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Packen selbst mit an: Ruth und Georg Wenzel sammeln Müll ein, um die Natur zu schützen.

Umweltschutz

Ärmel hochkrempeln für die Natur

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Auf ihren Spaziergängen mit Hündin Giulietta stach Ruth und Georg Wenzel vor allem eins ins Auge: haufenweise Müll, der überall im Landkreis verstreut liegt. Um die Umwelt zu schützen, sammeln die Starnberger nun regelmäßig Abfall aus der Natur ein.

Starnberg– Leere Plastikflaschen, Verpackungen, Plastiktüten und kaputte Feuerzeuge – diese und viele weitere „Mitbringsel“ sammeln Ruth (49) und Georg Wenzel (58) aus Starnberg auf ihren Spaziergängen quer durch den Landkreis ein. Beim Gassigehen mit ihrem Chihuahua Giulietta bemerkte das Ehepaar, das einen Bootsverleih am Starnberger See besitzt, wie viel Müll sich in der Landschaft und in den Gewässern des Landkreises befindet. „In allen Badegebieten liegen Zigarettenstummel“, erzählt Ruth Wenzel. „Eine weggeworfene Zigarette vergiftet schon 100 Liter Wasser. Die Natur leidet darunter.“

Deswegen begannen Ruth Wenzel und ihr Mann damit, bei ihren Spaziergängen Müll einzusammeln. „Als wir mit Giulietta in den Osterferien am Maisinger Bach entlang gegangen sind, schwammen dort riesige Plastikteile im Wasser“, berichtet Ruth Wenzel. Auch Tüten mit Düngermittel habe das Ehepaar im Bach gefunden. Daraufhin zögerten die Wenzels nicht lange und machten sich mit einem großen Fahrradanhänger erneut auf den Weg zum Maisinger Bach, um ihn vom Plastik zu befreien. Die Bilanz: Der komplette Anhänger war nach der Aufräumaktion voll mit Müll. „Von Plastikplanen über Motorölflaschen bis hin zu Kleinzeug wie Flaschendeckeln war alles mögliche dabei“, erzählt Ruth Wenzel.

Dasselbe Szenario ereignete sich Ende Mai an der Würm. Dort sind zwei Bäume umgefallen, die nun quer über dem Fluss liegen und den Müll aufstauen. Wieder rückten die Wenzels mit ihrem Fahrradanhänger aus, wieder war der Anhänger nach einigen Stunden Mülleinsammeln randvoll mit Flipflops, Verpackungen, Plastikflaschen und Feuerzeugen.

Probleme mit Müll gibt es an der Würm nicht zum ersten Mal. Auch der Parkplatz am Spazierweg zwischen Gauting und Leutstetten war zwischenzeitlich Sammelbecken für Abfälle aller Art. Das fiel auch anderen Spaziergängern auf, woraufhin ein Naturschützer im Herbst vergangenen Jahres einen Müllbeutel aufhängte. Obwohl die Parkplatznutzer ihren Müll daraufhin im Beutel entsorgten, war das Problem nicht aus der Welt geschafft, denn: Der Beutel wurde nicht weggebracht.

Wenzels sammeln auch Müll auf dem Spazierweg auf.

Deswegen brachte Ruth Wenzel eine Notiz neben der Mülltüte an, in der sie darauf hinwies, dass der Müll nicht weggeräumt wird und jeder seine Abfälle wieder mit nach Hause nehmen sollte. Ihre Aufforderung zeigte Wirkung: „Jetzt sieht es dort wieder besser aus“, freut sich Ruth Wenzel.

Trotzdem ist sie mit der Gesamtsituation unzufrieden. „Wir sprechen immer über die Plastikinsel im Atlantik“, sagt die Starnbergerin. „Aber die Probleme sind nicht nur dort, sondern auch vor der eigenen Haustüre.“ Vor allem in Plastikmüll sehen die Wenzels eine große Bedrohung für die Umwelt. Plastikmüll bleibe, nachdem er sich zersetzt habe, für lange Zeit als Mikroplastik in der Natur und sei auch für Tiere schädlich. „Sie tragen das Plastik in ihre Nester und fressen es“, erklärt Ruth Wenzel.

Was Bürger gegen den Müll in der Natur tun können erklärt Barbara Beck vom Starnberger Landratsamt: Wer Müll in Gewässern oder in der Landschaft entdecke, solle das Landratsamt darüber informieren. „Wir sind auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“, erklärt Beck. Die Mitarbeiter der Kreisbehörde geben diese Hinweise wiederum an die Gemeinden beziehungsweise das Wasserwirtschaftsamt weiter. Diese Institutionen beauftragen dann Mitarbeiter, die den Abfall einsammeln und entsorgen.

Natürlich ist der Umwelt auch geholfen, wenn jeder vor der eigenen Haustüre kehrt und selbst mit anpackt. Deshalb rufen die Wenzels dazu auf, den eigenen Müll wieder mitzunehmen und darüber hinaus Müll, den man in der Umgebung bemerkt, aufzusammeln und angemessen zu entsorgen. „Wir Menschen verdrecken die Natur, also müssen wir es auch wieder wegräumen“, sagt Ruth Wenzel. „Es wird Zeit, dass wir die Ärmel hochkrempeln und selbst etwas tun.“

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