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Vogelschutz: Neue Sportarten, alte Probleme

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Von: Andrea Gräpel

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Ein Bild mit Symbolcharakter: Ein Stand-up-Paddler auf dem Starnberger See, und die Vögel flüchten. Vor allem Freizeitsportler wissen oft nicht, dass sie Starnberger und Ammersee im Winter meiden sollten.
Ein Bild mit Symbolcharakter: Ein Stand-up-Paddler auf dem Starnberger See, und die Vögel flüchten. Vor allem Freizeitsportler wissen oft nicht, dass sie Starnberger und Ammersee im Winter meiden sollten. © Christian Haass

Jeweils bis zu rund 20 000 Wasservögel versammeln sich in den Wintermonaten auf dem Starnberger und Ammersee. Der milde Winter und viel Wind lockt aber auch viele Wassersportler an. Eine Vereinbarung, den Seen im Winter möglichst fern zu bleiben, kennen die meisten nicht. Ein Problem.

Landkreis – Claudius Birke kann von seinem Schreibtisch in der Geschäftsstelle Kreisgruppe Starnberg im Landesbund für Vogelschutz in der Alten Brauerei in Stegen direkt auf den See schauen. Es ist Januar, aber es ist mit sechs Grad Außentemperatur mild, vor allem weht ein kräftiger Wind, und auf dem See ziehen am nördlichen Ammersee Kitesurfer mit ihren bunten Schirmen ihre Bahnen. Die nördliche Bucht des Ammersee ist eigentlich Ruhezone von November bis April. genauso wie das südliche Ende und die Herrschinger Bucht. „Die meisten wissen gar nicht, dass sie sich im Schutzgebiet befinden“, hat der neue Kreisgeschäftsführer festgestellt. Die Gebietsbetreuer dort, Markus Meßner und Christian Niederbichler, würden das gerne ändern. Das Problem besteht nämlich seit Jahren.

Anders als am Ammersee sind am Starnberger See Ruhezonen bereits explizit ausgewiesen. Auch dort am südlichen und nördlichen Ende, genauso vor Ammerland und Feldafing. Mit Flyern kann Gebietsbetreuerin Dr. Andrea Gehrold mittlerweile freundlich darauf hinweisen. „Am Ammersee liegt der Ball noch bei den Behörden“, sagt Birke. Aber auch dort soll es bald ganz offiziell Winterruhezonen geben.

Beide Seen sind Ramsar- und Natura-2000-Vogelschutzgebiete. Wegen ihrer großzügigen Flachwasserbereiche stellen sie ideale Rückzugsorte für überwinternde Wasservögel dar, die dort Muscheln und anderes Getier leicht aufpicken können. Bei kalten Temperaturen vermeiden die weit gereisten Vögel Bewegung, um Energiereserven für den Rückflug in die Brutgebiete zu sparen. Jede Störung kann für sie verheerend sein. „Mit den organisierten Wassersportler, wie Ruderer und Segler, klappt die Vereinbarung, von November bis April nicht auf den See zu gehen, schon ganz gut“, sagt Birke. Das größte Problem seien die übrigen Wassersportler, die mit kleinem Materialaufwand schnell an den See fahren können, um zu surfen. Erst waren es nur Surfer, Kanus oder Kajaks. Dann gesellte sich das Kitesurfen dazu und das Stand-up-Paddeln. Nun kommen die Foilsurfer mit ihren Wings (Flügeln) noch dazu, die auch bei Leichtwind schon Spaß haben.

„Die wissen gar nicht, was dies für besondere Gewässer sind“, sagt Birke. Erst vor Kurzem sei er in seiner Mittagspause unten am See gewesen und hätte einen Kitesurfer angesprochen. Zur Antwort habe er bekommen, dass dieser schon Jahrzehnte vor Stegen surfe. Ein Einheimischer. Auf die Problematik mit den Winterwasservögeln hingewiesen, habe er Verständnis gezeigt, habe es sogar befürwortet, ein offizielles Verbot auszusprechen, weil es in den vergangenen Jahren auch ihm zu viele Wassersportler geworden seien – um am Ende aber doch ungerührt aufs Wasser zu gehen. „Wir wollen ja gar kein Verbot“, sagt Birke. Rücksichtnahme wäre nicht schlecht, denn das Voralpenland böte durchaus Alternativen, Seen, die kaum Flachwasserbereiche haben und für die Vogelwelt nicht so wichtig sind wie Starnberger, Ammer- und auch Chiemsee.

Der enorme Freizeitdruck sei durch Corona in allen Schutzgebieten spürbar größer geworden, sagt Markus Meßner. Er ist seit eineinhalb Jahren einer von drei Gebietsbetreuern am Ammersee. Er hofft, dass auch am Ammersee bald offiziell Winterruhezonen ausgewiesen werden, damit Schilder aufgestellt und Informations-Blätter mit den ausgewiesenen Flächen gedruckt werden könne, die die Wassersportler idealer Weise sensibilisieren. Als Wasservogelzähler kann er den Konflikt hautnah beobachten, „da kriegt man das extrem mit“. Die milden Winter tragen ihr Übriges dazu bei. Denn für viele wie den einheimischen Kitesurfer in Stegen wäre vielleicht auch Skifahren eine Alternative, wenn es denn in der Nähe möglich wäre.

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