+
Sprühen verbieten? Der Landkreis will auf seinen Flächen Glyphosat komplett untersagen – die Landwirte sind dagegen.

Landwirtschaft

„Lest die Beipackzettel Eurer Medikamente“

  • schließen

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wird in der nächsten Kreisausschusssitzung und wohl auch im Kreistag zu lebhaften Debatten führen. Ein generelles Verbot auf landkreis-eigenen Flächen nämlich finden nicht alle Kreisräte der Situation angemessen.

Landkreis – Auf landkreiseigenen Flächen soll kein Glyphosat mehr eingesetzt werden dürfen. Das sieht ein Antrag der Grünen vor, der in leicht geänderter Form vor wenigen Tagen den Kreis-Umweltausschuss passierte. Die Landwirte jedoch sind vehement gegen ein pauschales Verbot.

Eigentlich, so hat die Verwaltung ermittelt, wird das Unkrautvernichtungsmittel schon heute nicht auf landkreiseigenen Flächen eingesetzt. In den meisten Pacht- und Pflegeverträgen sei der Einsatz von Agrarchemie jeder Art, also auch Glyphosat, ausgeschlossen, erklärte Landschaftspflegeberaterin Petra Gansneder in der Sitzung. Gleiches gelte für Erholungsflächen. Ein Beschluss sei dennoch sinnvoll, weil der Kreis damit als Vorbild fungiere, insbesondere für Privatleute, die das Mittel uneingeschränkt einsetzten. Glyphosat steht im Verdacht, unter anderem krebserregend zu sein.

Die Landwirte halten von solchen pauschalen Verboten wenig. Max Stürzer (CSU) klärte den Ausschuss erst einmal auf: Im Winter würden Flächen heutzutage durchgehend begrünt, was teilweise auch Pflicht ist. Wenn es dann einen milden Winter gibt, bekommen die Landwirte die Zwischenfrucht kaum von den Feldern. Normalerweise sorgt der Frost dafür. „Als Notbremse haben wir Glyphosat“, erklärte er, das allen Pflanzen den Garaus macht. Vor allem aus den USA käme jedoch glyphosat-resistentes Saatgut, das die Konzerne verkaufen wollten. Denn: Es gebe durchaus Landwirte in der Welt, die das Mittel zur Erleichterung der Ernte einsetzen – sie besprühen die Pflanzen kurz vor der Ernte, die werden geschwächt und sind leichter zu ernten. „Schwarze Schafe“ nennt Stürzer diese Bauern, die es vor allem in Nordeuropa gebe. Vizelandrat Georg Scheitz (CSU) bestätigte das – dieses Vorgehen sei ein Grund gewesen, warum er auf Biolandwirtschaft umgesattelt habe.

Stürzer wollte eine pauschale Verurteilung von Glyphosat nicht mitmachen. „Lest mal die Beipackzettel Eurer Medikamente“, riet er seinen Kollegen. Kreisbäuerin Anita Painhofer (CSU) zog Vergleiche zu Antibiotika: Die brauche man ebenso nur punktuell. Man solle den Nutzen sehen, aber Vorsicht walten lassen. Martin Fink (CSU) wagte gar die Aussage, dass Glyphosat „eigentlich harmlos“ sei und es sehr genaue Vorgaben für den Einsatz gebe, die jeder Landwirt auch kenne. Schließlich müssen Bauern einen Sachkundenachweis erbringen, und das regelmäßig. Privatleute müssten das nicht.

Der Protest der Landwirte war heftiger, als nach bisherigen Aussagen von Kreisbauern-Obmann Georg Zankl zu erwarten war. Er hatte erklärt, Glyphosat spiele keine große Rolle im Landkreis. Selbst Anton Maier (Grüne) räumte danach ein, dass es Fälle gebe, in denen das Mittel unverzichtbar sei. Seiner Partei, die gleichlautende Anträge in fast allen Landkreisen der Region gestellt hatte, gehe es um eine Sensibilisierung, zumal Privatleute Glyphosat „hemmungslos“ einsetzten.

Landrat Karl Roth wollte sich das Signal nicht kaputtreden lassen. Zum einen wolle er, dass „wir auf unseren Flächen ein reines Gewissen haben“, zum anderen die Öffentlichkeit sensibilisieren. Das werde er auch allen Bürgermeistern nahelegen. Dagegen kam neuer Protest: Die Gemeinden hätten viele Flächen, ein Verbot könnte Landwirte hart treffen. Roth milderte daher den Beschlussvorschlag ab: Auf die Gemeinden solle nicht „eingewirkt“ werden, sie sollen nur „gebeten“ werden, es dem Kreis gleich zu tun.

Damit trägt der Kreis ein Stück weit Eulen nach Athen. In vielen Gemeinden gibt es bereits entsprechende Beschlüsse. Wenn Kreisausschuss und Kreistag zustimmen, gilt das Verbot ab sofort. Schließt der Kreis Pflegeverträge mit Firmen, wird das Verbot in die Verträge aufgenommen, ebenso in Pachtvereinbarungen. Berät das Landratsamt Privatleute in Gartenfragen, soll auf den Verzicht von Glyphosat hingewirkt werden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Motorradfahrer verunglückt
Ein Motorradfahrer (77) aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck wurde am Samstag bei Unfall in Dießen mittelschwer verletzt.
Motorradfahrer verunglückt
Der Meister der Formen und Farben
In Unterbrunn lagert ein Teil der Werke von Adolf Kleemann, in Weimar verwaltet die Tochter den Rest.
Der Meister der Formen und Farben
80-Jähriger stürzt vom Dachgeschoss
Am Freitagnachmittag hat sich in Dießen ein Schwerer Unfall auf einer Baustelle ereignet. Ein 80-Jähriger wurde dabei schwer verletzt.
80-Jähriger stürzt vom Dachgeschoss
Aus der Millionen-Metropole nach Walchstadt
Ana Dora Viracochea Melendes ist 27 Jahre alt, kommt aus Bolivien und hat dort Medizin studiert. Seit drei Monaten arbeitet sie bei einer Familie in Walchstadt als …
Aus der Millionen-Metropole nach Walchstadt

Kommentare