor der bislang letzten Kalkulation 2014 sind die Preisanstiege noch deutlicher.

Eine neue Satzung ist erforderlich, weil die alte Mitte des Jahres ausläuft. Darum hatte die Stadtverwaltung die Leistungen bundesweit ausgeschrieben – genau ein Bestattungsunternehmen hat sich daran aber nur beteiligt. Immerhin kommt das aus dem Landkreis. Die nun vorliegende Kalkulation sei dessen „unternehmerische Entscheidung“, sagte Bürgermeisterin Eva John am Montag.

Was einigen Stadträten sauer aufstieß: Der Haupt- und Finanzausschuss hat vergangene Woche die hoheitlichen Bestattungsleistungen bereits an dieses Unternehmen vergeben – ohne jedoch von der Verwaltung auch die neuen Gebühren präsentiert zu bekommen. „Es ist traurig, dass die Zahlen letzte Woche nicht vorlagen“, sagte CSU-Fraktionschef Ludwig Jägerhuber. „Das hat massive Auswirkungen auf jeden, der einen Trauerfall hat.“

Auch andere Stadträte sparten nicht mit Kritik. Winfried Wobbe (UWG) etwa sprach von „Ungereimtheiten“, Dr. Klaus Rieskamp (BLS) fand einige Zahlen „nicht plausibel“. Grünen-Fraktionschefin Martina Neubauer hielt die ganze Vorlage für „nicht entscheidungsreif“.

Der Rahmenvertrag mit dem Bestattungsunternehmen hat eine Laufzeit von drei Jahren. Ob überhaupt nachgebessert werden kann, ist unklar. John machte wenig Hoffnung: „Man kann traurig oder verärgert sein, aber die Preise sind Ergebnis einer Ausschreibung.“ Hinzu komme, dass bei Sargbestattungen der Erdaushub künftig abgefahren werden muss, was bislang nicht der Fall war.

Ebenso unklar ist, wie Bestattungen Mitte des Jahres abgerechnet werden. Die derzeit gültige Satzung läuft zum 30. Juni aus, die nächste Stadtratssitzung ist erst für den 3. Juli terminiert. „Satzungen können rückwirkend nicht gelten“, sagte John.

Einige Beispiele:

-Sargbeisetzung Erwachsene: Ausheben, Verfüllen und Abfuhr des Erdreichs bis zwei Meter (einfach): 612,85 Euro (bisher 399,84 Euro).

-Ausheben, Verfüllen und Abfuhr des Erdreichs bis 2,50 Meter (einfach): 684,25 Euro (bisher 476 Euro).

-Transport des Sarges zum Grab, Versenken des Sarges: 23,80 Euro (bisher 17,85 Euro).

-Urnenbeisetzung im Erdgrab mit Angehörigen, Ausheben und Verfüllen des Grabplatzes, bis ein Meter Tiefe: 166,60 Euro (bisher 107,10 Euro).

-Urnenbeisetzung in Urnenmauer: 166,60 Euro (bisher 107,10 Euro).

-Einsatz von vier Leichenträgern: 166,60 Euro (bisher 142,80 Euro).

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