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Ein solches Foto ist schnell gemacht - mit allen möglichen Folgen.

Jugendkriminalität

Verein Brücke legt Jahresbericht vor: Wenn das schnelle Foto zum Problem wird

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Der Verein Brücke Starnberg hat im vorigen Jahr 278 straffällig gewordene junge Menschen betreut. Als zunehmendes Problem sehen die Pädagogen den sorglosen Umgang mit freizügigen Fotos im Internet.

Landkreis – In der nüchternen Jahres-Statistik des Vereins Brücke Starnberg spielt das Delikt kaum eine Rolle: In lediglich 2 von 278 Fällen ging es im vergangenen Jahr um den „Eingriff in den höchstpersönlichen Lebensbereich“, worunter zum Beispiel das Versenden von Nacktfotos der (Ex)-Freundin gehört. Für Diplom-Sozialpädagogin Corinna Büge und ihre Kollegen wird der allzu sorglose Umgang mit freizügigen oder erniedrigenden Fotos dennoch zunehmend zum Problem. „Fotos sind heute schnell gemacht und über die sozialen Medien verschickt“, sagte sie gestern bei der Vorstellung des Jahresberichts des Vereins, der sich seit 37 Jahren um straffällig gewordene Jugendliche und Heranwachsende im Landkreis kümmert. „Und das sind nicht immer harmlose Fotos oder solche, die jemanden in Unterwäsche zeigen.“

Für Brücke-Vorsitzenden Gerd Weger ist es schlicht „ehrverletzend“, solche Bilder Dritten zu überlassen. „Das ist ein Missbrauch des Vertrauens.“ Vielen Jugendlichen sei es nicht ansatzweise bewusst, wie schnell sich Daten verbreiten können, sagte Corinna Büge. „Das ist erschreckend.“

Während dieses Problem relativ neu ist, macht ein altbekanntes den Sozialpädagogen weiterhin zu schaffen: der Drogenmissbrauch. 59 der von Amtsgericht oder Staatsanwaltschaft zugewiesenen jungen Leute waren deswegen straffällig geworden – „das ist aber nur die Spitze des Eisberges“, sagte Büge. Dabei geht es weniger um Heroin oder Kokain, sondern oft um Cannabis, was viele nach wie vor verharmlosten. „Cannabis-Konsum macht gleichgültig“, sagte die Pädagogin. Wer kifft, habe weniger Energie, sich um sein Leben zu kümmern. Die vermeintliche Coolness im Kreis Gleichaltriger wird so zur Zukunftsfalle. Das Bewusstsein dafür sei in manchen Kreisen aber überhaupt nicht vorhanden. Büge: „Kiffen verändert die Wahrnehmung.“ Und es könne auf Dauer zu Schizophrenie-Schüben, paranoiden Anfällen, Depressionen und Stimmungsabfällen führen.

Um den Betroffenen Wege aus diesem Teufelskreis zu zeigen, setzen die Sozialpädagogen der Brücke auf die Karte Zukunft. „Wenn ich Ziele im Leben habe, kann ich Energie aufwenden und mich anders entwickeln. Deswegen geht es in unseren Gesprächen fast immer um die Frage, wo es im Leben hingehen soll.“ Es scheint zu fruchten. Lediglich ein Drittel der 278 zugewiesenen jungen Leute waren Wiederholungstäter. „Die meisten stehen also zu dem Mist, den sie gebaut haben, und kommen nie mehr wieder“, sagte Weger. Vor dem Hintergrund nannte er politische Überlegungen, das Jugendstrafrecht zu verschärfen, „außerordentlich betrüblich“. Weger: „Auch mit 21 Jahren sollte der erzieherische Aspekt noch im Vordergrund stehen.“

Apropos Erziehung: Eltern können vieles falsch – aber auch vieles richtig machen. Büge: „Sie sollten hinschauen und auf die eigenen Emotionen und den gesunden Menschenverstand achten. Mit wem treffen sich meine Kinder? Wie kommunizieren sie untereinander?“ Und sie sollten Zeit füreinander haben.

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