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Kunstwerke zum Thema Geheimnis und vieles mehr: Iona Klepser, Leonie Tritscher, Livia Strauss, Fiona Baier und Janina Thies (v.l.) diskutieren über Werke ihrer Mitschüler, die in der Schlossberghalle ausgestellt waren. 

Ambitioniertes Projekt

Von lokaler NS-Geschichte bis Rosa Parks: Starnberger Gymnasiasten auf der großen Bühne

Das Thema Diskriminierung beschäftigt die Starnberger Gymnasiasten. Davon zeugt ein ambitioniertes Projekt der Neuntklässler. Ihre Podcasts, Kurzfilme und Kunstwerke präsentierten sie nun auf der großen Bühne.

Starnberg – Rosa Parks’ „No“, die voranschreitende Digitalisierung und der Anschlag in Halle vergangenen Oktober – alles Themen, die der neunte Jahrgang des Gymnasiums Starnberg gestern im Rahmen des Schulentwicklungsprojekts „Leben im 21. Jahrhundert – unsere Vergangenheit, unsere Zukunft“ vorstellte. Zum dritten Mal durften die Gymnasiasten in der Schlossberghalle ihre Themen vor rund 100 Mitschülern präsentieren. Das Besondere: Die Präsentationsform wurde ihnen freigestellt, dabei heraus kam ein großes Angebot an Podcasts, Kurzfilmen, Kunstwerken, Poetry-Slam-Texten und Vorträgen.

Viele Schüler treibt das Thema Diskriminierung um: Mehrere arbeiteten historische Fälle auf, um aus ihnen Schlüsse für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Vier Schüler präsentierten ihr Vorhaben, einen Podcast über Franz Xaver Buchner zu produzieren. Während des Dritten Reichs war Buchner einer der prominentesten NSDAP-Vertreter in Starnberg. „Es ist wichtig, auch die lokale Geschichte aufzuarbeiten, um sie mit der Zukunft zu verknüpfen“, erklärte eine Rednerin die Idee.

Podcasts, Kurzfilme, Kunstwerke und Poetry-Slam-Texten

Der Deutsch- und Geschichtslehrer Thomas Maier-Bandomer hatte die Veranstaltung 2018 mit 14 Kollegen initiiert, um Schüler besser zum Lernen zu motivieren. In den vergangenen zwei bis vier Wochen bekamen sie für ihre Projekte Unterrichtszeit zur Verfügung gestellt. „Unsere Schüler sollten die Möglichkeit bekommen, Fachwissen mit Medienkompetenz zu verbinden und es mit einem Auftritt zu präsentieren“, sagte der 57-Jährige. Seit 16 Jahren lehrt er am Gymnasium und trifft mit seinem Projekt den Nerv der Zeit: „Gerade im medialen Bereich können die Schüler uns Lehrern zeigen, was sie alles können.“

Die Schüler sehen das ähnlich: Melissa, Madita und Julia produzierten im Fach Englisch einen Podcast zum Civil Rights Movement in den USA. „Die Art zu arbeiten war viel entspannter, wir hatten mehr Zeit, um Informationen zu suchen und das Vorgehen zu planen, als zum Beispiel beim Lernen auf Klausuren“, erzählten die Schülerinnen.

Die Forderungen: Mehr Kunstunterricht und das Schwimmen abschaffen

Auch auf der Bühne war die Motivation zu spüren, denn die Schüler durften eigene Manifeste vortragen: Mit viel Humor, rhetorischer Begabung und unter Applaus forderten sie mehr Kunstunterricht, freie Bahnfahrten für Schüler und die Abschaffung des Schwimmunterrichts. Sie analysierten die Bevölkerungsentwicklung der kommenden 80 Jahre, rügten klimaschädliches Verhalten und setzten ein Zeichen gegen Ausgrenzung.

„Wir wollten mit dem Projekt den Schulalltag verlassen“, sagte Organisator Maier-Bandomer. Ziel sei es gewesen, die Schüler für einen Auftritt in ungewohnter Umgebung zu motivieren. Danach gefragt, lächelte Melissa. Sie habe schon ermutigt werden müssen. Sie hatte zusätzlich zum Podcast auch einen eigenen Poetry-Slam-Text vorgelesen. „Hinterher ist man froh, dass man dabei war“, sagte die 15-Jährige. „Ich fand es auch richtig cool, die interessanten und lustigen Sachen meiner Mitschüler sehen zu dürfen.“ Den Schülern kommender Jahrgänge würde sie die Teilnahme am Projekt – samt Auftritt – auf jeden Fall empfehlen.

Alice Beckmann-Petey

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