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Unterwasser- und Pflanzen-Forscher: Julius Grauel und Simon von Ellerts bauten einen Tauchroboter mit Materialien aus dem Baumarkt: PVC-Rohre bilden das Grundgerüst, die Live-Bilder liefern Rückfahrkameras, die eigentlich für Autos gedacht sind.

Wettbewerb „Jugend forscht“

U-Boot aus dem Baumarkt und Dummy im Garten: So erfolgreich forschen Landkreis-Schüler 

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Sie bauen Tauchboote und integrieren Airbags in Fahrradhelme. Sie messen elektrische Spannungen der Aloe Vera und untersuchen Gummibärchen im Wasser: 18 Schüler aus dem Landkreis nehmen am Regionalentscheid der Wettbewerbe „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ teil.

Landkreis – Dass Pflanzen Lebewesen sind, war Moritz Mayr schon vor seiner Studie klar. Doch die vielen Stunden, die er mit einer Aloe Vera verbracht hat, bescherten dem Gautinger eine echte Offenbarung: „Ich habe jetzt ein ganz anderes Bewusstsein dafür. Ich konnte wirklich sehen, wie sie auf ihre Umwelt reagiert“, sagt Moritz. Genau gesagt hat der 14-Jährige, der das Starnberger Gymnasium besucht, auf dem Computerbildschirm höhere und niedrigere Kurven gesehen. Der bekannten Gesundheitspflanze hatte er Elektroden angelegt. So konnte er elektrische Spannungen von der Oberfläche der Blätter ableiten und mit einem USB-Oszilloskop aufzeichnen. „Das ist wie ein EKG beim Mensch“, sagt Moritz.

Er weiß jetzt, dass die Aloe Vera im Dunkeln anders reagiert als bei Tageslicht – und auf Wasser anders als auf Berührungen. Seine Versuche sind nur ein Beispiel für die Leistungen der Nachwuchswissenschaftler aus dem Landkreis. 18 Schüler der Gymnasien in Gauting, Gilching und Starnberg nehmen am Regionalentscheid der Wettbewerbe „Jugend forscht“ und „Schüler experimentieren“ teil.

Ausrichter ist das Patenunternehmen Hoerbiger aus Schongau. Am Mittwoch und Donnerstag der kommenden Woche (10.30 bis 16 Uhr und 10 bis 13 Uhr) präsentieren 105 Teilnehmer aus dem Alpenvorland in der Lechsporthalle in Schongau ihre Projekte. Wer ins bayerische Landesfinale der bundesweiten Konkurrenz einzieht, verkündet die Jury am Donnerstag ab 15 Uhr in der Schlossberghalle in Peiting.

Moritz Mayr untersuchte mithilfe von Elektroden, wie die Aloe Vera auf Reize aus der Umwelt reagiert.

Die Bandbreite der elf Projekte aus dem Landkreis ist beeindruckend: Drei Schüler des Gautinger Otto-von-Taube-Gymnasiums haben Airbags in Fahrradhelme integriert, um sie sicherer zu machen. Drei Achtklässler des Gilchinger Christoph-Probst-Gymnasium bauten einen ferngesteuerten Erkundungsroboter. Oberstufler aus Gauting konstruierten einen Windkanal, Unterstufler gingen der Frage nach, warum sich Gummibärchen im Wasser aufblähen.

Fiona Schlesingers Experiment hat eine ganz private Ursache – den Sturz ihrer Oma. Die Forschungsarbeit der 17-jährigen Gautingerin entstand im Rahmen des TUM-Kollegs, einer Kooperation des Gymnasiums mit der Technischen Universität München. Sie untersuchte, welche Aufprallkräfte wirken, wenn ältere Menschen stürzen. Das Equipment lieh sich Fiona beim Lehrstuhl für Medizintechnik: eine lebensgroße Puppe und einen Pullover mit acht sogenannten Beschleunigungssensoren. Die Puppe taufte die Schülerin Antonia – um sie dann im Garten der Eltern umzuschubsen. „Mama und Papa haben mir geholfen. Den Dummy immer wieder aufzustellen, war anstrengend.“ Er wiegt schließlich 51 Kilo.

Zwei ehemalige Tutzinger Gymnasiasten in der Jury

Notruf-Armbänder, die nach einem Sturz automatisch den Rettungsdienst informieren, gibt es schon. „Aber mit dieser Technologie könnte man sofort erkennen, wie schlimm der Sturz war und würde keine Zeit verlieren“, sagt Fiona. Vielleicht nutzt ihr Experiment bald Sanitätern bei der Ersten Hilfe.

Retter könnten auch von dem Unterwasser-Fahrzeug profitieren, das Julius Grauel (15) und Simon von Ellerts (14) gebaut haben. Aus einfachen Baumarkt-Materialien: PVC-Rohre bilden das Grundgerüst, die Live-Bilder liefern Rückfahrkameras, die eigentlich für Autos gedacht sind. „Die sind wasserfest“, sagt Simon. Für den Einsatz des Gefährts denkt er an Wassersportunfälle: „Mit unserem Roboter könnte man zum Beispiel Verletzte orten.“ Oder kleine Gegenstände bergen. Das Fahrzeug sei flexibel, ein Greifarm lasse sich schnell montieren. Hinter der Konstruktion steckt große Tüftelei: „Es war schwierig, den Schwebezustand im Wasser hinzubekommen“, sagt Julius.

Talentierte Nachwuchsforscher wie ihn und die anderen bringt der Landkreis immer wieder hervor. Zwei von ihnen sitzen nächste Woche beim Regionalentscheid in der Jury: die Geschwister Burggraf, die einst das Tutzinger Gymnasium besuchten. Hanna Burggraf hat den Landeswettbewerb zweimal gewonnen, ihr Bruder Max sogar viermal.

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