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Der Wörthsee war am Feiertag wieder ein beliebtes Ausflugsziel von Gästen aus nah und fern. 

Viele Ausflügler

Überlastung der Region verhindern: Das ist im Landkreis Starnberg geplant

Tagestouristen und Ausflügler lieben den Landkreis Starnberg – doch für den wird das zunehmend zum Problem. Die Corona-Krise mit den Reiseeinschränkungen verschärft die Lage zusätzlich. Nun wollen Landkreis, Wirtschaft und Gemeinden gegensteuern. Nächste Woche könnte es bereits konkrete Maßnahmen geben.

Landkreis – Nach wochenlangen Ausgangsbeschränkungen und geschlossenen Geschäften und Gaststätten drängt es die Menschen hinaus, doch Urlaubsreisen sind faktisch kaum möglich. Daher erwarten Gemeinden, Touristiker und Unternehmen einen regelrechten Ansturm von Ausflüglern auf den Landkreis – die ersten Vorboten waren am vorigen Wochenende deutlich sichtbar. Am Mittwoch fiel der Startschuss für ein Konzept, das eine Überlastung der Region verhindern soll.

Die Lage

Mehr als 22 000 Tagesgäste kommen rechnerisch pro Tag in den Landkreis. In diesem Jahr dürften es erheblich mehr sein als die bisherigen rund acht Millionen. Tagestouristen, vor allem Münchner, spülen im Schnitt der vergangenen Jahre rund 180 Millionen Euro in die Kassen von Gaststätten, Geschäften und Unternehmen. An manchen Sommerwochenenden allerdings wurde der Landkreis regelrecht überrollt.

Die Menschenmassen an Sommerwochenenden hatten zuletzt insbesondere am Wörthsee für lebhafte Debatten gesorgt – vielen Menschen dort, auch manchen Gastronomen, war es zu viel. Da weitere Reisen insbesondere in den Pfingstferien keine Option sind, werden sich weit mehr Menschen in der Region erholen wollen. Experten rechnen damit, dass das das ganze restliche Jahr so bleiben wird.

Anzeichen dafür sind steigende Buchungszahlen bei Ferienwohnungen, in denen die Infektionsschutzbestimmungen unkomplizierter einzuhalten sind als in einem Hotel. Erschwerend ist jedoch, dass wegen der Hygiene- und Abstandsregelungen weniger Platz an den Seen ist und viele Freizeiteinrichtungen wie Bäder geschlossen sind. Die Seenschifffahrt kann frühestens Pfingsten mit einem eingeschränkten Betrieb starten.

Die Befürchtung

Jeder zweite Deutsche will nach neuen Umfragen heuer im Urlaub zu Hause bleiben. Wenn weitere Zehntausende Münchner an die Seen strömen, weil sie nicht an den Gardasee können, droht dem Landkreis nicht nur ein Verkehrs- und Parkkollaps. Es dürfte dann zunehmend schwierig werden, die Abstandsregeln einzuhalten – und dass kann bei einer zweiten Welle des Coronavirus ein Problem werden.

Kommt es zu völlig überlaufenen Liegewiesen, Parks und dergleichen, kann dies für Besucher eine negative Erfahrung sein. Die Befürchtung teilen viele Ausflugsorte im Oberland, etwa Kochel oder Murnau.

Das Konzept

Seegemeinden, Landkreis, Stadt München, Wirtschaftsfördergesellschaft gwt, Polizei, Tourismusexperten – alle, die mit Tages- und Kurzzeittourismus zu tun haben, saßen am Mittwoch zusammen. Konkrete Maßnahmen seien noch nicht beschlossen worden, erklärte der amtierende Kreissprecher Christian Kröck am Mittwochnachmittag nach der Runde. Man habe sich darauf verständigt, bis kommende Woche eine Bestands- und Kapazitätsübersicht zu erarbeiten. Heißt: Wo gibt es wann welches Problem?

Eine Rolle bei der Analyse werden auch die Verhältnisse an diesem Wochenende spielen. Voriges Wochenende hatten Tausende Besucher die Seen besucht, größere Verstöße gegen die Infektionsschutzbestimmungen gab es aber nicht (wir berichteten). Auf vollen Wegen am See oder bei steigenden Temperaturen auf den Liegewiesen wird das aber potenziell problematisch.

Es gehe aber nicht nur um die aktuelle Lage, sondern auch grundsätzlich um die Lenkung von Besucherströmen im Landkreis, betonte Kröck. Bei der Erstellung des Konzepts wird es um viele Fragen gehen, auch um die zur Not kurzfristige Umsetzung.

Der Verkehr ist eine davon, aber beileibe nicht die einzige. Stichwörter dabei sind nicht nur Staus, auch übervolle Parkplätze, zugeparkte Rettungswege, Feuerwehranfahrtszonen oder private Einfahrten. Von Verboten – etwa Parkplatz-Sperrungen – hat man im Landkreis bisher die Finger gelassen. Die Polizei beispielsweise hat während der Ausgangsbeschränkungen diese Idee abgelehnt, weil Besucher dann nur woanders parken, was das Chaos potenziell vergrößern könnte.

Die Sperrung der Stege war wirkungsvoll, aber eine kurzzeitige Maßnahme während der Pandemie. Generell stehen Verbote offenbar weit hinten auf der Liste möglicher Maßnahmen. Denkbar wären beispielsweise bessere Informationen für Ausflügler, damit diese schon vor der Anfahrt wissen, wie voll es im Landkreis ist, also eine Art Besucherleitsystem. Konkrete Maßnahmen seien beim Treffen, das Kröck zufolge „der erste Schritt“ war, nicht vereinbart worden. Erst wolle man die Einschätzungen der Gemeinden und der anderen Beteiligten abwarten.

Andere Gemeinden greifen zu schärferen Maßnahmen. So wird Murnau Wanderwege als Einbahnwege ausweisen. Am Tegernsee geht man davon aus, dass es ohne Verbote nicht gehen wird. Was im Landkreis beziehungsweise der Region StarnbergAmmersee Mittel der Wahl ist, wird sich zeigen.

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