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Digitales Auge zwischen Kastanien: Derzeit wird der Verkehr auf der B 2 in Starnberg mit Kameras gezählt.

Verkehrszählung per Kamera

Starnberger Stau-TV

Starnberg - In Starnberg wird seit Ende der Woche der Verkehr mit Kameras überwacht. Hintergrund ist jedoch nicht die Sicherheitslage, sondern die Barrierefreiheit.

 Sie stehen am Ende der Autobahn von München, am Tutzinger-Hof-Platz und an anderen Stellen in Starnberg: Kleine Kameras auf langen Ständern. Nachdem die digitalen Augen nicht versteckt wurden, war den meisten schnell klar, dass es nicht um Überwachung geht. Die Kameras dienen der grünen Welle und Barrierefreiheit. Wie das?

Das Staatliche Bauamt Weilheim hat die Kameras aufstellen lassen, seit Donnerstag stehen sie. „Wir versuchen, den Verkehr zu erfassen“, erklärt Behördenleiter Michael Kordon auf Anfrage. So einfach ist das nämlich nicht in Starnberg. Damit nicht händisch an den Kreuzungen gezählt werden muss, werden B 2-Abschnitte gefilmt. Danach wertet ein Fachbüro die Aufnahmen aus. Die Zielstellung ist klar: Der Verkehrsfluss soll durch eine Optimierung der grünen Welle verbessert, zeitgleich sollen die Ampeln barrierefrei gemacht werden. Darauf hatten sich Bauamt, Stadt und Landkreis verständigt – und es für sich behalten.

Das kritisierte am Freitag die Starnberger Stadträtin Angelika Kammerl massiv, und auch andere Stadträte wunderten sich über die Kameras. Nach ihrem Wissen befasse sich auch ein Büro im Auftrag der Stadt mit denselben Fragen, weswegen Angelika Kammerl Aufklärung über die Hintergründe forderte. Zudem, merkte sie an, wäre es hilfreich gewesen, die Aktion vorher öffentlich anzukündigen.

Stadtverwaltung genauso überrascht wie Bürger

Warum das nicht passiert ist, weiß die Stadt nicht. Bürgermeisterin Eva John erklärte, der für die Kamera-Aufstellung nötige Antrag sei an mehreren Stellen vermutlich wegen der Urlaubszeit verzögert bearbeitet worden – deswegen sei die Stadt von den Kameras genauso überrascht worden wie alle anderen. Zwei Büros seien in der Tat tätig, allerdings gebe es keine Doppelarbeit.

Kordons Ziel sind „leichte Verbesserungen“, da seit Jahren laufend an der grünen Welle auf der B 2 in Starnberg gebastelt wird, um durch die Abstimmung der Ampelphasen aufeinander einen möglichst großen Durchsatz auf der Ortsdurchfahrt hinzubekommen – und damit die Staus zu reduzieren. Mit einer nachhaltigen Lösung des Verkehrs – Tunnel oder Umfahrung – ist so bald nicht zu rechnen. Die grüne Welle ist von der von der Stadt angestrebten Barrierefreiheit an den Fußgängerampeln direkt betroffen, da die Ampeln teils umgebaut werden müssen. Es gehe letztlich auch um die Frage, an welcher Ampel man Detektoren anbauen könne oder müsse, wo in der B 2 Schleifen verlegt oder Steuersysteme ausgetauscht werden müssten, sagt Kordon. „Das wird dann eine größere Aktion“, meint er.

Gemessen wird mehrere Tage lang – und vielleicht später noch einmal. Denn: Die Rheinlandstraße, auf der bisher und normalerweise mehr als 4000 Fahrzeuge pro Tag von der Münchner Straße abbiegen, ist seit wenigen Tagen gesperrt. Kordon geht davon aus, dass das Planungsbüro das bedacht und in einem Rechenmodell berücksichtigen wird, will dem aber nachgehen. Ergebnisse der Prüfungen erwartet er Ende des Jahres. Dann sollten auch andere Verkehrszahlen vorliegen, denn 2015 wurde amtlich und landesweit gezählt. Zu sehen bekommt die Aufnahmen übrigens niemand außer den Fachleuten. ike

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