Der Künstler und der Trophäensammler: Museumsleiter Benjamin Tillig (l.) freut sich über die Kunstobjekte, die drei „Trophies“, von Tim Bennett. Foto: Andrea Jaksch
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Der Künstler und der Trophäensammler: Museumsleiter Benjamin Tillig (l.) freut sich über die Kunstobjekte, die drei „Trophies“, von Tim Bennett.

Museum Starnberger See

Tilligs stolze Trophäen

Sind das Aliens, die im Innenhof des Museums Starnberger See gelandet sind? Tatsächlich sind die „Trophies“ andersartig, Seit Februar stehen sie in Starnberg, nun sollen sie auch bleiben. Am Sonntag gibt der Künstler sie frei.

Starnberg – Die „Trophies“ sind drei Stahlbetonskulpturen des Bildhauers Tim Bennett (47). Scheinbar fragil balancieren sie auf ihren dünnen Stahlträgern im Innenhof des Museums Starnberger See. Am Sonntag findet die offizielle Einweihung des Kunstwerkes mit Künstlergespräch statt.

Schon mehrere hundert Bilder hat Tim Bennett gemalt, neun Skulpturen geschaffen. Drei davon stehen seit Februar vor einer spiegelnden Wand im Innenhof des Museums. So wunderschön kann Zerstörung aussehen, denn es sind weiß lackierte Säulen aus Aluminium, nur scheinbar abgebrochen, aus deren Abbruchkante sich dünne Stahlträger ringeln, die im Boden verankert sind.

„Ursprünglich wollten wir die ,Trophies‘ nur ein Jahr lang im Rahmen der aktuellen Ausstellung zeigen“, sagte Museumsdirektor Benjamin Tillig am Freitag. „Weil wir so viel positive Rückmeldung bekommen haben, hat uns Tim Bennett die Skulpturen dann geschenkt.“

Tillig war durch seine in München ausgestellten Werke auf Bennett aufmerksam geworden und bat ihn, Skulpturen auch fürs Starnberger Museum zu kreieren. „Das war eine Herausforderung“, sagte Bennett. „Es war das erste Mal, dass ich eine Skulptur für draußen gebaut habe. Sie muss ja wetterfest sein.“ Normalerweise arbeitet der Künstler mit Beton, Gipskarton und Holz. Bei den „Trophies“ entschied er sich für Rohfassungen aus Gips, die anschließend in einem Metallgussbetrieb aus Aluminium gegossen wurden. Die größte der drei Figuren wiegt 80 Kilogramm, ist über zwei Meter groß und etwa 40 Zentimeter breit.

Dass sie jeder Witterung standhalten, haben die Skulpturen seit Februar schon mehrfach bewiesen. „Ich finde sie im Regen fast noch schöner“, sagte Bennet. Es erinnere ihn an seine Heimat. Der Künstler stammt aus Großbritannien und ist über Umwege und über eine Koch-Ausbildung im Allgäu zur Kunst gelangt. Er studierte in London und München und kehrte danach zurück ins Allgäu, wo er sich in einer alten Käserei ein Atelier aufgebaut hat.

„Ich bin super zufrieden mit unseren neuen Skulpturen“, sagte Museumsdirektor Tillig. „Vor allem der Name ist gelungen. Er erinnert an Jagdtrophäen, die ja früher den Grundstein einer Museumsausstellung bildeten.“ Außerdem stehen die „Trophies“ für die im Alltag allgegenwärtige Zerstörung. „Manche reißen ein Haus ab und bauen gleich ein neues, aber den Prozess der Zerstörung dazwischen würdigt niemand. Ich möchte das in meiner Kunst einfangen“, so Bennett. Das Künstlergespräch mit ihm beginnt am Sonntag um 15 Uhr. Eine Anmeldung ist unter (0 81 51) 4 47 75 70 oder per E-Mail an info@museum-starnberger-see.de erforderlich.

Vanessa Lange

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