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Sascha Karschner aus Percha: Vom Elektroingenieur zum Porträtkünstler

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Maler aus Leidenschaft: Sascha Karschner aus Percha hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er arbeitet mittlerweile als freischaffender Porträtkünstler.
Maler aus Leidenschaft: Sascha Karschner aus Percha hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Er arbeitet mittlerweile als freischaffender Porträtkünstler. © andrea jaksch

Einst arbeitete Sascha Karschner als Ingenieur für Elektrotechnik. Mittlerweile verdient der 42-Jährige aus Percha sein Geld als Porträtmaler. Bei seinem jüngsten Projekt bringt er jedoch den Starnberger See auf die Leinwand.

Percha – Wer in letzter Zeit am Seeufer in Percha unterwegs war, dem könnte ein Landschaftsmaler mit Staffelei und Pinsel ins Auge gestochen sein. Die Rede ist von Porträtmaler Sascha Karschner, der einen Zeitungstrolli zum mobilen Malstudio umgebaut hat. Für gewöhnlich malt er Porträts von Menschen in seiner Wohnung in Percha oder gibt sein Wissen in der Volkshochschule München weiter. Aufgrund der Corona-Pandemie ist das alles jedoch gerade nicht möglich. Also hat sich der 42-Jährige etwas anderes einfallen lassen: Er malt Gemälde vom Starnberger See in Percha und Kempfenhausen. „Ich möchte dort eine Serie von den vier Jahreszeiten erschaffen“, sagt der gelernte Ingenieur für Elektrotechnik.

Angefangen mit der Malerei hat Karschner vor elf Jahren. Obwohl er sich davor nie wirklich dafür interessiert hatte, machte er vor zwei Jahren sein Hobby zum Beruf. „In der Zeit vor meiner Selbstständigkeit habe ich oft 30 Stunden pro Woche gemalt – trotz eines Vollzeitberufes“, sagt er. Karschner ist der festen Überzeugung, dass jeder das Malen lernen kann. Sofern er es nur wirklich will und entsprechend Zeit zum Üben hat.

Der 42-Jährige malt rund 1000 Porträts pro Jahr, um sich zu verbessern

Vor Beginn der Coronakrise bekam der Porträtmaler im Schnitt einen Auftrag pro Monat. Die Menschen, die er malt, dürfen sich währenddessen bis zu sechs Stunden lang nicht bewegen. Seine Modelle sind zum Großteil männlich oder Kinder ab fünf Jahren. Für das Ganzkörper-Portrait eines kleinen Jungen war Karschner etwa ein halbes Jahr beschäftigt. „Er konnte einfach nicht länger als eine Stunde am Stück still sitzen“, sagt der Maler. Um sich stetig zu verbessern, malt der 42-Jährige rund 100 Porträts im Jahr und bezahlt dafür Modelle, wie Studenten oder auch Tanja Wilking, Deutschlands einziges professionelles Porträtmodell.

Karschners Porträts kosten je nach Größe und Aufwand rund 1000 Euro. Oft ist die Person nur mit Kopf und Schulter zu sehen. Das Porträt wird teurer, wenn die Hände abgebildet sind, denn diese sind schwieriger zu malen als das Gesicht. „Das Geld, welches ich über die Aufträge einnehme, gebe ich wieder für die Malerei und meine eigenen Modelle aus“, sagt der Künstler. Einige seiner Werke sind in der Thoma Galerie in Starnberg zu bewundern. Zu seinen schönsten Momenten als Künstler zählt er folgendes Erlebnis: „Es hat mich besonders berührt, als die Mutter eines Modells in Tränen ausgebrochen ist, weil sie so gerührt war von dem Gemälde.“

Karschner malt nie von Fotos ab

Karschner hebt sich auch dadurch von vielen anderen Porträtmalern ab, weil er nicht von Fotos abzeichnet. Er arbeitet ausschließlich mit lebendigen Modellen oder ist bei einem Landschaftsgemälde vor Ort. „Bei der Abzeichnung eines Fotos wird das Ergebnis nicht so lebendig“, stellt er klar. „Die Mimik kann nicht so gut eingefangen werden.“ Im Vergleich zur Landschaftsmalerei ist bei Porträts die Präzision und der Perfektionismus deutlich wichtiger. Stimmung, Witterung und besonders Lichtveränderungen erschweren hingegen das Malen von Landschaftsgemälden. Karschners Tipp für alle, die selbst einmal Porträts malen wollen: „Es ist sehr wichtig sich bei Misserfolgen nicht unterkriegen zu lassen. Als Anfänger sollte man Kursen oder Malgruppen beitreten, um gemeinsam Modelle abzumalen. Auch Anleitungen auf YouTube anzuschauen, hilft. Ich habe mir zudem fast mein komplettes Wissen über Bücher angeeignet.“

Text: Stefanie Pfleger

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