Schilder entlang der Schutzgebiete, wie hier am Leutstettener Moos, machen auf Besonderheiten aufmerksam.
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Schilder entlang der Schutzgebiete, wie hier am Leutstettener Moos, machen auf Besonderheiten aufmerksam.

Absperrungen im Landkreis

Stopp, der Natur zuliebe: LBV und Bund Naturschutz appellieren an Naherholer im Landkreis Starnberg

  • vonAndrea Gräpel
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Bund Naturschutz und LBV sorgen sich um Flora und Fauna. Daher appellieren sie jetzt mit Schildern an alle Naherholer, Rücksicht auf die Natur im Landkreis zu nehmen.

Landkreis – Der Monat März bringt nicht nur Bewegung ins Leben der Amphibien, sondern der gesamten Tierwelt. In vielen Naturschutzgebieten beginnen die Sperr- und Schonzeiten. Dr. Andrea Gehrold, Gebietsbetreuerin beim Landesbund vor Vogelschutz (LBV), weist darauf hin, dass bestimmte Wege nicht mehr betreten und Gewässer nicht mehr befahren werden dürfen. Im Leutstettener Moos bei Starnberg gilt das Betretungsverbot bis Ende Juni, im Ampermoos bis Mitte Juli, im Karpfenwinkel südlich von Tutzing sogar ganzjährig.

Zur besseren Orientierung haben die Gebietsbetreuer und das Landratsamt im Leutstettener Moos neue Hinweisschilder und Absperrungen angebracht. „Der Freizeitdruck hat hier im letzten Jahr deutlich zugenommen“, sagt Gehrold. Sie ist für das Leutstettener Moos und den Starnberger See zuständig und weiß: „Es haben sich neue Trampelpfade entwickelt, die mitten ins Moor führen. Und auf der Würm herrscht mittlerweile selbst im Winter ein reger Wassersportbetrieb. Darunter leidet nicht nur die Natur, sondern auch die einheimische Bevölkerung.“

In nächster Zeit werden in erster Linie die Brutvögel geschützt

In den kommenden Monaten soll vor allem der Schutz der Brutvögel sichergestellt werden. Ihnen merke man bereits an, dass sie Frühlingsgefühle entwickeln, erklärt Gehrold. Spechte trommeln und rufen, um ihre Reviere abzustecken. Im Wald zwitschern Amseln, Singdrosseln und Rotkehlchen.

Und nach und nach werden auch die Zugvögel eintreffen, die weiter südlich überwintert haben. Einige von ihnen sind hoch spezialisiert und brüten ausschließlich in Schilfgebieten. Andere sind auf Feuchtwiesen, Heidelandschaften oder Moore angewiesen. Oft finden sie diese Lebensräume nur noch innerhalb der Schutzgebiete vor. Im Leutstettener Moos betrifft das zum Beispiel gefährdete Arten wie Bekassine, Baumpieper, Feldschwirl und Schwarzkehlchen.

Ungestörte Wiesen und Äcker? „Die gibt es kaum mehr“

„Endlich sind die ersten Wiesenbrüter wieder da“, freut sich auch Günter Schorn, Vorsitzender der Kreisgruppe Starnberg im Bund Naturschutz. Doch alle Vögel bräuchten dafür auch ungestörte Wiesen und Äcker – „und die gibt es kaum mehr“. Der Schwund der Wiesenbrüter sei katastrophal, sagt Schorn. In den vergangenen 25 Jahren seien zum Beispiel 90 Prozent der Rebhühner und Kiebitze verschwunden.

„Man muss aber auch die Arten berücksichtigen, die sich nicht so lautstark zu Wort melden wie die Vögel“, sagt Gebietsbetreuerin Gehrold. „Die Flachwasserzonen und Uferbereiche sind die Kinderstube für zahlreiche Fischarten, Libellen und andere Wasserinsekten. Und auf den Moorböden und Streuwiesen wachsen seltene Pflanzen, die sehr trittempfindlich sind.“

So verhält man sich in der Natur auch im Landkreis Starnberg richtig

Damit das Miteinander von Mensch und Natur gut gelingt, gibt es einige Grundregeln, die jeder beachten sollte: Ist man auf dem Wasser unterwegs, sollte man stets einen großen Abstand zu Schilfgebieten halten (wenn möglich, mindestens 100 Meter) und nicht in Seerosen oder andere Wasserpflanzen hineinfahren.

An Land gilt es, die befestigten Wege zu nutzen, und nicht querfeldein durch Wald oder Wiese zu laufen oder Betretungsverbote zu missachten, wie das von März bis August am Jaudesberg in Breitbrunn, auf dessen Wiesen aktuell seltene Wildblumen heranwachsen. Außerdem sollten Hunde immer an der Leine geführt werden. „Bitte helfen Sie unseren Wiesenbrütern, geben Sie ihnen eine Überlebenschance, indem Sie und Ihr Hund auf den Wegen bleiben“, appelliert Günter Schorn an alle Erholungssuchenden.

grä

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