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Unterm Dach liegt das Büro von Christina Haas und Alina Schuster bei Alpetours in Starnberg. Foto: Set
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Mittags, wenn alle Grills laufen, hat Chekh Nabo 53 Grad in seinem Hendl-Wagen.
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160 Grad heiß ist der Bitumen, den Bauarbeiter Ceyhun Yesil hier auf der ST 2069 bei Gilching anbringt
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Freundlich trotz Hitze: Christina Küchler vom Klostergasthof in Andechs liegt das Wohl ihrer Gäste am Herzen. Deswegen kommen die kühlen Getränke schnell auf den Tisch

Vom Hendlbrater bis zur Biergarten-Bedienung

Wir haben die heißesten Jobs im Landkreis

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Ob Hendlbrater, Straßenbauer, Biergarten-Bedienung oder Büroarbeiter – die Hitze macht derzeit uns allen zu schaffen. Wir stellen die heißesten Jobs im Landkreis vor.

Landkreis – Pünktlich zum Ferienbeginn kam die Hitze. Die ganze Woche über kratzte das Thermometer an der 30-Grad-Marke, am Dienstag wurden im Landkreis Starnberg sogar Werte weit jenseits der 35 Grad gemessen. Doch nicht jeder kann einfach das Handtuch und die Sonnencreme einpacken und in einen unserer wunderschönen Seen springen. Viele müssen auch in den Ferien arbeiten. Doch während fast alle fluchen und schwitzen, gibt es doch immer noch ein paar Menschen, denen die Hitze noch schwerer zu schaffen macht.

Zum Beispiel auf den Baustellen im Landkreis. Hier arbeiten Dachdecker, die in der prallen Sonne schuften, die Mauerer, die schwere Lasten schleppen, während die Temperaturen auf Saunaniveau steigen. Am schlimmsten sind aber wahrscheinlich die Straßenarbeiter dran. Es gibt einen bestimmten Einsatz, der selbst bei hart gesottenen Straßenarbeitern unbeliebt ist. Wenn der Himmel wolkenlos ist, die Sonne bei Windstille herunterknallt und die Erschließung von Neubauten ansteht.

Straßenarbeiter müssen es bis zu 14 Stunden lang aushalten

Dann stehen die Straßenarbeiter auf 160 Grad heißem frischem Asphalt an, während es in der Luft – neben der heißen Asphalt-Maschine – bis zu 60 Grad hat. „Vor drei Jahren hatten wir das mal“, erzählt Straßenbaumeister Thomas Karafiat, 40. „Es hatte 41 Grad, das war ein prägendes Erlebnis.“ Drei Arbeiter mussten wegen Kreislaufproblemen abbrechen.

Jetzt steht Karafiat mit Sonnenbrille, Mütze, Weste und offenem Hemd auf der Staatsstraße 2069 bei Gilching. Er und seine Kollegen erneuern die Mittelnaht auf 1,20 Meter Breite und 500 Meter Länge. Trotz 31 Grad Außentemperatur ein relativ einfacher Job für die Straßenarbeiter. „Ab und zu erholen wir uns in Standpausen, gehen in den Schatten und trinken“, erklärt Karafiat. Fünf Liter pro Tag kommen schnell zusammen. „Man merkt es nicht, das schwitzt man alles wieder raus.“ Zu heiß könne es für den Job nicht sein: „Wenn der Asphalt da ist, muss er eingebaut werden. Hitzefrei wie in der Schule gibt es nicht.“

Nach 23 Jahren habe er sich daran aber längst gewöhnt, sagt Karafiat. „Im Juni, Juli und August ist es von der körperlichen Belastung am schwierigsten.“ Ausgerechnet in diesen Monaten gibt es die meisten Aufträge. „Wegen der Schönwetter-Garantie.“ Dann müssen es die Straßenarbeiter im Extremfall bis zu 14 Stunden lang in der Hitze aushalten.

Im Biergarten: „Man vergisst die Hitze“

Mit Hitze kennt sich auch Chekh Nabo aus. Als wir ihn treffen, hat der gerade Schatten unter dem Sonnenschirm vor dem „Pizza Drive“ gesucht. Der 41-jährige Starnberger betreibt gleich nebenan bei der so genannten Museums-Unterführung an der Bahnhofstraße eine Hendl- und Haxn-Braterei. Immer donnerstags steht er mit seinem mobilen Bratofen in Starnberg. So wie sein Vorgänger, von dem er vor eineinhalb Jahren den Wagen übernommen hat. An den anderen Tagen verkauft Nabo seine Hendl, Haxn Spareribs, Pommes Frites, Krautsalat und Brezen in Gilching. Auf Anfrage hat der Starnberger auch Enten im Angebot.

