Rückzugsort: das Schwanenweibchen am Starnberger Bürgerpark.

Dank Ausgangsbeschränkungen

Ungewöhnlicher Brutplatz: Schwäne profitieren von Corona

Ruhe dank Ausgangsbeschränkungen: Ein Schwanenpaar hat sich zum Brüten am Starnberger Bürgerpark niedergelassen. 

Starnberg – Die Schwanendame am Uferrand des Bürgerparks zupft an ihrem Gefieder und scheint ein Sonnenbad zu nehmen – tatsächlich ist das aber nur ihre Nebenbeschäftigung, denn sie brütet gerade drei Schwaneneier aus. Auf das Gelege, fordern Tierschützer auch per Handzetteln, muss Rücksicht genommen werden.

Fünf Wochen lang sitzt ein Schwanenweibchen normalerweise in ihrem Nest – so könnten schon ab Mitte Mai drei neue Jungschwäne den See unsicher machen. Doch bis dahin müssen sie und ihr Partner gut auf das gemeinsame Revier aufpassen. „Das Männchen patrouilliert im Revier um das Nest herum, während das Weibchen brütet“, erklärt Dr. Andrea Gehrold, Gebietsbetreuerin des Starnberger Sees vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), Schwanenpaare stecken sich vor dem Nestbau ein Revier ab, um bei ihren Nahrungssuchen während der Brutzeit stets in der Nähe des Nests zu bleiben und einen besseren Überblick über potenzielle Nest-Gefährder wie Füchse oder andere Vögel zu bekommen.

Dass das Paar sich an einem sonst recht belebten Ufer seinen Nistplatz gesucht hat, könnte auch mit den corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen zu tun haben. Sollte dies der Fall sein, befürchtet Gehrold Probleme durch die potenziellen Lockerungen der Beschränkungen: „Wenn wieder mehr Leute im Park unterwegs sind, könnte das die Schwäne stressen. Das kann zur Folge haben, dass sie das Nest verlassen und die Brut aufgeben“, fürchtet Gehrold.

Schwäne brauchen Ruhe: Hinweisschilder am Bürgerpark mahnen Besucher, sich und vor allem Hunde vom Gelege fernzuhalten.

Schwäne seien an sich zwar an Menschen gewöhnt, doch in der Brutzeit auch empfindlicher. Spaziergängern rät Gehrold dringend, Abstand zu halten: „Wenn das Männchen sich aufplustert, die Flügel seitlich abstellt und anfängt zu fauchen, will es vor einer möglichen Offensive warnen“, sagt Gehrold. Gerade bei Kindern und Hunden sei Vorsicht geboten, betont die Biologin, da Schwäne zum Fressen von Algen auch Zacken am Schnabel haben: „Das kann schon zwicken“, sagt sie.

Nächstes Jahr wird sich das Paar vermutlich einen anderen Nistplatz suchen. Schwäne bleiben meist über ihre 20-jährige Lebensspanne zusammen und kehren auch meist an die Nistplätze zurück, an denen sie gute Erfahrungen gemacht haben. Am Starnberger See gibt es aufgrund des geringen Schilfaufkommens und des vielen Wassersports nur bis zu zehn Brutpaare, der LBV zählt aber bis zu 50 Tiere insgesamt. Schwäne können, sofern sie einen Partner und einen Nistplatz haben, jedes Jahr bis zu fünf Eier ausbrüten. Die Jungtiere brauchen dann erst einmal zwei Monate Zeit zum Wachsen. Ab dann können sie fliegen, bleiben aber meist noch bei ihren Eltern.

Damit dies auch die Familienbiografie des Schwanenpaars am Bürgerpark-Ufer wird, sagt Gehrold: „Wir sollten dem Paar Ruhe lassen und es auch nicht füttern, denn unser Essen vertragen Wasservögel nicht.“ Inzwischen weist auch ein Schild am Uferrand auf das brütende Paar und den notwendigen Abstand hin – was jeder beachten sollte.

Alice Beckmann-Petey

Lesen Sie auch:

Die kleine Kiebitz-Kolonie im Aubachtal bei Hechendorf steht heuer vor dem Aus. Die bis zu 13 Altvögel haben erste Gelege wieder aufgegeben und sind weitergezogen. Günter Schorn, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Starnberg, kritisiert die Regierung von Oberbayern scharf.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tunnel-Banner dürfen wieder aufgehängt werden
Die blauen Tunnelplakate in Starnberg dürfen wieder aufgehängt werden. Der Stadtrat hat die Regelungen geändert. 
Tunnel-Banner dürfen wieder aufgehängt werden
Umfahrung für vier Tage dicht
Seit einem knappen Jahr gilt auf der Weßlinger Umfahrung Tempo 70. Der Grund sind Bodenwellen. Nun wird die Straße neu asphaltiert. Dafür sperrt das Staatliche Bauamt …
Umfahrung für vier Tage dicht
SARS-CoV-2: Ein neuer Fall am Samstag
Weiterhin gibt es an den meisten Tagen keinen oder nur wenige neue Corona-Fälle im Landkreis Starnberg. Am Samstag war es einer. 
SARS-CoV-2: Ein neuer Fall am Samstag
Tourismusmagnet Roseninsel funktioniert - aber Besucher müssen mit Einschränkungen rechnen
Die Besucher müssen einige Einschränkungen in Kauf nehmen: Trotzdem funktioniert der Touristenmagnet Roseninsel auch nach der Corona-Pause.
Tourismusmagnet Roseninsel funktioniert - aber Besucher müssen mit Einschränkungen rechnen

Kommentare