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Der Eisvogel bereitet den Vogelschützern Sorgen.

Tierwelt

Sorgen um die Wiesenbrüter

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Etwa 120 Vogelarten brüten im Landkreis. Die regionalen Ornithologen haben im vergangenen Jahr so manche erfreuliche Überraschung erlebt. Aber sie machen sich auch Sorgen – am meisten um die bedrohten Wiesenbrüter.

Landkreis – Ausgerechnet das Wappentier des Landesbunds für Vogelschutz ist kaum zu sehen im Landkreis. Der Eisvogel, der blau-orange schimmert, ist mit den Wetterbedingungen nicht klar gekommen. Nach einem strengen Winter sei der Bestand in den vergangenen zwei Jahren dramatisch eingebrochen. Die Tiere seien verhungert, sagt Pit Brützel. Er leitet die Arbeitsgemeinschaft Starnberger Ornithologen (ASO) und ist Mitglied im Vorstand der Kreisgruppe des Landesbunds für Vogelschutz (LBV).

Um den Eisvogel macht sich Brützel im Gegensatz zu anderen Arten dennoch keine großen Sorgen. „Das ist eher ein bekanntes, natürliches Phänomen.“ Und seit dem Sommer 2018 seien schon wieder zumindest vereinzelte Exemplare gesehen worden. Das ist nur logisch. Denn die Vogelbeobachter im Landkreis sind besonders akribisch: 200 von ihnen dokumentierten im vergangenen Jahr rund 30 000 Beobachtungen. Aus all diesen Details zu Brutverhalten und Populationen hat Brützel einen 100-seitigen Jahresbericht destilliert. Er enthält so manche freudige Überraschung, drückt aber auch die Befürchtungen der Ornithologen aus.

„Die Situation der Wiesenbrüter im Landkreis ist besorgniserregend“, sagt Brützel. Er nennt den Großen Brachvogel, die Bekassine, den Wiesenpieper und das Braunkehlchen. Von ihnen seien nur wenige Brutpaare anzutreffen – fast ausschließlich im Ampermoos. Auch die Feldlerche verzeichne dramatische Rückgänge. Dahinter stecken laut Brützel Ursachen, die im Volksbegehren „Rettet die Bienen“ angesprochen wurden. „Das ist die Industrialisierung der Landwirtschaft. Die Vögel finden keine Insekten mehr“, sagt der Ornithologe.

Freude bereitete ihm und seiner Arbeitsgemeinschaft dagegen die Sichtung der Heidelerche beim Brüten bei Seefeld. „Wir konnten sie erstmals seit vielen Jahren nachweisen“, sagt Brützel. Flussregenpfeifer und Wendehals, beide Arten stehen auf der roten Liste, seien mit einigen wenigen Brutpaaren im Landkreis vertreten gewesen.

Bei Bachhausen tauchte 2018 auch ein Pelikan auf, der aus aus dem Raritätenzoo Ebbs in Tirol ausgebüxt war (wir berichteten) – Brützel nennt ihn „Gefangenschaftsflüchtling“. Zuletzt war er an der Isar zwischen München und Freising gesehen worden. Neben der Entdeckung einzelner Tiere berichtet die ASO auch von der Beobachtung großer Schwärme. Die beeindruckendste Zahl zielt auf die 10 000 Bergfinken, die Mitte Dezember rund um den Starnberger See gesichtet wurden. Im November zogen 400 Kraniche an Hochstadt vorbei, außerdem nennt Brützel 1800 Erlenzeisige und 500 Bluthänflinge für die Region.

Zwischen September und April beobachteten die Vogelschützer alle Taucherarten, fast alle Enten- und vier Großmöwenarten. Für Wasservögel ist der Starnberger See ein wichtiges Winterquartier. Von November bis Januar überwintern dort gut 20 000 – vor allem in der Starnberger und der Seeshaupter Bucht sowie im Bereich um die Roseninsel. Sorgen bereiten den Beobachtern die Stand-up-Paddler und Kajakfahrer, die in die Ruhezonen der Tiere vorstoßen. „Schon die Annäherung eines einzelnen Wassersportlers kann dazu führen, dass hunderte oder gar tausende Vögel auffliegen und flüchten“, sagt Brützel. Gerade während der kalten, nahrungsarmen Zeit zehre das an den überlebenswichtigen Energiereserven.

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