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Die 25-jährige Valeska Schneider wurde für das deutsche Wellenreit-Nationalteam nominiert und startet ab Samstag bei den ISA World Surfing Games in Biarritz.

Surfen

Eine Söckingerin auf der perfekten Welle

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Ab Samstag wird es ernst für Valeska Schneider. Die Söckingerin startet in Biarritz (Frankreich) für Deutschland bei den World Surfing Games.

Starnberg – Um die perfekte Welle zu erwischen und sie abzureiten, braucht es schon einiges an Erfahrung. Umso erstaunlicher ist es, dass Valeska Schneider für das deutsche Nationalteam nominiert wurde, das ab Samstag in Biarritz versucht, bei den ISA World Surfing Games mit den weltbesten Wellenreitern mitzuhalten. Schließlich hat die 25-jährige Söckingerin erst vor gut fünf Jahren mit dem anspruchsvollen Sport begonnen.

Nach dem Abitur ging Valeska Schneider mit einem Work-and-Travel-Ticket nach Australien. In Down Under infizierte sie sich mit dem Surf-Virus. „Ich war zuvor noch nie auf einem Surfbrett gestanden, bin nur ein bisschen windgesurft“, erzählt sie. Sie arbeitete sechs Monate in einem Surfcamp und verbrachte fortan sämtliche Ferien am Meer, um ihrer neuen Leidenschaft zu frönen.

Nationalteam-Nominierung: „Ich war geschockt vor Freude“

Ihr Talent für das Gleiten auf der Welle war nicht zu übersehen. Als Valeska 2012 bei den Deutschen Meisterschaften als Helferin engagiert war, hat sie „einfach mal mitgemacht. Und es hat riesig Spaß gemacht“. Seither ging sie jedes Jahr bei den nationalen Titelkämpfen an den Start. Und auch bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften, „wo die Konkurrenz wegen internationaler Beteiligung sogar noch größer ist“.

Ihren ersten Titel holte die gebürtige Starnbergerin 2015 bei den Hochschulmeisterschaften mit dem Longboard. Ein Jahr später verteidigte sie ihren Titel und triumphierte auch noch mit dem Shortboard. Zudem holte sie im Herbst 2016 bei den offiziellen Deutschen Meisterschaften in beiden Disziplinen Bronze. „Diese Ergebnisse haben mich im nationalen Ranking weit nach vorne gebracht“, sagt Valeska.

Valeska Schneider stattete der Landeshauptstadt noch einen Besuch im Dirndl ab.

Doch die Nominierung für die Nationalmannschaft, der vier Männer und zwei Frauen angehören, ließ noch einige Monate auf sich warten. Am 28. Februar dieses Jahres erhielt sie dann vom Verband eine E-Mail mit der Nachricht, dass sie ins deutsche Team aufgenommen wird und bei den World Surfing Games starten darf. „Ich war geschockt vor Freude“, erzählt die 25-Jährige.

Surfen wurde für Olympia 2020 aufgenommen

Dass sich die Nominierung so lange hinzog, lag vor allem an einer Neuorientierung des Deutschen Wellenreit-Verbandes (DWV). Nachdem Surfen am 3. August 2016 neben Skateboard und Sportklettern für 2020 in Tokio neu ins olympische Programm aufgenommen worden war, mussten im DWV neue Strukturen geschaffen werden.

Die harte Arbeit der vergangenen Jahre auf dem Surfbrett hat sich für Valeska Schneider also ausgezahlt. Die Söckingerin, die nach drei Jahren Studium der Sportwissenschaften in München Anfang 2016 nach Australien an die University Griffith bei Brisbane wechselte, trainiert in Southport an der Gold Coast täglich zwei bis drei Stunden. „Das ist schon hart, da muss ich immer sehr früh aufstehen.“ Schließlich nimmt das Studium viel Zeit in Anspruch. Und in einem Jahr will sie ihren Master in Advanced Health Service Management in der Tasche haben.

Vom Einkommen eines Surfprofis leben? „Das ist sehr schwer“

Doch jetzt steht erst einmal ihre Premiere bei den World Surfing Games im Vordergrund. Von kommenden Samstag an bis 28. Mai ermittelt die Surf-Weltelite an der französischen Atlantikküste mit dem Shortboard ihre besten Wellenreit-Akrobaten. Am vergangenen Freitag brach Valeska, die zuvor ein paar Tage bei ihren Eltern und Freunden in Söcking und München verbracht hat, mit dem deutschen Nationalteam und vier verschiedenen Surfbrettern im Gepäck nach Frankreich auf, um am Wettkampfspot zu trainieren. Ihre Ansprüche sind aufgrund der übermächtigen internationalen Konkurrenz eher bescheiden: „Ich weiß noch nicht so recht, was mich erwartet. Aber ich will so gut, wie ich kann, surfen und mein Bestes zeigen.“

Höher stehen Valeskas Chancen bei den Europameisterschaften, die im Oktober in Norwegen ausgetragen werden. An die Olympischen Spiele 2020 will sie noch keine großen Gedanken verschwenden. „Das ist alles noch unklar, wie das funktionieren soll“, sagt sie über den noch nicht ausgetüftelten Nominierungsmodus. Denn insgesamt dürfen in Tokio nur 20 Frauen und 20 Männer um Gold, Silber und Bronze surfen.

Bis auf die Unterstützung durch das Sportartikelunternehmen Planet Sports, Surfbekleidungshersteller Rip Curl oder Fit Star (Fitnessstudio) sowie ein paar Kleinsponsoren muss die Studentin die Kosten für ihren Sport und die damit verbundenen Reisen selbst bestreiten. Vielleicht schafft sie es einmal, als Surfprofi ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Aber das ist sehr schwer“, sagt sie. Für sie aber wäre es die perfekte Welle.

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