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Symbolbild

Aus dem Gerichtssaal

Babylonische Sprachverwirrung

Tutzing - Streit unter Asylbewerbern ist oft schwierig zu schlichten, aber auch problematisch zu verhandeln. Das wurde jetzt vor dem Starnberger Amtsgericht deutlich.

Manchmal sind Richter wirklich nicht zu beneiden, vor allem dann nicht, wenn die sprachliche Verständigung mit den Verfahrensbeteiligten an massive Grenzen stößt. Das Starnberger Amtsgericht musste sich mit einem handgreiflichen Streit unter Asylbewerbern befassen, der sich im Januar in Tutzing ereignet hatte.

Ein 27-jähriger Pakistani soll einen 25-jährigen Afghanen mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, weil dieser sich angeblich geweigert hatte, das Zelt der pakistanischen Gruppe zu verlassen. Die Beweisaufnahme hierzu gestaltete sich für Richterin Christine Conrad denkbar mühsam. Der Afghane war nicht mehr greifbar, weil er sich über Italien in Richtung England abgesetzt hatte. Für den angeklagten Pakistani war ein Urdu-Dolmetscher erforderlich, für einige Zeugen ein weiterer Übersetzer geladen, der des in Afghanistan gesprochenen Paschtu mächtig war. Letzteren konnte das Gericht dann doch wieder entlassen, weil man mit Urdu einigermaßen auskam.

Rätselraten um Vor- und Nachnamen

Der beschuldigte Pakistani, dessen Vor- und Nachname erst geklärt werden musste, bestritt zunächst eine Körperverletzung und sprach von „Schubsereien“. Beim Übersetzen dieser mühsam entlockten und reichlich ungenauen Angaben war auch der Dolmetscher nach Auffassung der Richterin nicht gerade eine große Hilfe. Er führte immer wieder längere Dialoge auf Urdu mit dem Angeklagten, statt dem Gericht präzise ins Deutsche zu übertragen, was es wissen wollte.

Der einzige deutschsprachige Zeuge, ein Security-Mitarbeiter, hatte zwar etwas von einem Streit zwischen den pakistanischen und afghanischen Asylbwerbern mitbekommen, aber auch nicht genau gesehen, was passiert war. „Pakistani und Afghanen mögen sich nicht besonders“, so der Verteidiger des Pakistani.

Offenbar, so weitere Zeugen, hatte sich der Afghane nach dem „Zusammenrücker“ mit dem Pakistani selber noch blutende Kopfverletzungen beigebracht. Ein Bericht der Fünfseenland-Klinik Gauting hatte dem mittlerweile nach England entschwundenen Afghanen eine „posttraumatische Belastungsstörung“ mit Neigung zu „Selbstverletzung in Form von Sich-an-den-Kopf-Schlagen“ attestiert.

Im Zuge der quälenden Beweisaufnahme rang sich der Pakistani dann immerhin dazu durch einzuräumen, dass es doch nicht beim „Schubsen“ geblieben war. Das Gericht stellte das Verfahren gegen die Auflage von 300 Euro (zahlbar in sechs Raten) und 32 Sozialstunden ein.

Die Asylbewerberunterkunft im Zelt an der Tutzinger Seestraße ist inzwischen aufgelöst. Die verschiedenen Gruppen wurden nach Krailling und Seefeld verteilt.

Von Thomas Lochte

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