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Gefragter Ort zum Abhängen: der Bahnhof See.

Jahresbilanz

Streetworker: „Das ist Starnberg – nicht Kreuzberg“ - Aber Probleme gibt es trotzdem

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Rund 300 Jugendliche und junge Erwachsene lernte Streetworker Sebastian Matook in seinem ersten Starnberger Jahr kennen. Seit kurzem hat er Verstärkung. Die Präsenz an Bahnhöfen und Skaterpark zeigt Wirkung.

Starnberg – Schwierige Jugendliche und echte Problemviertel kennt Sebastian Matook von seiner früheren Arbeit in Berlin. In Starnberg kann den Streetworker, der seit Januar in der Kleinstadt im Einsatz ist, also nichts so schnell schocken. Im Finanzausschuss am Montagabend wurde Matook gefragt, wie dramatisch die Situation im Vergleich mit anderen Städten sei. Irgendwie logisch, dass er gleich betonte: „Das ist Starnberg – und nicht Kreuzberg.“ Matook wird seit drei Wochen vonAngela Nöthe, die auch als Jugendsozialarbeiterin in Gilching beschäftigt ist, unterstützt. Die beiden teilen sich eine 39-Stunden-Stelle in der sogenannten „aufsuchenden und mobilen Jugendarbeit“. Vor den Lokalpolitikern in der Schlossberghalle zogen sie nun eine Jahresbilanz.

Streetwork ist keine Worthülse. Das Konzept besteht tatsächlich darin, so oft wie möglich dort zu sein, wo Jugendliche und junge Erwachsene „abhängen“. Auf rund 300 Erstkontakte bringen es Matook und Nöthe 2019. Zweimal konnten sie bei (drohenden) Schlägereien dazwischengehen. Außerdem führten sie rund 100 Beratungen und Infogespräche zu Gewalt und Sucht. Nicht immer geht es um Drogen und Probleme – auch zwei musikalische Projekte unterstützten die Streetworker.

„Wir sind einfach da – schon das verändert oft das Verhalten.“

Von Brennpunkten will Matook in Starnberg nicht sprechen, eher von typischen Anlaufpunkten der jungen Menschen – die beiden Bahnhöfe, die Schulen, der Skaterpark am Seebad, die Seepromenade oder der Badeplatz Steininger. Mittlerweile zahle sich die Präsenz aus, sagt der Sozialarbeiter: „Wir sind einfach da und ansprechbar –schon das verändert oft das Verhalten.“ Im ersten Jahr sei es darum gegangen, bekannt zu werden. „Anfangs dachten manche, wir sind Polizisten. Mittlerweile habe ich ein super Verhältnis mit den Skatern“, sagt Matook.

Angelika Kammerl (Parteifreie) merkte an, dass der Drogenkonsum laut Eltern hoch sei und auch Dealer in Starnberg unterwegs seien. Matook bestätigte das. „Auch hier gibt es 14-Jährige, die regelmäßig Drogen nehmen.“ Kollegin Nöthe ergänzte: „Und das nötige Kleingeld ist hier öfter vorhanden.“ Dealer zu schnappen, sei allerdings Aufgabe der Polizei, betont Matook.

Sebastian Matook, Streetworker in Starnberg.

Wer ernsthafte Probleme hat, muss keinen Termin mit den Streetworkern machen, sondern kann sie einfach ansprechen. Den Jugendlichen sichern sie – schon weil sie an die Schweigepflicht gebunden sind – Anonymität zu. Eine feste Anlaufstelle ist zusätzlich geplant. Räumlichkeiten für die mobilen Jugendarbeiter werden angestrebt, heißt es im Jahresbericht.

Und einen Wunsch haben die beiden noch – „auf lange Sicht“: einen eigenen Bus als Fahrzeug und Transporter, um zum Beispiel Spiele im öffentlichen Raum anbieten zu können.

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