Sieht Probleme auf viele Hundebesitzer zukommen: Hundetrainerin Daniela Hölch aus Starnberg.
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Sieht Probleme auf viele Hundebesitzer zukommen: Hundetrainerin Daniela Hölch aus Starnberg.

Hundetrainer machen sich Sorgen

Seit Corona: Viele Hunde im Landkreis, aber mit wenig Erziehung

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Corona ist die Zeit der beschränkten sozialen Kontakte. Nicht selten war ein Hund für Menschen die Lösung. Problem: Deren Erziehung kam aufgrund geschlossener Hundeschulen häufig zu kurz – was nun vor allem die Betreiber der Schulen sowie das Tierheim sorgenvoll in die Zukunft blicken lässt.

Landkreis – Knapp 13 Jahre lang ist Daniela Hölch mittlerweile als Hundetrainerin im Landkreis aktiv. Die Starnbergerin betreibt eine eigene Hundeschule („Animal Concept“) und ist im hiesigen Tierheim für die Erziehung der herrenlosen Hunde zuständig. Da geht die Arbeit für gewöhnlich nicht aus. So gefragt wie derzeit waren Hölchs Dienste allerdings noch nie. „Heute bin ich den 21. Tag am Stück im Einsatz“, sagte sie gestern im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. Seit die sinkenden Inzidenzwerte Unterricht mit Hunden und deren Besitzern wieder erlauben, hagelt es Anfragen. Hölch sagt: „Da hat sich einiges an Bedarf angestaut.“

Die Gründe dafür sind schnell gefunden. Seitdem die Coronakrise die Kontakte auf ein Minimum beschränkt hatte, sahen viele Menschen eine Lösung darin, sich einen Hund anzuschaffen – besser, als allein zu Hause zu sitzen. Da jedoch die Hundeschulen aufgrund des Lockdowns bis zuletzt kaum geöffnet hatten, waren auch diejenigen mit der Erziehung ihres Hundes auf sich allein gestellt, die zuvor noch nie einen Hund besessen hatten. „Und davon sind viele ganz schnell gnadenlos überfordert gewesen“, weiß Daniela Hölch.

Hundetrainer müssen nachholen, was auf der Strecke geblieben ist

Für die Hundetrainerin und ihre Kollegen im Landkreis heißt es nun also möglichst vieles von dem nachzuholen, was in den vergangenen Monaten auf der Strecke geblieben ist. „Einfach ist das aber nicht“, stellt Sabine Linde von der Schule „Luckydoggy“ in Aschering klar. Die ersten 16 Monate im Leben eines Hundes seien entscheidend hinsichtlich der späteren Entwicklung. „Da muss intensiv und kontinuierlich gearbeitet werden – und kann so vieles falsch gemacht werden.“ So hätten viele Welpen coronabedingt nie gelernt, sich beispielsweise beim Zugfahren, in Restaurants oder einfach beim Schlendern durch die Fußgängerzone an größere Aufläufe von Menschen oder andere Hunde zu gewöhnen. Linde befürchtet, dass dies in Zukunft zu unschönen Situationen führen könnte. „Das sind dann die Hunde, die im Park fremde Menschen anbellen oder sogar anspringen – und das will wirklich niemand.“

Uta Gross teilt diese Sorgen. Zwar geht sie davon aus, dass viele Neu-Hundebesitzer mit Hilfe von Büchern oder Online-Trainings versucht haben, ihre Hunde bestmöglich zu erziehen. Doch sieht sie in derlei Bemühungen keine Ideallösung. „Das ist zwar alles ganz nett, was man da liest und hört. Aber die Realität sieht dann eben oft doch ganz anders aus“, sagt die Betreiberin einer Hundeschule in Andechs. Nur mit Übungen in der direkten Praxis könne man lernen, die Körpersprache seines Hundes zu lesen. „Wann muss ich wie reagieren, wann kann ich locker bleiben, wann sollte ich Grenzen setzen“ – darum gehe es beim richtigen Umgang mit seinem Hund und dessen Umgebung.

Tierheim: Sorge, dass viele Hunde zurückkommen

Dass genau dies während der Coronazeit wahrlich nicht überall funktioniert hat, erlebt Daniela Hölch vor allem bei ihrer Arbeit im Tierheim. Erst letztens habe ein Mann seinen Hund verzweifelt zurückgegeben, da dieser ständig aggressiv sei und sogar schon innerhalb der Familie zugebissen habe. „Da macht es keinen Sinn, den Hund in der Familie zu lassen“, sagt sie. „Da ist schon zu viel Vertrauen verloren gegangen.“ Die Starnbergerin geht davon aus, dass sich solche Fälle demnächst häufen. Viele Menschen hätten sich Hunde über Tierschutzorganisationen aus dem Ausland organisiert und könnten diese bei zu erwartenden Problemen nicht mehr zurückgeben. „Die landen dann zwangsläufig alle bei uns im Tierheim.“

Ein großes Problem seien zudem diejenigen Hundebesitzer, die sich ihren neuen besten Freund hauptsächlich aus coronabedingter Langeweile ins Haus geholt hatten. „Da wird es spannend, zu sehen, ob der Hund auch noch interessant ist, wenn das Homeoffice vorbei ist und man wieder in den Urlaub fahren kann“, sagt Hölch. „Ich hoffe, die Menschen stehen zu ihren Tieren und ihrer Verantwortung.“

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