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Starnberg

Überraschende Umgehung - ein neuer Plan für Starnberg?

Bald könnte es im Stadtrat eine Mehrheit für eine einzige Umfahrungsvariante geben. Prof. Peter Kirchhoff hat die ortsferne und die ortsnahe Lösung in einer Planung kombiniert.

Starnberg – BLS-Chef Walter Jann war am Freitag euphorisch: „Diese Kombination hat das Potenzial, die ehemalige Allianz der Umfahrungsbefürworter wieder zu einen.“ Prof. Peter Kirchhoff, vor seinem Ruhestand für Verkehrs- und Stadtplanung an der TU München zuständig, hat bei der Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel (BI) den Vorschlag einer Kombination von ortsferner und ortsnaher Trasse auf den Tisch gelegt.

Jann, Dr. Klaus Rieskamp und die inzwischen von der BMS zur BLS gewechselten Stadträte Michael Mignoli, Johannes Bötsch und Franz Heidinger hatten sich wie berichtet von der Allianz abgewendet. Hintergrund war zum einen die in ihren Augen nicht ausreichende Informationspolitik von Bürgermeisterin Eva John. Vor allem aber die Befürchtung, BMS, WPS und FDP würden sich in erster Linie für die ortsnahe Umfahrung einsetzen, die das Büro SHP im Rahmen der Arbeit am Verkehrsentwicklungsplan vorgeschlagen hatte (wir berichteten). Die BLS will aber eine ortsferne Umfahrung.

Kirchhoff hat nun nach den Worten von BI-Vorsitzendem Dr. Klaus Huber „nach den Regeln der Wissenschaft“ eine Kombination aus ortsferner und ortsnaher Trasse zu einem Vorschlag vereint. Der könnte Starnberg nach Ansicht mehrerer Gäste der Versammlung „wirklich entlasten“. Etwa 60 Besucher hatten Kirchhoff in der Schlossberghalle zugehört. Ihnen versicherte der Professor: „Die Nordumfahrung plus Osttangente löst Starnbergs Verkehrsproblem optimal und ist ökologisch machbar.“

Huber überreichte die Ausarbeitung, die Kirchhoff für die BI gemacht hat, der Bürgermeisterin. Damit könne sie die neuen Pläne in die vom Stadtrat jüngst beschlossenen Gespräche mit Staatlichem Bauamt und Regierung von Oberbayern über die Realisierungsmöglichkeiten einer Umfahrung einbeziehen. „Die BI kämpft weiter“, versprach er. John sieht das als „Hausaufgabe“, die sie erledigen will.

In ihrem Redebeitrag – vor Kirchhoffs Präsentation – hatte sie die politische Entwicklung beklagt: „Die Chancen für Starnberg werden verspielt.“ Mit Hinweis auf die gemeinsamen und teils schon erreichten Ziele der ehemaligen Allianz bedauerte sie, dass derzeit auf das „wohlmeinende Miteinander“ mit der BLS verzichtet werden müsse.

Das könnte sich wieder ändern. „Ich werde schnell Kontakt zur Bürgermeisterin aufnehmen. Der Neuanfang kann beginnen“, sagte Jann auf Anfrage. Er sei sicher, dass die BLS-Mitglieder diesen Weg mitgehen. Kirchhoff habe ihn „wahnsinnig positiv überrascht“. Jetzt gelte es, vorzubereiten, wie man bei den Gesprächen mit den staatlichen Behörden vorgehen wolle. Für Jann ist klar, dass der ortsferne Teil der Lösung (37 Millionen Euro) zuerst, der schwierigere ortsnahe Teil (88 Millionen Euro) erst danach angegangen werden sollte.

Offen bleibt, was die Parteifreien – ebenfalls Anhänger der ortsfernen Trasse – zu der Entwicklung sagt. Weder die parteifreie Stadträtin Angelika Kammerl noch Sieglinde Loesti haben Kirchhoffs Vortrag gehört. Ihre Stimmen sind im Stadtrat am Ende aber Zünglein an der Waage, wenn es darum geht, vom genehmigten B2-Tunnel auf die noch nicht fertig entwickelte Umfahrung umzuschwenken.     irl

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