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Der Medienkonsum ihrer Kinder beunruhigt viele Eltern.

Suchtberatungsstelle Condrobs

Medienkonsum: Eltern suchen öfter Rat

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Cannabis, Medien und Migration – diese drei Bereiche beschäftigten die 18 Mitarbeiter der Starnberger Suchtberatungsstelle Condrobs im vergangenen Jahr besonders. Und sie werden voraussichtlich auch künftig eine große Rolle in der Arbeit der Sozialpädagogen und Psychologen spielen.

Starnberg – Während Condrobs-Klienten, die selbst von Sucht betroffen sind, immer häufiger wegen schädlichem Cannabis-Konsum die Beratungsstelle aufsuchen, lassen sich immer mehr Eltern beraten, weil sie sich Sorgen um den Medienkonsum ihrer Sprösslinge machen.

Insgesamt kamen im Jahr 2018 677 Klienten zu Condrobs, davon 504 mit eigener Suchterkrankung und 173 Angehörige von Suchterkrankten beziehungsweise Risikogruppen. „Im Vorjahr waren es 690 Personen“, berichtet Condrobs-Leiter Matthias Taube. Diese Zahl sei schon seit einigen Jahren relativ konstant. Die meisten Klienten, insgesamt rund 27 Prozent, sind zwischen 45 und 54 Jahre alt. „Wir merken den demografischen Wandel auch in unserer Beratung“, sagt Taube. Älter als 65 Jahre sind 6,5 Prozent der Klienenten.

Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, gibt es bei Condrobs die Gruppe „Mittendrin“, ein Selbsthilfe-Angebot speziell für ältere suchtkranke Menschen. „Sie wird gut besucht“, erzählt Michael Hoffmann, der bei Condrobs Beratung und ambulante Therapien durchführt. In den Sitzungen thematisieren die Gruppenteilnehmer unter Anleitung einer Sozialpädagogin altersspezifische Schwierigkeiten wie soziale Isolation, Krankheiten und Einschränkung der Mobilität, die zu Suchterkrankungen und auch Depressionen führen können.

Neben der Selbsthilfegruppe geht auch das Präventionsprojekt „Unabhängig im Alter“ gerade auf Risikofaktoren für Suchterkrankungen bei Menschen fortgeschrittenen Alters ein. Im Rahmen des Projekts bietet Condrobs Schulungen für Fachkräfte in der Seniorenarbeit und in der Pflege an.

Ein weiteres Schulungsangebot von Condrobs ist das Projekt „Transkulturelle Suchtprävention in der Migrationsarbeit“, das sich vor allem an Sozialpädagogen und Psychologen richtet, die mit Geflüchteten zusammenarbeiten. „Migranten haben oft mit traumatisierenden Erlebnissen aus ihrer Vergangenheit zu kämpfen“, sagt Hoffmann. Solche Traumata, aber auch die Stigmatisierung von Alkohol in manchen Kulturen würden das Risiko von Suchterkrankungen unter Migranten erhöhen, weshalb Fachkräfte in der Migrationsarbeit für Suchtprävention sensibilisiert werden müssten, erklärt Hoffmann. Migranten aus Staaten, in denen Alkohol verboten ist, kommen in Deutschland für ihre Verhältnisse einfach an solche Getränke – das sei ein Risikofaktor.

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