Seit Freitag kostenpflichtig: die Parkplätze am Starnberger Bahnhof See.

Verkehr

Von „Frechheit“ bis „sehr gut“: Lob und Tadel für neue Parkgebühren an Starnbergs Bahnhöfen

An Starnbergs Bahnhöfen muss seit Freitag gezahlt werden. Das kommt teilweise gut, teilweise nicht so gut an. 

Starnberg – 31 Autos parken am Freitag gegen 8.30 Uhr auf dem P+R-Parkplatz am Bahnhof See – bei nur sechs davon liegt ein Parkschein hinter der Windschutzscheibe. Und das, obwohl seit Freitag Parkgebühren anfallen.

Anfang Juli hatte der Stadtrat beschlossen, Gebühren an den beiden bisher kostenfreien Bahnhöfen zu erheben. Seit einigen Tagen weisen Schilder an den Parkplätzen auf die neue Situation hin. Am Bahnhof See zahlen Autofahrer 1,50 Euro für vier Stunden Parkdauer. Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs kostet der Parkplatz einen Euro für den ganzen Tag. Auf Anforderung müssen sie jedoch ihre Fahrscheine vorzeigen. Am Bahnhof Nord kostet der Stellplatz 50 Cent am Tag. Die Meinungen zu den Gebühren sind äußerst unterschiedlich.

„Ich finde es eine Frechheit“, sagt Patrick R. (36), als ihn der Starnberger Merkur auf die neue Situation am Bahnhof See anspricht. Er betreut Hotels und ist mehrmals die Woche auf den Parkplatz angewiesen. „Blöd ist vor allem, dass ich mein Ticket alle vier Stunden verlängern muss“, sagt er. Auch Rentnerin Christel Ploske aus Starnberg ist empört. „Ich finde es eine Unverschämtheit, bei den letzten beiden kostenfreien Parkplätzen in Starnberg jetzt auch noch Geld zu verlangen“, sagt sie. Obwohl sie selbst nur zu Fuß in Starnberg unterwegs ist, stören sie die neuen Gebühren. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Tagesbesucher ausbleiben werden.“

Marion Stock findet es „okay“, dass Gebühren erhoben werden. Allerdings kritisiert sie, dass die Bezahlfunktion per Handy noch nicht funktioniert.

Genau darin sieht Monika Hertl (52) aus Pöcking etwas Positives. „Ich wusste noch gar nicht, dass man jetzt hier auch zahlen muss, und war überrascht, als ich die Schilder gesehen habe“, sagt die Bankkauffrau. „Aber ich finde es sehr gut.“ Sie nutzt den Parkplatz regelmäßig, wenn sie mit der Bahn nach München fährt und hofft, vor allem im Sommer jetzt leichter einen Parkplatz zu bekommen. Genau wie Christel Ploske geht nämlich auch sie davon aus, dass weniger Besucher den kostenpflichtigen Parkplatz nutzen werden. „Die Preise sind okay, und mir tut es nicht weh, ab und zu einen Euro zu bezahlen, wenn ich dafür leichter einen Platz bekomme“, sagt Monika Hertl. Einen Kritikpunkt hat sie dennoch: „Der Automat wechselt nicht. Da muss man das Kleingeld immer passend haben.“

Marion Stock (59) aus Starnberg kann sich Hertl nur anschließen: „Ich finde es schon okay, dass man jetzt hier zahlen muss. Nur um die Pendler tut es mir leid“, sagt sie. Diese müssten jeden Tag ein Ticket lösen, denn ein Monatsparkticket gebe es nicht, kritisiert sie. Und noch etwas bemängeln die Nutzer des Parkplatzes: An den beiden S-Bahnhöfen gibt es nicht die Möglichkeit, über eine App direkt mit dem Handy ein Parkticket zu lösen. „Dabei ist das so praktisch“, schwärmt Sabine L. „Ich kann ganz einfach über mein Handy einen Parkschein lösen und diesen von überall aus verlängern. Und ich verschwende auch keine Zeit am Automaten, wenn ich es eilig habe zur S-Bahn.“

Christel Ploske hält von der neuen Regelung gar nichts. Jetzt bleiben Tagesbesucher aus, fürchtet sie.

Seit einigen Jahren schon wird dieser Service in der Innenstadt angeboten und auch angenommen. Aber lange muss Sabine L. nicht mehr warten, denn die Stadt kümmert sich bereits darum. „Die Einrichtung von ,pay by phone’ an den Bahnhofsparkplätzen ist schon beauftragt“, sagt Rathaussprecherin Sarah Buckel auf Anfrage. „Wir gehen davon aus, dass dieser Service ab Januar auch an den Bahnhöfen genutzt werden kann.“

Ob und wann dort kontrolliert wird, konnte Buckel am Freitag nicht sagen. Für die Parkraumüberwachung ist in Starnberg bekanntlich das Kommunale Dienstleistungszentrum Oberland mit Sitz in Bad Tölz zuständig. Dort werde auch über den Personaleinsatz entschieden, sagt Buckel. Bei Änderungen von Parkregelungen sei es jedoch üblich, dass die Stadt eine gewisse Schonfrist gewähre, in der Halter von Fahrzeugen ohne gültigen Parkschein nicht verwarnt, sondern lediglich mittels einer „gelben Karte“ auf die neue Regelung hingewiesen würden. „Diese Übergangsphase beträgt ungefähr zwei Wochen“, sagt Buckel. „Danach richtet sich das Verwarngeld nach der Straßenverkehrsordnung.“

Vanessa Lange

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