Das Mittagsgeschäft ist gerde vorbei. Bei Außentemperaturen um die 30 Grad Celsius hat Nabo gut Lachen. In seiner Braterei sind die Brenner heruntergefahren. Die Temperaturanzeige drinnen ist auf 37,7 Grad gefallen. „Wenn im Mittagsgeschäft die Grills voll aufgedreht sind, klettert das Thermometer auf 52 bis 53 Grad.“ Und das ist unabhängig davon, wie kalt oder heiß es draußen ist. Im Sommer freut sich Nabo sogar auf Hitzegrade: „Dann habe ich es von hinten wie von vorn fast gleich warm.“ Im Winter sei es bei Frost unangenehmer: „50 Grad im Rücken und ein kalter, beißender Luftzug von vorn, das macht keinen Spaß.“

Wer bei der Hitze nicht ins Wasser kann, der träumt von einem schattigen Plätzchen in einem der zahllosen Biergärten der Region. Und einer schönen, eiskalten Mass. Doch auch die wandert nicht von Geisterhand auf den Tisch. Sondern es sind die zahllosen Bedienungen, die schwer schleppen müssen, um alle zu versorgen. Christina Küchler kann ein Lied davon singen. Die 28-Jährige ist stellvertretende Geschäftsleiterin im Klostergasthof in Andechs, zu dem auch ein weitläufiger Biergarten gehört. „Wenn hier voll ist, dann bin ich auch im Service“, sagt Küchler. Und ist voll Profi: „Sobald man zu tun hat und die Gäste versorgt werden müssen, vergisst man die Hitze.“ 

Im Büro von Haas und Schuster hat es bis zu 30 Grad

Zum Glück stehen große Bäume im Biergarten und sorgen für ein bisschen Schatten, auf dem Heiligen Berg weht zudem meistens ein laues Lüftchen. Aber die Masskrüge sind und bleiben schwer, die Wege zwischen Ausschank und Tisch weit. „Keine Ahnung, wie viele Kilometer wir an einem so heißen Tag mit vielen Gästen laufen. Das haben wir nie gemessen. Aber es werden garantiert einige sein“, meint Christina Küchler und lacht. Geheimtipps, wie man die Hitze besser übersteht, hat sie nicht. Aber einen Indikator dafür, dass wir eine Hitzewelle haben, hat sie dann doch: „Normalerweise habe ich nie Durst. Aber an solchen Tagen trinke ich dann doch auch Wasser. Nur nichts mit Zucker, das macht alles nur noch schlimmer.“ Sie lacht und eilt davon. Die Gäste warten auf ihre kalten Getränke.

Gegen eine Abkühlung haben auch Christina Haas und Alina Schuster nichts einzuwenden. Sie arbeiten bei Alpetours in Starnberg im Büro direkt unterm Dach. Alle Jalousien sind heruntergelassen, der Ventilator verquirlt verzweifelt die heiße Luft und doch kratzt das Thermometer an der 30-Grad-Marke.

Am Dienstag gab es auf der Arbeit hitzefrei

„Wir verkaufen deutschlandweit Klassenreisen. Da können wir uns besser einfühlen, wenn wir Fahrten ins heiße Italien beschreiben“, witzelt Christina Haas. Sie hatte sich auf den Aufruf des Starnberger Merkur gemeldet, als das heißeste Büro des Landkreises gesucht wurde. Zur Belohnung gab es für sie und ihre Kolleginnen ein kleines Eis. „Wir haben einen tollen Arbeitgeber, der viel Rücksicht nimmt“, berichtet Haas, die bei dem Unternehmen als Senior Sales Manager beschäftigt ist. 

Die Firma spendiere schon mal ein Eis, am Dienstag gab es ab 15 Uhr hitzefrei für die Mitarbeiter. Und wer wolle, der könne auch von zu Hause aus arbeiten, wenn es da kühler ist. „Das beste aber ist, dass wir in fünf Minuten zum See gelaufen sind“, verraten die beiden hitzegeplagten Büronachbarinnen. Und so wird an derart heißen Tagen die Mittags- einfach in eine Badepause umgewandelt und erfrischt geht es zurück an den heißen Schreibtisch.

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