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Die Linie 904 ist zurzeit das Sorgenkind. Verspätungen sind an der Tagesordnung, auch weil mehr Schüler das Angebot nutzen, als man bei der Planung ang enommen hatte. Die Streckenführung über teils sehr kurvige Landstraßen soll indes kein Problem darstellen.

ÖPNV

Das Ringen um den richtigen Bus-Takt

Ein paar Minuten reichen, und die Laune ist hin: In Berg und Starnberg gibt es Probleme mit der Pünktlichkeit der Busse, worunter vor allem Schüler zu leiden haben. Die Ursachen sind vielfältig, und einigen Eltern wird es das Landratsamt nicht recht machen können.

Starnberg/Berg – Bei den Bussen zur S-Bahn läuft für Schüler am Nordende des Starnberger Sees nicht alles nach dem Stundenplan. Probleme gab und gibt es bei Linien aus Berg und bei der Linie 904, die Kinder aus Wangen zur S-Bahn Richtung Realschule Gauting bringt. Eltern fordern eine zusätzliche Fahrt, doch sieht der Landkreis keine Möglichkeiten, dem Wunsch zu entsprechen.

In allen Fällen geht es um wenige Minuten, etwa die Zeit, die man zum Zähneputzen braucht. Die Minuten fehlen oft bei Anschlüssen an andere Buslinien oder die S-Bahn. Wir haben mit Verkehrsmanagerin Susanne Münster über die Probleme gesprochen:

Linie 904: Die städtische Rundlinie von Starnberg Bahnhof Nord über Leutstetten, Wangen und bis zum Kloster Schäftlarn ist seit der Einführung im Dezember 2016 ein Sorgenkind. Basierend auf der Vorgängerlinie 963 wurde der Fahrplan kaum verändert, die Linie aber über Fercha bis zum Kloster Hohenschäftlarn verlängert. Das war nicht die beste Idee, weiß inzwischen auch Susanne Münster. Da die Linie auch viele Schüler transportiert, ergibt das eine kuriose Situation: Morgens fährt der Bus gegen den Uhrzeigersinn, nachmittags im Uhrzeigersinn, die Haltestellen und Zeiten ändern sich beispielsweise in Wangen. Das allerdings ist nicht das größte Problem: Durch die verlängerte Fahrzeit kamen Schüler aus Wangen und Leutstetten zunächst nicht pünktlich nach Starnberg ans Gymnasium oder zur S-Bahn. Deswegen führte der Kreis eine weitere Busfahrt am Morgen ein. Das löste auch nicht alle Probleme, auch wenn die Kinder nach Starnberg nun pünktlich ankommen.

Ein Bus fährt so, dass er um 7.29 Uhr am Bahnhof Nord ankommt. Alle Buslinien sind auf die Abfahrtszeit der S-Bahn um 7.36 Uhr getrimmt. Es habe sich aber schnell gezeigt, dass dieser Bus rund sechs Minuten Verspätung einfährt – dann ist die S-Bahn nicht mehr zu schaffen. Die Kurven im Waldstück zwischen Wangen und Leutstetten waren es nicht, sondern die Masse an Schülern, deren Ein- und Aussteigen länger dauert als gedacht. Deswegen wurde ein weiterer Bus eingeschoben, der um 7.24 Uhr am Bahnhof Nord ankommt und – das haben Prüfungen in den vergangenen Tagen erwiesen – zwar auch pünktlich. Dieser Bus fährt als einziger in Starnberg bis zum Gymnasium.

Die S-Bahn um 7.36 Uhr ab Starnberg Nord kommt sechs Minuten später laut Fahrplan in Gauting an. Dort stehen am Pippinplatz Shuttlebusse, die die Kinder zum Campus mit Realschule und Gymnasium bringen – wenn sie wollen, können die Schüler natürlich auch laufen. Am Montag, als Susanne Münster sich die Lage vor Ort angesehen hat, fuhren gerade einmal fünf Schüler mit dem Bus – rund 50 gingen zu Fuß. „Wenn schlechtes Wetter herrscht, fahren auch die mit dem Bus“, weiß die Verkehrsmanagerin. Der Unterricht beginnt derzeit um 8 Uhr, in der Regel sind die Busse zehn Minuten vorher an der Schule. Soweit klappt das aus Sicht des Landratsamtes, solange die S-Bahn pünktlich kommt. Allerdings fahren die Shuttlebusse um 7.42 Uhr ab – was eng ist –, ab und zu auch wenige Minuten später. Fahrzeit: rund drei Minuten.

Angesichts dieser Situation wünschen sich Eltern aus Wangen, einen Bus der Linie 904 so fahren zu lassen, dass die Kinder in Starnberg die S-Bahn um 7.16 Uhr bekommen. Dann gibt es in Gauting aber keinen Bus zum Schulcampus. Den ersten Bus, der um 6.36 Uhr in Wangen losfährt und um 6.49 Uhr in Starnberg ankommt, könnten die Kinder nehmen. Die Eltern finden das nicht so gut: Mit der früheren Abfahrt stehen die Kinder eine Unterrichtsstunde zu früh, im Winter im Dunklen, vor der noch verschlossenen Schule. Mit der späteren Abfahrt kämen sie häufig nicht rechtzeitig zum Schulbeginn. Zudem: Die Realschule überlegt, den Schulbeginn ab Herbst auf 7.55 Uhr vorzuverlegen. Das werde geprüft, sagt Münster, doch liegt eines auf der Hand: Mit dem jetzigen, weit verzweigten System ist das mit dem aktuellen Fahrplan nicht machbar – und den kann man nicht einfach so ändern.

Ein echtes Problem sieht die Verkehrsmanagerin nicht: „Wenn so viele zu spät kämen, würde uns die Schulleitung informieren.“ Tatsächlich wird derzeit dokumentiert, wer warum zu spät kommt. Das sind wichtige Daten für die Fahrplankonferenz im Mai.

Die gesamte Linie 904 steht derzeit auf dem Prüfstand, weil auch die Stadt mit dem Fahrplan unzufrieden ist (wir berichteten). Noch diese Woche sollen Münster zufolge Lösungen beraten werden – eventuell wird die Route reduziert, die Tour über Landratsamt und Percha nach Wangen könnte zugunsten der Strecke über Leutstetten nach Wangen wegfallen. Ob das erst zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember umgesetzt wird , ist offen.

Linie 975: Erst vor wenigen Tagen befasste sich der Berger Gemeinderat mit ähnlichen Problemen. Die Busse der Linie 975, aber auch 974 und 961, kommen seit Dezember häufig so spät in Starnberg an, dass von der S-Bahn nur noch die Rücklichter zu sehen sind. Offenbar klappt die Abstimmung mit einem neuen Busunternehmen noch nicht so ganz – oder es gibt unterwegs Probleme, die man bisher nicht kannte. Auf der 974 kämen fast alle Busse zu spät und damit Schüler aus Höhenrain auch. Betroffen davon war unter anderem das Landschulheim Kempfenhausen. Vor wenigen Tagen wurden deshalb auf der Linie 961 in Münsing morgens die Strecke geändert und eine Haltestelle gestrichen.

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