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Forderungen nach Radwegen gibt es viele (wie 2014 in Gauting), doch hakt es an vielen Stellen. Ein Zusammenschluss von Unternehmern fordert mehr Engagement der Politik. 

Runder Tisch in der KIM

Unternehmer fordern bessere Infrastruktur: Radwege als Wirtschaftsfaktor

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Ein Zusammenschluss von Unternehmern fordert Verbesserungen bei der Radweginfrastruktur. Landrat Stefan Frey denkt an einen Radförderpakt. Ein Problem: das Geld, das durch die Corona-Krise eher weniger wird.

Landkreis – „Wir wollen Verkehrsprobleme in der dritten Dimension mit Flugtaxis lösen, schaffen es aber nicht, in der zweiten Dimension Radwege zu schaffen.“ So formulierte es Dr. Markus Werner von TriaGnoSys in Weßling, als er an das Selbstverständnis des Landkreises als einem der innovativsten weltweit appellierte und eine Vollzeitstelle im Landratsamt vorschlug, die sich ausschließlich mit Fördertöpfen für Radwege beschäftigt. Unternehmen aus dem Landkreis hatten dieser Tage zu einem Runden Tisch zum Thema „Verkehrswende und Alltagsradwege im Landkreis Starnberg“ geladen, bei dem unter anderem Landrat Stefan Frey (CSU), Vize-Landrat Matthias Vilsmayer und Verkehrsmanagerin Susanne Münster zugegen waren. Die Kernforderung: mehr Platz für Radfahrer. Bereits im Herbst hatten die Unternehmensvertreter ihre „Initiative für eine verantwortungsbewusstere Verkehrspolitik im Landkreis“ gegründet. Ziel sei es, den die Verkehrsmöglichkeiten für die 7000 Mitarbeiter der Unternehmen zu verbessern, insbesondere durch geeignete Radwege.

Beim ersten Treffen mit dem neuen Landrat in der KIM in Krailling begründete Initiator Dr. Thomas Heege von EOMAP in Seefeld die Einberufung des Runden Tisches damit, „dass wir hier einen Bedarf sehen“. Sowohl im Bereich der Infrastruktur als auch bei der Kommunikation gebe es „deutliche Verbesserungsmöglichkeiten“. In der Sitzung ging es jedoch nicht um Details, sondern um Grundsätzliches.

Zentrale Koordinierungsstelle gefordert

„Es gibt viel Positives“, räumte Dr. Harald Lossau von Dynamic Systems in Wörthsee ein. Aber im Landkreis fehle es an einer zentralen Stelle, die Radwegenetze kreis- und gemeindeübergreifend koordiniere, damit etwa die Gewerbegebiete gut miteinander vernetzt werden. Wenn jedes Unternehmen für sich Radstellplätze und Leihradsysteme einführe, um multimodale Mobilität zu ermöglichen, „rechnet sich das nicht“, sagte Werner. Was auch Thomas Roggenkamp von Trane Klima- und Kältetechnik aus Krailling bestätigte. „Wir haben ein Leihradsystem installiert und gemerkt: Es funktioniert nicht.“

Christoph Winkelkötter von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft gwt führte an, dass 2200 der Unternehmensmitarbeiter im Landkreis lebten und arbeiteten. „Das sind alles potenzielle Fahrradfahrer“, sagte er. Das Umsteigen aufs Rad sei „gut für die Mitarbeiter, die Umwelt und die Gesundheit der Mitarbeiter“. Der ADFC-Kreisvorsitzende Anton Maier führte an, dass die Corona-Krise als „erhellendes Ereignis“ gezeigt habe, dass „das, was wir heute als Fahrradinfrastruktur geplant haben, reicht in keiner Weise“. Abgesehen davon würde von mehr Fahrradverkehr und ÖPNV auch der Autoverkehr profitieren, da weniger Fahrzeuge die Situation auf den Straßen entzerrten.

Mobilität endet weder an der Gemeinde- noch an der Landkreisgrenze

„Wir alle wissen, dass wir noch kein alltagstaugliches Radwegenetz haben“, sagte Verkehrsmanagerin Susanne Münster. „Wir können aber nur koordinieren, wenn die Initiative von außen kommt.“ Originär zuständig sei das Landratsamt nur für Radwege an Kreisstraßen, die anderen fallen in den Hoheitsbereich der Kommunen. Dennoch gebe es bereits ein Meldesystem auf der Homepage des Kreises, über das man potenzielle Gefahrenstellen melden könne. Der Kreis gibt die Meldungen an die Kommunen weiter. Mobilität ende schließlich weder an der Gemeinde- noch an der Landkreisgrenze, so Münster.

Daher will der Landkreis verstärkt eine Beraterfunktion einnehmen, freiwillig, um gemeindeübergreifend angedachte Lösungen zu finden. Denn das Thema habe „nicht erst im Zuge von Corona an Bedeutung gewonnen“, sagte Landrat Frey. Radverkehr und Radwege seien „ein wichtiger Baustein, um Mobilität zu diversifizieren“. Frey: „Mein Vorschlag wäre ein Radförderpakt.“ Dieser solle alle Beteiligten aus Gemeinden, Kreis und Wirtschaft an einen Tisch bringen und die Themen Infrastruktur, Kommunikation und Radwegesicherheit zu debattieren, „um zu ganz konkreten Projekten zu kommen“. Nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben gedacht. Dieser Radförderpakt könne voraussichtlich im Herbst das erste Mal zusammentreten, stellte Frey in Aussicht.

Erste Schritte in Richtung landkreisübergreifender Radwege gibt es bereits, unabhängig von dem durch die Unternehmen angestoßenen Runden Tisch. So trifft sich dieser Tage etwa Kraillings Bürgermeister Rudolph Haux mit den Bürgermeistern von Gilching, Gauting und Germering, um eine Machbarkeitsstudie zu einem gemeinsamen interkommunalen Radweg zu besprechen. Die Pläne stammen noch aus der Zeit seiner Vorgängerin. „Die Kommunen sind die, die es am Ende durchführen“, so Haux. Im Hinblick auf klamme Kassen sagte er: „Ich denke, das die Kommunen momentan mehr machen wollen, als sie können.“

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