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Umstrittene Hainbuchen bleiben

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Ortstermin an Bäumchen: Stadträte und Anwohner gingen die Buchen und die Hecke am Donnerstag ab, wobei die Anwohner erneut deutlich machten, wie wenig sie die Hainbuchen wollen.
Ortstermin an Bäumchen: Stadträte und Anwohner gingen die Buchen und die Hecke am Donnerstag ab, wobei die Anwohner erneut deutlich machten, wie wenig sie die Hainbuchen wollen. © Andrea Jaksch

Die Posse um Säulenhainbuchen an der Possenhofener Straße im Bereich der Hausnummern 16 bis 40 hat ein Ende – die Bäume bleiben. Das hat der Umweltausschuss des Stadtrates gegen vier Stimmen von CSU und BLS beschlossen. Anwohner sind gegen die Pflanzungen, und das aus mehreren Gründen.

Starnberg - Fast scheint es, als seien die Hainbuchen eines der beherrschenden Themen der Stadtpolitik, so oft waren sie schon Thema. Anlass diesmal war ein CSU-Antrag, die mehr als zwei Dutzend Bäumchen (Bäume sind es noch nicht) wieder auszugraben. Die alten Bäume hatten voriges Jahr aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen, und eigentlich war der Stadtverwaltung aufgegeben worden, vor Beginn der Pflanzungen dem Ausschuss das Vorhaben vorzulegen und die Anwohner zu befragen. Das an sich war schon ungewöhnlich, und noch ungewöhnlicher ist, dass beides nicht passiert ist – dafür hat sich die Verwaltung bereits mehrfach entschuldigt. Die Anwohner wurden, so sagen sie, mehr informiert als befragt, und auch erst nach der Pflanzung. Bei einem Ortstermin am Donnerstag machten sie dem Umweltausschuss ihre Bedenken nochmals klar.

Sie fürchten unter anderem, dass die in einigen Jahren hohen Buchen zum einen viel Laub abwerfen, vor allem aber die Anliegerstraße entlang der Possenhofener Straße verdunkeln. Das Licht der Straßenlampen auf der Ostseite werde sie nicht durchdringen – „ein dunkler Tunnel“ entstehe. Deswegen gebe es den Plan der Stadtverwaltung, dort weitere Straßenlampen installieren zu lassen. „Wer denkt sich denn so was aus?“, frage Anwohnerin Susanne Nunn. An der sowieso schmalen Anliegerstraße sei dafür gar kein Platz. Den Stadträten war schnell klar, dass solche Pläne nicht sonderlich hilfreich sind.

In der Sitzung nach dem Ortstermin zeigte sich die Spaltung des Gremiums in Buchen-Befürworter und Buchen-Gegner. Michael Mignoli (BLS) oder auch Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl sahen die falschen Bäume am falschen Platz, die noch dazu hohe Schnittkosten verursachen, sollen sie nicht in die Straßen ragen. „Das Gebiet ist sowieso grün“, sagte Mignoli. Dr. Charlotte Meyer-Bülow (CSU) entdeckte keine Stelle, die zwingend begrünt werden müsse, und es habe „Warnhinweise“ an die Verwaltung gegeben, dort nichts zu pflanzen. Eva Pfister (BMS) befand die Zusage des Bürgermeisters, die Bepflanzung werde seitens der Verwaltung vor Beginn vorgestellt (was dann nicht passierte), als „unglücklich“, mehr aber auch nicht. Sie wie auch Dr. Franz Sengl (Grüne) erkannten die Gefahr, einen folgenreichen Präzedenzfall zu schaffen. Eva Pfister: „Wenn wir das anfangen, kommen wir in einen Teufelskreis.“ Gemeint war, Anwohnerwünschen nach Baum-Beseitigungen nachzugeben. Und: „Ich kann keine echte Belastung für die Anwohner erkennen.“ Sengl kritisierte scharf, dass nur Anwohner auf der West-, nicht aber auf der Ostseite befragt worden seien. Eine Mehrheit hatte sich allerdings gegen die Bepflanzung ausgesprochen. Sengls Fraktionskollegin Dr. Ursula Lauer konnte an den Hainbuchen kein Problem entdecken – sie seien leicht zu pflegen und zu beschneiden. Und sie wüchsen auch nicht „monsterartig“, wie manche fürchten.

Selbst Vorschläge zur Zweitverwertung der Buchen – Mignoli dachte an den Wiesengrund, ein Anwohner sagte zu, einige Bäume aufzunehmen – hatten keinen Einfluss auf die Entscheidung. Die Buchen bleiben.

Für die Hecke zwischen Possenhofener und Anliegerstraße gilt das nicht uneingeschränkt. Im nördlichen Teil ist sie eher mager, weiter im Süden recht kräftig und hoch. Bisher wurde sie durch die Stadt einmal im Jahr geschnitten – entschieden zu wenig, wie die Anwohner klagen. Beim Ortstermin bot die Hecke ein eher unscheinbares Bild, denn sie war vor einigen Monaten gestutzt worden. Anwohnerin Waldtraud Beigel hatte extra ein Foto dabei, wie die Hecke im Sommer aussieht – breit, grün, hoch. Folge: Parkt ein Auto rechts an der Straße, kommt man nur mit Kontakt zur Hecke vorbei – von Radfahrern im Gegenverkehr ganz zu schweigen. Zudem: Die Hecke reicht bis an die Einmündung der Anlieger- auf die Possenhofener Straße und schränkt dort die Sicht erheblich ein. Anwohner fürchten, dass das später auch durch die breit wachsenden Buchen passieren könnte. Anwohner Franz Winklbauer hat schon selbst zur Schere gegriffen, um die Sicht zu verbessern. Er befürchtet eines Tages einen schweren Unfall, vor allem wenn Lastenradfahrer mit Kindern dort einbiegen wollen. Man sieht nämlich an der Einmündung den Verkehr kaum, und Autofahrer auf der Possenhofener Straße sehen die Einmündung praktisch nicht.

Im Ausschuss folgte man diesen Argumenten – es herrschte breite Einigkeit, die Hecke um bis zu zehn Meter zu kürzen, um die Sicht zu verbessern. Oliver Jauch, Verkehrsachbearbeiter der Starnberger Polizei, begrüßt das: „Stört die Hecke die Sicht, muss sie weg.“ Unfälle habe es an dieser Stelle bisher aber nicht gegeben. Die Stadträte wollen ein Halteverbot gegenüber der Einmündung prüfen lassen, was mit dem Landratsamt zu klären ist (es ist für Staatsstraßen zuständig). Zudem soll die Hecke zweimal statt nur einmal im Jahr geschnitten werden und so gepflegt, dass nur noch Weißdorn bleibt. Warum manche Stadträte die Folgekosten fürchten, zeigen die Preise: Der doppelte Schnitt soll 7800 Euro kosten, pro Jahr.

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