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Tierheimleiterin Christine Hermann mit Kater Gaucho: Ohne die Hilfe der Tierschützer hätte der getigerte Kater die Sommerferien wohl nicht überlebt.

Tierschutzverein

Die Lebensretter vom Franziskusweg

Mit dem Ende der Sommerferien zieht auch das Tierheim Starnberg Bilanz. Knapp 200 Tiere wurden den Sommer über dort aufgenommen. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins findet deutliche Worte.

Starnberg – Die Urlaubsorte haben sich wieder geleert. Im Starnberger Tierheim jedoch herrscht weiterhin Hochbetrieb. Um die 45 Kleintiere wie Vögel, Meerschweinchen und Hasen, 115 Katzen und 30 Hunde hat das Tierheim seit Juni aufgenommen. „Wir haben keine Kapazitäten mehr“, sagt Christine Hermann (53), die seit sechs Jahren das Tierheim leitet und sich mit sechs fest angestellten Tierpflegern, zwei Tierärzten und 40 ehrenamtlichen Helfern um die abgegebenen und gefundenen Tiere kümmert. Thomas Fischer, Vorsitzender des Tierschutzvereins Starnberg, beschreibt es so: „Die Wertschätzung gegenüber dem Lebewesen ist bei vielen nicht vorhanden.“

Auffällig war in der Urlaubszeit der Fund von sechs Wellensittichen, die innerhalb kürzester Zeit in Starnberg, Gauting und Gilching entdeckt wurden. „Sie lagen völlig entkräftet auf dem Boden“, berichtet Christine Hermann. Einer von ihnen überlebte nicht. Die anderen sind mittlerweile wohlauf und haben im Tierheim ein vorübergehendes Zuhause gefunden.

Auch die Geschichte von Gaucho berührt die Herzen der Tierfreunde. Den getigerten Kater haben die Tierheim-Mitarbeiter nach seinem Fundort Gauting benannt. Eine Anwohnerin von Grubmühl hatte die verletzte Katze aufgespürt und sofort das Tierheim informiert. „Er ist ein ganz zahmer und menschenbezogener Kater“, beschreibt Christine Hermann den auf 15 Jahre geschätzten Gaucho. Auch in dem Fall vermutet sie, dass er den Besitzern in der Urlaubszeit lästig geworden sein könnte.

„Gaucho wäre gestorben, wenn wir ihn nicht gefunden hätten“, ist sich Hermann sicher. Der Kater litt unter akuten Verletzungen wie einer Bisswunde am Rücken und wurde die ersten Tage in der Klinik einquartiert. Auch seine Nieren sind schwach. Zudem ist er Diabetiker. „Er bekommt Insulin. Es geht ihm aber wieder gut“, erzählt die Tierheimleiterin erleichtert. Gaucho lebt jetzt mit drei weiteren Katzen in einem Häuschen mit Zugang zu einem Außenbereich und wartet darauf, vermittelt zu werden.

Das Glück, ein neues Zuhause zu finden, hat der grau-weiße Kater Vito bereits erfahren. Seit Mitte Juli wohnt Vito bei der 77-jährigen Erica Aschbichler in Seefeld und heißt jetzt Bobby. Er wurde in einem Seefelder Garten gefunden. „Er war fast verhungert und komplett voll mit Ungeziefer“, sagt Tierheimleiterin Hermann.

Erica Aschbichler entdeckte Bobby auf der Internetseite des Tierheims und entschied sich, ihm ein neues Zuhause zu schenken – und das, obwohl sie eigentlich gar kein Haustier mehr wollte. „Drei Monate zuvor wurde meine Katze eingeschläfert“, erzählt die 77-Jährige im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Aber Vito/Bobby hat ihr Herz berührt. Er liebt den Garten und ist zu einem zutraulichen Kater geworden. „Ich möchte ihn nicht mehr hergeben“, sagt sein Frauchen.

Gaucho, Bobby und auch viele andere Tiere, die durch das Engagement des Tierheims gerettet werden konnten, zeigen Christine Hermann immer wieder, dass sich der Einsatz und auch die Kosten für die ärztliche Versorgung der Tiere lohnen. So investierte das Tierheim alleine rund 500 Euro für die Behandlung von Gaucho. Auch drei weitere schwer verletzte Katzen mussten kürzlich operiert werden und trugen ihren Teil dazu bei, dass die Tierarztkosten diesen Sommer um 15 Prozent gestiegen sind. „Die Tierarztkosten sind ein riesiger Posten bei uns“, erklärt Hermann.

Ohne finanzielle Spenden würde das Tierheim nicht über die Runden kommen. Vom Landkreis und den Kommunen bekommt das Tierheim insgesamt 70 Cent pro Einwohner zugesteuert, was jedoch nicht einmal die Tierarztkosten decken kann. Wer helfen will: Das Konto bei der Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg hat die IBAN-Nummer DE25 7025 0150 0430 0567 62.

Wer sich für ein Tier interessiert: Derzeit befinden sich noch etwa 25 Hunde, 50 Katzen und 80 Kleintiere im Tierheim, Franziskusweg 34. Jeder, der ein Tier bei sich aufnehmen möchte, ist daher willkommen. Infos gibt es unter Telefon(0 81 51) 87 82. Die Öffnungszeiten des Tierheims sind Dienstag bis Freitag von 14 bis 16.30 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr.     Von Lilien Fährmann

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