Senioren bieten ihre Hilfe an: Karin Martin und Jürgen Schaffarczik würden gerne helfen.
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Senioren bieten ihre Hilfe an: Karin Martin und Jürgen Schaffarczik würden gerne helfen.

Aktivsenioren

Vorbereitet sein auf die Zeit nach Corona

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Aktivsenioren beraten Unternehmer in der Krise und rechnen mit deutlich steigender Nachfrage.

Landkreis – Viele Unternehmen im Landkreis stecken in der Krise. Kostenlose Hilfe bieten ihnen die Aktivsenioren: Führungs- und Fachkräfte im Ruhestand aus sämtlichen Branchen mit allerhand Berufs- und Lebenserfahrung. Der seit 1984 bestehende und bayernweit agierende Verein stellt sich darauf ein, dass die Großzahl der coronabedingten Härtefälle erst noch kommt. „Wir erwarten spätestens ab dem Frühjahr einen deutlich gestiegenen Beratungsbedarf“, sagt Jürgen Schaffarczik, Regionalleiter Oberbayern Südwest aus Gauting. Langsam zeichne sich ab, dass die staatliche Hilfe das Überleben von Firmen nicht zwangsweise sichert. „Die Luft wird dünner.“

Der 64-Jährige arbeitete fast vier Jahrzehnte bei Siemens, managte als Führungskraft internationale Projekte im Bereich Kommunikationstechnik. Nach der Karriere wollte er sein Wissen weitergeben. Für die Aktivsenioren hat er Ärzte, Handwerker, Künstler und selbst Unternehmensberater beraten. Den Verein sieht er nicht nur als Starthelfer für Existenzgründungen, sondern auch als „Feedbackgeber und Begleiter“ von Unternehmern in schwierigen Phasen. Gerade in der Corona-Krise weisen die Aktivsenioren auf ihre kostenlosen einstündigen Einzelberatungen hin, die jeden ersten Dienstag im Monat stattfinden. Und Schaffarczik gibt den Tipp: „Irgendwann wird nach Corona sein. Darauf sollte man sich vorbereiten. Die Arbeitsfelder werden sich verändern, zum Beispiel im Bereich gastronomie und Tourismus.“

Wie wird man eigentlich Aktivsenior? Karin Martin, Mitglied aus Herrsching, ist mit dem Namen ihres Vereins nicht ganz glücklich. Jeder mit viel Kompetenz und Berufserfahrung, der vielleicht auch Schicksalsschläge gemeistert habe, könne sich einbringen. „Egal, wie alt derjenige ist“, sagt die 54-Jährige. Ihren Beruf als Leiterin des Rechnungswesens bei der Münchener Rück musste sie wegen Multipler Sklerose vor zwei Jahren aufgeben. Die Erfahrungen als Führungskraft und strategische Denkerin will sie aber weitergeben. Eine Voraussetzung gibt es aber schon für einen Aktivsenior: „Man muss finanziell unabhängig sein“ – sprich: Man muss es geschafft haben“, sagt Schaffarczik. Es gehe darum, frei von wirtschaftlichen Interessen zu beraten und sich so auch vom klassischen Unternehmensberater abzuheben. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Martin.

Bei manchen Unternehmern ist das ein hartnäckiges Unterfangen. Sie habe öfter erlebt, „dass Leute nicht realisieren, dass sie durch eigenes Verschulden in eine Krise geraten sind“, sagt Martin. Oder dass manche Künstler zu wenig wert auf Versicherungsthemen legen.

Die Aktivsenioren verlangen keine Honorare, sondern nur Kostenpauschalen, um den Verein und seine professionellen Strukturen zu finanzieren. 100 Euro kostet zum Beispiel die sogenannte Tragfähigkeitsbescheinigung, die sie Existenzgründern ausstellen. In ganz Bayern sind mehr als 300 Führungs- und Fachkräfte im Ruhestand im Einsatz.

Informationstag

An jedem ersten Dienstag im Monat veranstalten die Aktivsenioren einen Infotag mit kostenlosen einstündigen Einzelberatungen bei der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung am Kirchplatz 3, Starnberg. Anmeldungen per E-Mail an Annette von Nordeck: nordeck@starnbergammersee.de.

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